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Mobbing bis zum Tod

Mobbing bis zum Tod 14-Jähriger begeht Selbstmord in Italien

ms - 15.09.2025 - 12:00 Uhr
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In Italien hat letzte Woche ein vermeintlich schwuler Junge im Alter von 14 Jahren Selbstmord begangen, nachdem er über Monate und Jahre von seinen Mitschülern gemobbt und bedroht worden war. Nach Angaben der Eltern schritt weder die Schulleitung noch die Lehrer ein. Der tragische Fall sorgt in diesen Tagen landesweit für Trauer und Entsetzen. 

Im Kinderzimmer erhängt

Am Morgen des 11. September, kurz bevor das neue Schuljahr beginnen sollte, hat sich der 14-jährige Paolo in seinem Kinderzimmer im Elternhaus in Cosma e Damiano in der Provinz Latina südlich von Rom erhängt. Sein Vater fand ihn, nachdem er nachsehen wollte, warum sein Sohn nicht in die Küche kommt, um vor dem Schulbeginn etwas zu essen. Alle Versuche, den Teenager zu reanimieren, blieben erfolglos. Seine Eltern beschreiben ihren Sohn mit den langen, blonden Haaren als leidenschaftlichen Musik- und Kochfan, außerdem hatte er ein Faible für Engel. Im November dieses Jahres wäre Paolo 15 Jahre alt geworden. 

Beleidigungen und Gewaltandrohungen

Kurz vor seinem Suizid hatte sich der 14-Jährige seine Haare abgeschnitten, weil ihn seine Mitschüler auch deswegen immer wieder als Mädchen beschimpft hatten. Aus den Gruppenchats geht hervor, dass sie ihn als  „Paoletta“, „Nino D'Angelo“ und „Weichei“ diffamierten, sie schrieben ihm „Du bist eine Tussi“ und „Deine Mutter ist eine Hure“ und drohten ihm mit Sätzen wie „Ich schlag dir die Eier auf den Kopf!“. Die Staatsanwaltschaft von Cassino hat inzwischen eine Untersuchung wegen Anstiftung zum Selbstmord eingeleitet und Paolos Mobiltelefon, seine Xbox-Konsole und die Telefone einiger Klassenkameraden beschlagnahmt. 

Untersuchung an den Schulen

Zudem erklärte Bildungsminister Giuseppe Valditara, dass die von Paolo besuchten zwei Mittelschulen sowie ein technisches Institut nun von den Ermittlern genau untersucht werden würden. Im Kern geht es dabei um die Frage, ob Schulleiter und Lehrer den Jungen geschützt haben oder nicht. Seit 2024 sind Lehrkräfte dazu verpflichtet, im Fall von Mobbing sofort einzugreifen und schwere Fälle zeitnah den Behörden zu melden. Nach Angaben von Paolos Eltern erfolgte das nicht. „In der Grundschule richtete ein Mitschüler einen Plastikschraubenzieher auf unseren Sohn und sagte, er würde ihn umbringen, und die Lehrerin griff nicht ein. In der Mittelstufe kam das Mobbing durch die Lehrer hinzu, dann im Pacinotti-Gymnasium die Hänseleien durch die Mitschüler: Sie nannten ihn ´Paoletta´, ´Weichei´ und warteten im Badezimmer auf ihn. Sie hatten versprochen, uns zu helfen, aber alles endete erst, als Paolo sich die Haare schnitt. Wie oft habe ich ihn weinen sehen. Die Schule wusste davon und hat nichts unternommen“, so seine Mutter Simonetta La Marra. 

Warum ihr Sohn zum Mobbingopfer wurde, beschreibt die trauernde Mutter so: „Er war anders als die anderen, deshalb war er allein. Er liebte Musik, ging gerne mit seinem Vater angeln, kochte gerne und half im Haushalt. Auch deshalb wurde er gemobbt. Am letzten Abend vor der Tragödie backte er Brot und Kekse. Er setzte sich immer für die Schwächeren ein, deshalb nannten sie ihn Spitzel.“ Bei der Beerdigung von Paolo erschienen von zwölf direkten Klassenkameraden nur ein einziger Freund.

Offener Brief an Regierungschefin 

In die Kritik gerät dabei auch immer mehr Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni, die seit Jahren einen strikten Anti-Homosexuellenkurs fährt. Aktuell wird an drei neuen Gesetzentwürfen gearbeitet, die Aufklärung im Bereich Homosexualität an allen Schulen im Land unterbinden sollen. Italienische Medien bezeichnen das Vorhaben bereits als „italienisches Anti-LGBTIQ+-Gesetz“.

Ivan Roberto, der ältere Bruder von Paolo, wandte sich deswegen jetzt in einem öffentlichen Brief an Ministerpräsidentin Meloni und Minister Valditara: „Ich bitte darum, dass der Tod meines Bruders und der anderen Opfer nicht in Vergessenheit gerät und dass konkrete und wirksame Maßnahmen zur Bekämpfung von Mobbing ergriffen werden. Es ist unerlässlich, eine Kultur der Prävention, der Verantwortung und des Respekts zu fördern, damit kein anderer Junge oder kein anderes Mädchen mehr psychischer oder physischer Gewalt ausgesetzt ist, die sie zu extremen Handlungen treibt.“

 

Hier gibt es Hilfe

Die Berichterstattung über Suizid ist ein überaus sensibles Thema. Wir möchten es in KEINSTER Weise glorifizieren oder romantisieren. Viele Menschen, die durch Suizid sterben, leiden an einer psychischen Erkrankung. Wenn es dir nicht gut geht oder du daran denkst, dir das Leben zu nehmen, versuche mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch eine Vielzahl von Hilfsangeboten, bei denen du dich melden kannst. Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222.

Mit Beratung steht dir auch der Coming Out Day Verein via Messenger oder E-Mail unter www.coming-out-day.de zur Seite. Weiterhin gibt es von der Telefonseelsorge das Angebot eines Hilfe-Chats. Außerdem gibt es die Möglichkeit einer E-Mail-Beratung. Die Anmeldung erfolgt – ebenfalls anonym und kostenlos – auf der Webseite. Informationen findest du unter: www.telefonseelsorge.de

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