Direkt zum Inhalt
Widerstand in Uganda
ANZEIGE

Widerstand in Uganda Eltern wehren sich gegen das Anti-Homosexuellen-Gesetz

ms - 14.08.2025 - 14:00 Uhr
Loading audio player...

Seit rund zwei Jahren existiert in Uganda inzwischen das Anti-Homosexuellen-Gesetz, dass gleichgeschlechtliche sexuelle Handlung mit hohen Haftstrafen bis hin zur Todesstrafe ahndet. Für  homosexuelle und queere Menschen ist ihre einstige Heimat zur Hölle geworden, wie auch Menschenrechtsaktivist John Solomon Nabuyanda im SCHWULISSIMO-Interview bestätigte. Jetzt entwickelt sich im Land zaghaft ein erster Widerstand – ausgehend von den Müttern homosexueller und queerer Kinder. 

Erstes Umdenken bei Eltern

Nach Angaben der Deutschen Welle (DW) und der queeren Hilfsorganisation Erasing 76 Crimes wächst im Land ein stiller, aber entschlossener Widerstand. Immer mehr Eltern wollen nicht hinnehmen, dass ihren Kindern lebenslange Haftstrafen drohen, nur weil sie homosexuell sind. „Die Leute sagen, Queerness sei unafrikanisch, aber ich weiß, dass das nicht stimmt. Ich habe mein Kind nicht mit ausländischem Fernsehen großgezogen, wo er angeblich ´gelernt´ haben könnte, schwul zu sein. Er ging nicht auf ein Internat, wo andere glauben, dass solche Dinge passieren. Ich habe ihn hier großgezogen, sehr afrikanisch, und er ist sehr schwul“, so eine Mutter aus Zentraluganda gegenüber der DW.

Homosexualität ist afrikanisch 

Immer mehr Menschen im Land hinterfragen die, oftmals von Kirchen angeheizten Hass-Botschaften über die angebliche Verdorbenheit von Homosexuellen, die Afrika heimsuchen würde. „Es war der Kolonialismus, der die Ehe als Verbindung von männlichen und weiblichen Partnern definierte. Es war der Kolonialismus, der mit der Religion einherging, und gemäß den religiösen Lehren wurde Homosexualität als Sünde betrachtet. Dazu kommen Fehlinformationskampagnen, die suggerieren, dass Kinder ´rekrutiert´ werden. In Uganda gab es das Strafgesetzbuch, das gleichgeschlechtliche Beziehungen als unnatürliche Straftat und Verstoß gegen die Natur ansah, aber dieses Gesetz wurde 1902 von den britischen Kolonialherren eingeführt. Vor ihrer Ankunft gab es keine kulturelle Richtlinie oder traditionelle Praxis, die gleichgeschlechtliche Beziehungen verbot. Diejenigen, die heute in Afrika noch das Narrativ verbreiten, sind also unwissend und ungebildet in Bezug auf die traditionelle afrikanische Geschichte. Homophobie ist nicht afrikanisch, sondern westlich. Homosexualität indes ist afrikanisch“, bestätigt Aktivist Nabuyanda

Mutige Mütter

Die Mütter, die jetzt aufbegehren gegen den Hass seitens der Kirche und der Regierung und gegen die Homophobie in weiten Teilen der Gesellschaft, machen sich dabei selbst zur Zielscheibe. Gegenüber DW berichten Eltern, dass sie immer wieder Drohungen bekommen und inzwischen von Nachbarn gemieden werden. „Als afrikanische Mutter eines queeren Kindes muss man mit Schmerz und Isolation leben. Aber ich bin stolz auf meinen Sohn“, so eine der Mütter. 

