Ein Taxi als Safe Space Ein Taxi als sicherer Zufluchtsort für queere Menschen – das neue Konzept macht Schlagzeilen in Bayern
München steckt in diesen Tagen mittendrin in den Pride-Weeks, am kommenden Samstag findet die große CSD-Demonstration unter dem kämpferischen Motto „Liberté Diversité Queerité“ statt. Mit einer besonderen Aktion machen nun einige Taxifahrer in der Isarstadt von sich reden.
Safe Space im Taxi
In Zeiten steigender Hasskriminalität, gerade und insbesondere auch in Bayern, nutzen viele queere Menschen gerne ein Taxi, um zum Ort des Geschehens zu kommen, gerade vor allem dann, wenn sie passend zum Pride bunt und auffallend gekleidet sind. Was vermeintlich eine sicherere Anreise als die Fahrt mit U-Bahn, Tram, S-Bahn oder Bus sein soll, entpuppt sich für einige trotzdem zu einer Tortur – zumindest dann, wenn ein Taxifahrer zum Beispiel mit abfälligen Blicken oder Kommentaren zur Stelle ist.
Der schwule Taxifahrer Max Schnotale (36) hat genau das vor zwei Jahren im Fahrzeug eines Kollegen auf dem Weg zum Münchner CSD erlebt: „Ich war, wie es beim CSD so ist, etwas schriller angezogen, regenbogenmäßig.“ Der Kollege habe ihn deswegen die ganze Zeit über durch den Rückspiegel angestarrt. „Das war sehr urteilend und abwertend“, so Schnotale im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. In diesem Jahr hat er sich daher gedacht: Solch eine Situation will er niemandem mehr zumuten.
Große Zustimmung beim CSD-Team
Kurzerhand hat der Münchner Taxifahrer daher gut sichtbar eine Regenbogenfahne an seinem Fahrzeug angebracht und die dazu passende Initiative gegründet, an der sich inzwischen weitere Kollegen beteiligen – ihre Taxis werden so allesamt zu „Safe Spaces“ für LGBTIQ+-Menschen. Das CSD-Team zeigt sich bereits von der Aktion extrem begeistert, so Pressereferent Conrad Breyer: „Wir sind für diese Aktion und die Kooperation absolut dankbar. Denn es gab in der Vergangenheit immer wieder Übergriffe am Rande des CSD – und wir haben in Gesprächen mit der Community deutlich herausgehört, dass so etwas gewünscht wird.“
Langfristige Aktion
Nebst der direkten Hilfe für Schwule, Lesben und queere Personen während der Pride-Zeit hofft Schnotale, dass er überdies andere Kollegen mit der Aktion für die Community sensibilisieren kann – im besten Fall mit Langzeiteffekt, der auch abseits des Pride-Monats Wirkung zeigt. „Mein Ziel ist es, die Safe Spaces nicht nur beim CSD anbieten zu können. Es gibt das ganze Jahr über so viele, auch kleinere Veranstaltungen wie Straßenfeste oder Auftritte von Drag-Queens.“ Am Schönsten wäre es dabei natürlich, wenn langfristig solche fahrenden Zufluchtsorte gar nicht mehr nötig wären: „Aber so weit sind wir leider noch nicht.“ Bis dahin will der 36-Jährige versuchen, andere Taxiunternehmen und weitere Kollegen von der Aktion zu überzeugen.