Direkt zum Inhalt
Hoffnung in der Ukraine

Hoffnung in der Ukraine Erstmals wurden zwei Schwule als Ehepartner vor Gericht anerkannt – die Community feiert den Sieg

ms - 09.07.2025 - 14:00 Uhr
Loading audio player...

Seit Jahren kämpft die schwul-lesbische Community in der Ukraine um die gleichgeschlechtliche Ehe. Trotz einer grundsätzlichen Bereitschaft dafür erklärte Präsident Wolodymyr Selenskyj mehrfach, in Kriegszeiten keine Gesetze diesbezüglich ändern lassen zu werden – auch auf Druck des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte bisher nicht. Nun sprach erstmals ein Gericht im Land einem schwulen Paar Recht zu. 

Sieg auf ganzer Linie 

Geklagt hatten der israelische Botschaftsdiplomat Zoryan Kis und sein Mann Tymur Levchuk, die seit 2013 in Kiew als Paar zusammenleben. Im Jahr 2021 heirateten die beiden Männer in den USA. Das ukrainische Außenministerium erkannte die Ehe nicht an, was zur Folge hatte, dass Levchuk seinen Partner nicht bei seiner Arbeit als Diplomat auf Reisen begleiten durfte. Dagegen klagte das Paar. Das Gericht in Kiew stellte jetzt klar: Diese Entscheidung des Ministeriums war falsch, die beiden schwulen Männer sind als Ehepaar in allen Punkten anzuerkennen. In seiner Urteilsbegründung betonten die Richter auch noch einmal die Urteile des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte

 Es ist das erste Mal, dass in der Ukraine damit ein homosexuelles Paar offiziell heterosexuellen Ehepartnern in allen Punkten gleichgestellt wurde. Vor dem Urteilsspruch hatten die Richter das Leben der beiden Männer überprüfen lassen inklusive Bankkonten, Fotos, Verträgen und gemeinsamen Reisen. Außerdem wurden beide Ehemänner getrennt voneinander befragt. 

Wichtiger Schritt für Gleichberechtigung

Die LGBTIQ+-Community im Land feiert das Urteil als großen Sieg und hofft jetzt darauf, dass der Richterspruch den Kampf für ein Partnerschaftsgesetz oder eine Ehe für alle in der Ukraine weiter vorantreibt. Kis betonte auf Facebook: „Das ist ein sehr großer und wichtiger Schritt zur Gleichberechtigung der Ehe in der Ukraine und ein kleiner Sieg im Kampf um ein ´einfaches Familienglück´ für einen ukrainischen Diplomaten. Jetzt gibt es ein Gerichtsurteil, dass meine Gefühle zu Tymur Levchuk bestätigt.“ Unterstützt wurde das Paar von zwei LGBTIQ+-Organisationen. 

Durch die Teilnahme von schwulen Soldaten am Krieg gegen Russland, hat sich das Bild der Gay-Community in der Ukraine insgesamt nachweislich verbessert innerhalb der Gesellschaft. Immer stärker wird auch hier der Ruf nach einer Homo-Ehe laut, damit der Partner zu Hause mehr Rechte hat, wenn sein gleichgeschlechtlicher Ehemann im Einsatz verwundert oder getötet wird. Die Zustimmung für die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe lag 2024 bereits bei über 70 Prozent – vier Jahre zuvor konnten sich das nur 29 Prozent der Ukrainer vorstellen.   

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Forderung der Linksfraktion

Gedenken für alle queeren Opfer

Die Linksfraktion fordert eine offizielle Anerkennung der Bundesregierung aller queeren Opfer der Nationalsozialisten, nicht "nur" der homosexuellen.
Selenskyj bricht Versprechen

Keine Rechte für homosexuelle Paare

Rollback Ukraine: Präsident Selenskyj bricht sein Versprechen, das Parlament will ein extrem restriktives Gesetze gegen LGBTIQ+-Rechte einführen.
Mehr LGBTIQ+-Menschenrechte

Vorstoß von EU-Abgeordneten Zan

Der Grundrechtebericht des italienischen EU-Abgeordneten Alessandro Zan wurde jetzt im EU-Parlament angenommen. Ziel: Stärkung der LGBTIQ+-Rechte.
Gewalt im Iran geht weiter

Appell von Amnesty International

Im Iran kämpft das Regime nach wie vor um den Machterhalt, viele Aktivisten werden verschleppt, darunter mutmaßlich auch LGBTIQ+-Menschen.
Blutige Spur durch die USA

Über 1.000 Angriffe auf LGBTIQ+

Die Angriffe auf die LGBTIQ+-Community in den USA haben erneut 2025 zugenommen, besonders stark betroffen waren dabei Pride-Veranstaltungen.
Jetten wird Ministerpräsident

Minderheitenregierung bestätigt

In den Niederlanden haben sich 3 Parteien nun auf eine Minderheitenregierung geeinigt. Rob Jetten wird der erste schwule Ministerpräsident des Landes.
Gedenken in Berlin

Opfer des Nationalsozialismus

In Berlin findet heute die Kranzniederlegung am Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen statt.
Tilly Prozess in Russland

Verfahren wird fortgesetzt

Der Prozess gegen Jacques Tilly und seine Putin-kritischen Karnevalswagen geht heute in Russland unbeirrt weiter trotz internationaler Proteste.
Programm AfD Sachsen-Anhalt

Debatte über Regierungsentwurf

Ein Entwurf der AfD Sachsen-Anhalt sorgt für Empörung: Gefördert werden sollen nur noch heterosexuelle Familien, die Pride-Flagge soll verboten werden