Direkt zum Inhalt
Wenig Einsatz gegen Hassverbrechen

Wenig Einsatz gegen Hassgewalt Was wurde aus den Ideen der Innenministerkonferenz gegen LGBTIQ+-Hassgewalt?

ms - 19.05.2025 - 15:00 Uhr
Loading audio player...

Im Jahr 2023 hatte die Innenministerkonferenz (IMK) mehrere Handlungsempfehlungen beschlossen, um gezielt gegen homophobe und transfeindliche Gewalt in Deutschland vorzugehen. Seitdem sind bundesweit die Fälle von Hasskriminalität weiter angestiegen, die ILGA Europe warnte letzte Woche mit Blick auf ganz Europa gar vor einem „koordinierten globalen Gegenschlag, der auf die Auslöschung von LGBTI-Rechten abzielt.“ Was wird also aktuell getan gegen Hassverbrechen gegenüber der Community?

Bundesländer haben wenig getan

Zu wenig, so das Resultat des Verbandes Queere Vielfalt (LSVD+). Im Rahmen des IDAHOBIT vom vergangenen Wochenende untersuchte der Verein den bundesweiten Umsetzungsstand der Pläne aus der Innenministerkonferenz: „Viele Bundesländer haben die Maßnahmen nur lückenhaft oder gar nicht umgesetzt. Dabei stehen die Länder und Kommunen in der Verantwortung, sensibilisierte lokale Sicherheitsstrukturen zu gewährleisten, Ansprechpersonen bei der Polizei einzurichten, Fortbildungen anzubieten und mit der Community zusammenzuarbeiten“, so Henny Engels aus dem Bundesvorstand. 

Mehr Sicherheit bei Prides

Der LSVD+ fordert daher nun eine vollständige Umsetzung der IMK-Handlungsempfehlungen in allen Bundesländern und bei der Bundespolizei. Dazu müsse es auch eine „verbindliche Strukturverantwortung für Polizei, Justiz, Bildung und Opferschutz“ geben. Mit Blick auf die bereits gestartete CSD-Saison und den jüngsten Vorfällen in Gelsenkirchen und Mönchengladbach unterstreicht der Verein die Wichtigkeit von umfassenden Sicherheitskonzepten für alle Prides in Deutschland und einer starken Zusammenarbeit seitens Polizei und Behörden mit den CSD-Veranstaltern. Dazu müsse es endlich „hauptamtlich und angemessen ausgestattete Ansprechpersonen“ für die LGBTIQ+-Community in allen Polizeibehörden geben. Der LSVD+ betont dabei zentrale Aspekte wie Vernetzung, Sichtbarkeit und klare Zuständigkeiten. Damit einhergehend gelte es, die bundesweite Präventionsarbeit zu stärken, besser und langfristig zu finanzieren und wissenschaftlich zu begleiten. 

Keine Symbolpolitik, mehr Verantwortung

Langfristig müssten die zuständigen Stellen in den Bundesministerien auch eine „regelmäßige Dunkelfeldforschung“ betreiben, also genauer hinsehen bei den rund 90 Prozent aller Angriffe auf die Community, die gar nicht erst publik werden. Dazu betonte der LSVD+ abschließend einmal mehr auch die Forderung nach einer Ergänzung des Grundgesetzes zum besonderen Schutz von LGBTIQ+. Weg von der Symbolpolitik, hin zu „struktureller Verantwortung“, so Engels weiter: „Für ein diskriminierungs- und gewaltfreies Leben für alle queeren Menschen – in jedem Bundesland, in jeder Stadt, auf jedem Dorf.“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Humorvolle Selbstironie

Erik Bottcher mit „twinkigem“ Look

Mit Rekordergebnis hat Erik Bottcher, offen schwuler Politiker der Demokraten, die Nachwahl zum Senat des Bundesstaates New York für sich entschieden.
Mann bringt Sexpartner um

Neun Jahre Haft

Ein 43 Jahre alter Mann ist in Berlin wegen der Tötung seines Sexpartners zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren verurteilt worden.
Dauererektion dank Honig?

Warnung vor besonderer Honigpaste

Das Landratsamt Tübingen warnt vor einer Honigpaste, die bei Amazon erhältlich war. Die Nebenwirkung? Eine mögliche Dauererektion.
Soziale Medien in Deutschland

Starker Zuwachs in vier Jahren

Die Mehrheit der Deutschen (59%) nutzt inzwischen soziale Medien, besonders immer mehr junge queere Menschen, bestätigt das Bundesamt für Statistik.
Neue Spielklasse im US-Rugby

Kategorie für queere Athleten

Der Dachverband USA Rugby führt eine offene Spielklasse für queere und trans* Sportlerinnen ein, um ihnen so die Möglichkeit der Teilhabe anzubieten.
Kritik an US-Regierung

Neue Regeln bei Entwicklungshilfe

Die USA haben Richtlinien zur Entwicklungshilfe angepasst: Geld bekommt, wer nicht gegen die Trump-Agenda verstößt. Der LSVD+ kritisiert die Maxime.
Angriffe auf Rob Jetten

Homophobe Hass-Botschaften

Der neue schwule Premierminister der Niederlande, Rob Jetten, hat in den ersten Tagen seit Amtsantritt hunderte homophobe Hass-Nachrichten bekommen.
Demo in Karlsruhe

Queere Rechte vor Landtagswahl

In Karlsruhe haben 700 Menschen für die Rechte der LGBTIQ+-Community demonstriert, um ein Zeichen vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg zu setzen.
Amputation bei Aktivistin

Zustand von Ibtissame Lachgar

Die Aktivistin Ibtissame Lachgar droht in marokkanischer Haft die Amputation eines Arms. Sie wurde wegen einem islamkritischen T-Shirts verurteilt.