Direkt zum Inhalt
Neue Verbotsgesetze in Ungarn

Neue Verbotsgesetze in Ungarn Tausende Menschen demonstrieren gegen die homophobe Agenda von Ministerpräsident Victor Orbán

ms - 15.04.2025 - 08:30 Uhr
Loading audio player...

Trotz massiven Protesten in den letzten Wochen wie auch gestern während der Sitzung des Parlaments hat die ungarische Regierung nun tatsächlich die Verfassung des Landes geändert und weitere Gesetze gegen LGBTIQ+ erlassen. Damit verfolgt Ministerpräsident Victor Orbán seinen Feldzug gegen die Community strikt weiter. 

Erweitertes Pride-Verbote als Kinderschutz

Mit einer deutlichen Mehrheit von 140 zu 21 Stimmen setzte die Regierung ein neues Gesetzpaket um, darunter auch das erneute Verbot von CSD-Events sowie überdies nun auch von alle anderen queeren Veranstaltungen, die gegen den „Kinderschutz“ verstoßen könnten – die Definitionen davon sind weitreichend und flexibel auslegbar. Alle Veranstaltungen, bei denen „queere Symbole wie Regenbögen“ gezeigt werden oder bei denen Sexualität „als Selbstzweck“ dargestellt wird oder bei denen sich die Teilnehmer auf eine Weise kleiden, „die von dem Geschlecht abweicht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde“, fallen nun ebenso unter das Verbot. 

Seit März dieses Jahres hatte der Gesetzbeschluss landesweit bereits für Empörung und Demonstrationen gesorgt. Eingebettet ist das neue Verbot thematisch in das bereits bestehende Anti-Homosexuellen-Gesetz, das die „Darstellung oder Förderung“ von Homosexualität in der Öffentlichkeit, an Schulen sowie in den Medien untersagt. 

Orbán hatte dazu erklärt: „Wir werden nicht zulassen, dass eine wütende Ideologie unsere Kinder gefährdet. Normale Menschen wie wir sind ständigen Provokationen ausgesetzt, weil Menschen, die nach nicht-traditionellem Sexualverhalten leben, sich auf der Straße austoben.“ Im neuen Gesetzespaket ist so auch festgehalten, dass die „Rechte der Kinder“ Vorrang vor „allen anderen Grundrechten“ haben, wobei die Definition, was diese Kinderrechte alles betrifft, von der Regierung bestimmt wird. Mit dem jetzt beschlossenen umfassenden Pride-Verbot sollen Schwule, Lesben, Bisexuelle und queere Menschen noch mehr in die Unsichtbarkeit getrieben werden.

Datensammlung von queeren Menschen

Das besonders Perfide: Künftig ist der Polizei überdies erlaubt, zur Identifizierung von illegalen Pride-Teilnehmern eine digitale Gesichtserkennung einzusetzen. Queere Verbände im Land befürchten, dass damit auch eine Namensliste von der Community erstellt werden könnte inklusive der Sammlung sensibler Daten – ein Schritt mehr hin zum despotischen Überwachungsstaat. Einen ähnlichen Hintergrund dürfte die jetzt beschlossene Verfassungsänderung haben: Ungarn definiert das Geschlecht eines Menschen ab sofort als rein männlich oder weiblich, nicht-binäre Personen wird damit im Land das Existenzrecht abgesprochen. Die dafür nötige Zweidrittelmehrheit im Parlament wurde erreicht. 

Massive Demonstrationen und UN-Kritik

Tausende Menschen demonstrierten auch gestern sowie am vergangenen Wochenende erneut gegen die Gesetzesänderungen – ohne Wirkung. Auch das laufende EU-Verfahren gegen das Anti-Homosexuellen-Gesetz scheint Orbán nicht zu beeindrucken. In diesen Tagen meldete sich auch der Menschenrechtsbeauftragte der Vereinten Nationen, Volker Türk, mit der klaren Forderung zu Wort, „dieses Gesetz und andere Gesetze, die LGBTIQ+- Personen diskriminieren, sofort aufzuheben.“ 

Zum jetzt beschlossenen neuen Verbot von Pride-Paraden erklärte die UN weiter, dass Ungarn „das hohe Maß an Intoleranz, Diskriminierung, Mobbing und Belästigung im Zusammenhang mit sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität“ in Einklang mit den internationalen Menschenrechtsverpflichtungen des Landes bringen muss. Und weiter: „Wir sind zutiefst besorgt über die in dieser Woche in Ungarn verabschiedete Gesetzgebung, die zu willkürlichen und diskriminierenden Einschränkungen der Rechte von LGBTIQ+-Personen auf freie Meinungsäußerung, friedliche Versammlung und Schutz der Privatsphäre führt, wenn diese bei Veranstaltungen wie Pride-Paraden für ihre Menschenrechte eintreten.“ 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Halbnackte sexy Hobbygärtner

Aktionstag mit Augenzwinkern

Ein Aktionstag rund um die Gartenliebe entwickelte sich am letzten Wochenende online für viele schwule Männer zu einem schönen sexy Zeitvertreib.
Regenbogenabend setzt ein klares Zeichen

Queerer Schutz im Grundgesetz wird Thema

Die grüne Bundestagsfraktion diskutiert in Berlin über queerpolitischen Fortschritt, Grundrechte und den Schutz demokratischer Vielfalt und lädt...
US-Pastor in der Kritik

Wirre Aussagen zu Homosexualität

Weibliche Lehrkräfte machen Schüler schwul. Diese steile These des US-Pastor Joel Webbon sorgt in den USA derzeit für viel Gesprächsstoff.
Festnahmen in Malaysia

Dating-App im Fokus der Ermittler

Die malaysische Polizei wirft einer Gruppe von Männern vor, über gefälschte Grindr-Profile gezielt schwule Männer kontaktiert und beraubt zu haben.
Petition zu Section 28

Britische Regierung muss handeln

Mehr als 10.000 Menschen fordern eine Untersuchung der Folgen von Section 28 – nun ist die britische Regierung verpflichtet, offiziell zu reagieren.
Kontroverse in San Francisco

Bibelverse auf Pride-Kappen

Eine Aktion dreier Spieler der San Francisco Giants während der Pride Night sorgt in den USA für heftige Diskussionen über Religion und LGBTIQ+-Rechte
Missbrauch im Alter

Schwule Senioren stark gefährdet

Misshandlung und Diskriminierung im Alter bleiben oft unsichtbar – für viele schwule Senioren ist das Risiko sozialer Ausgrenzung und psychischer Gewalt besonders hoch.
Verzicht auf WM 2026

Fanverband zieht Konsequenzen

Die offizielle LGBTIQ+-Fanorganisation der englischen Fußball-Nationalmannschaft ist bei der WM in den USA aus Sicherheitsbedenken nicht dabei.
Streit um Zivilgesetzbuch

Selenskyj betont Gleichberechtigung

Der ukrainische Präsident Selenskyj hat sich für eine offene Diskussion über LGBTIQ+-Rechte ausgesprochen, trotz geplanter neuer Hass-Gesetze.