Hexenjagd in Burkina Faso Neues Anti-Homosexuellengesetz verschärft die Lage radikal
Die Lage für Homosexuelle in Burkina Faso wird immer gefährlicher, seitdem die Militärregierung unter Führung von Ibrahim Traore im Sommer dieses Jahres ein neues Gesetz verabschiedet hat, das Homosexualität kriminalisiert und kurz darauf außerdem aus dem Internationalen Strafgerichtshof ausgetreten ist. Das Land in Westafrika erkennt damit grundlegende Menschenrechte nicht mehr an. Nun berichten Betroffene von einer Hexenjagd und Lynchjustiz vor Ort, die gezielt schwule Männer zum Opfer hat.
Keine Atempause für Schwule
Gegenüber der queeren Menschenrechtsorganisation 76crimes beteuerten seit Juli dieses Jahres immer mehr Schwule, dass die Lage von Woche zu Woche dramatischer wird. „Mit dem neuen Gesetz gibt es keine Atempause mehr. Immer mehr Menschen im Land fühlen sich verpflichtet, sich an der Verfolgung von Homosexuellen zu beteiligen. Schwule Männer erleben eine gnadenlose Hexenjagd“, so der schwule Quentin im jüngsten Bericht des Vereins. Wenn das Gesetz offiziell in Kraft tritt, könne sich die Lage noch weiter radikalisieren, so der junge Mann weiter. Auch andere Betroffene der Community äußern sich im Bericht mit ähnlichen Ängsten.
Druck von den Familien
Erschreckend sei dabei auch, wie schnell sich die Situation verschärfe – zwar wurden Homosexuelle bereits vor dem neuen Gesetz stigmatisiert und diskriminiert, doch war gleichgeschlechtlicher Sex bis dato nicht verboten. Nun erleben immer mehr Schwule und Lesben, dass sie von ihren Familien unter Druck gesetzt werden, möglichst schnell eine heterosexuelle Ehe einzugehen. Die burkinische Junta indes beteuerte erneut, hinter dem Gesetz zu stehen – die neuen Richtlinien würden dabei „im Einklang mit den Bräuchen und Traditionen des Landes“ stehen. Es drohen nun Haftstrafen von bis zu fünf Jahren für homosexuelle Handlungen.
Angriffe auf queere Vereine
Die wenigen LGBTIQ+-Vereine im Land erleben indes einen massiven Mitgliederschwund, niemand will mehr etwas mit den Gruppen zu tun haben. Die, die noch kommen, leben immer mehr in Lebensgefahr – wenn ein Treffen vorab bekannt wird, werden die genauen Daten über die sozialen Medien geteilt, sodass oftmals vor Ort dann homophobe Schlägergruppen bereits auf Schwule und Lesben warten. „Die Leute teilen auch Listen mit Orten, an denen wir uns treffen, und geben diese an die Behörden weiter. Dann erwartet uns auch die Polizei vor Ort“, so ein schwuler Mann namens Phoenix. Dabei beteuert auch er weiter: „Die Community ist extremer Gewalt ausgesetzt, wobei manche Menschen sogar zu Mord fähig sind. Das Gesetz kann als Aufforderung interpretiert werden, Gewalt gegen uns auszuüben.“
Die letzten verbleibenden Gruppen haben sich offiziell umformiert, um nach außen hin keinen Verdacht zu erregen. Intern wird dabei vor allem versucht, homosexuellen wie auch queeren Menschen ganz praktisch zu helfen, beispielsweise im Bereich der medizinischen Unterstützung oder auch bei der Wohnungssuche.
Bleiben oder flüchten?
Burkina Faso ist damit einer von rund 30 Staaten in Afrika, indem Homosexualität inzwischen illegal geworden ist. Für Schwule und Lesben vor Ort bleibt nur die Flucht, wenn möglich, oder ein Leben im Geheimen. Der schwule Aktivist Alex betonte dazu: „Angesichts einer ungewissen Zukunft in Burkina Faso denken viele LGBTIQ+-Personen darüber nach, das Land zu verlassen. Wir sind alle bedroht, aber wenn wir gehen, wer wird dann denen helfen, die zurückbleiben?“ Quentin indes erklärte abschließend: „Ich werde mein Leben weiterhin gut versteckt führen. Ich habe nicht vor, mein Leben zu gefährden, indem ich meine Sexualität öffentlich zur Schau stelle.“