Direkt zum Inhalt

Urteil für Regenbogenfamilien Gericht in Baden-Württemberg betont Reformbedarf beim Abstammungsrecht und verweist ans Bundesverfassungsgericht

Von ms - 26.06.2025 - 12:00 Uhr
Urteil für Regenbogenfamilien
Foto: iStock / mictian
ANZEIGE
Loading audio player...

Das Abstammungsrecht verletzt die Grundrechte von homosexuellen Eltern und ihren Kindern und diskriminiert damit Regenbogenfamilien – zu diesem Urteil gelangte jetzt das Amtsgericht Pforzheim in Baden-Württemberg. Die Richter riefen deswegen jetzt das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe zur Klärung an. 

Verletzung von Grundrechten

Dem Urteil war eine Klage eines lesbischen Paares vorausgegangen, das seit über zwei Jahren dafür kämpft, dass beide Frauen von Geburt des gemeinsamen Kindes an als rechtliche Mütter anerkannt werden. Bis heute ist das nicht möglich, die nicht leibliche Mutter kann nur mittels einer zumeist langwierigen und teuren Stiefkindadoption die gleichen Rechte zugesprochen bekommen. Davor hat das Kind rechtlich gesehen nur eine Mutter, die lesbische Partnerin hat indes keine Mitsprache- oder anderweitige Fürsorgerechte. 

Christina Klitzsch-Eulenburg aus dem Bundesvorstand des Verbands Queere Vielfalt (LSVD+) erklärte dazu: „Der Fall aus Pforzheim ist ein weiteres Alarmsignal – die Bundesregierung muss endlich handeln! Wir brauchen endlich ein diskriminierungsfreies und modernes Familien- und Abstammungsrecht, das der Lebensrealität von Regenbogenfamilien gerecht wird. Ab Geburt rechtlich abgesichert werden aktuell nur Familien, in denen der zweite Elternteil den Geschlechtseintrag ´männlich´ hat. Diese Diskriminierung aufgrund des Geschlechts des Elternteils und nur ein rechtliches Elternteil ab Geburt zu haben, gefährdet das Kindeswohl.“

Acht Verfahren gegen das Abstammungsrecht

Klitzsch-Eulenburg verweist zudem darauf, dass inzwischen sechs Fachgerichte Normenkontrollverfahren betreiben, weil sie der Überzeugung sind, dass das Abstammungsrecht rechtswidrig Grundrechte von Kindern und Eltern aus homosexuellen Familien verletzt. „Zusätzlich liegt dem Bundesverfassungsgericht eine Verfassungsbeschwerde einer betroffenen Familie vor. Insgesamt sind damit acht Verfahren anhängig – doch das höchste Gericht hat bislang keine Entscheidung getroffen. Stattdessen verweist es auf die angekündigte Reform des Familien- und Abstammungsrechts.“

Diese Reform war von der Ampel-Regierung angestrebt worden, konnte final aber nicht umgesetzt werden. Bundeskanzler Friedrich Merz legte im April dieses Jahres nahe, dass die Bundesregierung hier an einer Reform arbeiten werde. Ob und wann das Thema konkret angegangen wird, ist allerdings derzeit offen. „Dabei herrscht seit Jahren politischer Konsens darüber, dass diese rechtliche Diskriminierung beendet werden muss. Auch im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD wurde angekündigt, Familienpolitik am Wohl des Kindes auszurichten. Aus unserer Sicht ist klar: Eine rasche Reform des Abstammungsrechts ist aus Gründen des Kindeswohls und der Gleichstellung längst überfällig“, so Klitzsch-Eulenburg abschließend. 

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

DER STANDARDRegenbogenbank in Berliner Tiergarten nach CSD-Anschlag erneut beschädigttazTürkisches Nachrichtenportal gesperrt: Türkei immer abgehängterDie PresseBei aller Liebe, keinen Sex bitte: Mareike Fallwickls neuer Roman [premium]Frankfurter Allgemeine Zeitung„LGBT-Propaganda“: Warum die Türkei wirklich gegen ein renommiertes Onlineportal vorgehtAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie sollte das Abstammungsrecht für Regenbogenfamilien geregelt werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

36 Jahre Deutsche Einheit

Leben nach dem Mauerfall

Vom Mauerfall bis zur Ehe für alle: Für LGBTIQ+-Menschen brachte die deutsche Einheit neue Freiheiten – aber auch unerwartete Rückschritte.
NHL entdeckt „Heated Rivalry“

Schwule Romanze soll Fans locken

Mit der PR-Aktion „Hot for Hockey“ greift die NHL den Erfolg von „Heated Rivalry“ auf – doch die Marketingstrategie stößt bei Fans auf viel Kritik.
Tom Ford zeigt Haut

Männer-Tanga wird Luxusmode

Tom Ford macht den Männer-Tanga zum Luxus-Look: Kreativdirektor Haider Ackermann verbindet in Paris schwulen Sexappeal mit eleganter Herrenmode.
US-Basketball-Coach sagt Ja

Liebe auf den ersten Blick

US-Basketballtrainer Matt Lynch und Cody Aaron haben sich nach mehr als zwei Jahren Beziehung verlobt – die Hochzeit soll 2027 folgen.
Mehr Schutz in Bangladesch

Petition gegen Diskriminierung

Studenten und Aktivisten in Bangladesch fordern mit einer Petition besseren Schutz für LGBTIQ+-Menschen und ein Ende der Diskriminierung.
Abstimmung über die Ehe

Virginias Änderung der Verfassung

Der US-Bundesstaat Virginia stimmt darüber ab, die Ehe für Homosexuelle in seiner Landesverfassung zu schützen. Ein Schritt mit viel Symbolkraft.
Eklat in Österreich

Streit um queere Touristen

Die FPÖ will Pride- und LGBTIQ+-Themen aus Österreichs Tourismuswerbung zurückdrängen – andere Parteien widersprechen.
Am Ende des Regenbogens

Kulturkampf in den Niederlanden

Niederlands Gemeinde Oldebroek will seine LGBTIQ+-Politik abschaffen und sorgt damit landesweit für Schlagzeilen und Entsetzen in der Community.
Mord auf den Philippinen

Militär tötet queere Aktivistin

Die trans* Aktivistin Kai Sorem wurde auf den Philippinen getötet. Die bisherigen Untersuchungen legen eine Vertuschung durch das Militär nahe.