Eine andere Mutter erklärt weiter: „Wenn ein Kind sich über seine Sexualität öffnet, ist das zunächst nicht einfach. Für viele von uns Eltern ist der Anfang am schwersten. Aber mit der Zeit beginnt man, diesen Weg gemeinsam zu gehen, lernt sein Kind auf einer tieferen Ebene kennen und es kommt einem näher. Ich habe immer versucht, mein Kind zu begleiten und ihm zu zeigen, was gut ist und was nicht. Und weil ich diesen Raum geschaffen habe, sind sie mir gegenüber sehr offen. Queere Kinder werden oft hart beurteilt, aber dabei wird ihre Güte übersehen. Das sind wunderbare Kinder.“

Aufklärung in der Gemeinschaft 

Die Mütter schließen sich dabei immer mehr zu Gruppen zusammen und treten auch öffentlich für ihre Meinung ein, beispielsweise bei Gemeindeversammlungen oder auch bei Familien- und Freundestreffen. Darüber hinaus versuchen sie, weitere Eltern davon zu überzeugen, sich für ihre homosexuellen oder queeren Kinder einzusetzen: „Ich ermutige Eltern, ihre Kinder zu lieben, damit sie der Gesellschaft beibringen können, wie man sie liebt. Denn obwohl Südafrika ein fortschrittliches Land ist, gibt es hier eine ganze Menge queere Menschen, die vergewaltigt und brutal ermordet werden, von ihren Eltern verstoßen werden, Selbstmord begehen oder psychische Probleme haben“, so eine Mutter. 

Immer mehr durchschauen dabei offenbar auch, dass LGBTIQ+-Menschen zu Sündenböcken gemacht werden, um so von politischen Verfehlungen der Regierung abzulenken. Homosexuelle und queere Kinder seien, so eine Mutter weiter, das „leichteste Ziel“. Trotz einer Zunahme der Gewalt gegenüber Schwulen und Lesben wollen diese Eltern nicht mehr schweigen, wie Mama Joseph abschließend betont: „Ich werde mein Kind nicht aus Scham begraben. Wir haben schon zu viele begraben.“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Kürzungen bei Lambda

Regierung begründet Entscheidung

Der Förderstopp des queeren Jugendnetzwerks Lambda sorgt weiter für scharfe Kritik, jetzt begründete die Bundesregierung diesen Schritt.
Die Jugend altert schneller

Studie über queere Gen-Z

Eine neue Studie deutet darauf hin, dass beschleunigtes biologisches Altern das steigende Krebsrisiko bei jüngeren Menschen mit erklären könnte.
Attacke von Hunter Biden

Debatte um homophobe Heuchelei

Hunter Biden wirft führenden Republikanern vor, ihre Homosexualität zu verbergen und daraus Hass gegen Minderheiten abzuleiten.
Grindr wächst weiter

Viel Kritik ohne Folgen

Trotz anhaltender Kritik gewinnt Grindr weiter zahlende Nutzer – und baut seine Marktführerschaft im Dating für schwule Männer 2026 deutlich aus.
Flucht aus Nigeria

Leben in ständiger Angst

Ein 17-jähriger Schwuler aus Nigeria hofft auf Flucht – weil ihm in seiner Heimat wegen seiner sexuellen Orientierung Haft, Gewalt oder sogar der Tod drohen.
Nachbarschaftskrieg in Florida

Sieben Jahre Haft für Angreifer

Nach wiederholten queerfeindlichen Belästigungen schoss ein Mann in Florida seinen trans* Nachbarn nieder und muss nun sieben Jahre ins Gefängnis.
Neue Angriffe auf DJ Butch

Attacke von Linksextremisten

Nach dem Abbruch eines Auftritts von DJ Barbara Butch in Grenoble wächst die Kritik an der Aktion von linksextremen Aktivisten.
Ein Jahr ohne Helpline

LGBTIQ+-Jugendliche in den USA

Ein Jahr nach dem Ende der US-Krisenhilfe für LGBTIQ-Jugendliche bleibt die Zukunft des Angebots unklar – Experten warnen vor Risiken.
Flucht vor Putins Armee

Homosexuelle Russen in Angst

Russische Deserteure und homosexuelle Menschen fürchten bei einer Rückkehr Verfolgung. Deutschland bietet dabei derzeit nur begrenzten Schutz.