Direkt zum Inhalt
Freitod von Marcel Mann
ANZEIGE

Freitod von Marcel Mann Der offen homosexuelle Comedian Marcel Mann hat vergangenen Dienstag Suizid begangen

ms - 24.01.2025 - 20:50 Uhr
Loading audio player...

Der Comedian und Synchronsprecher Marcel Mann (†37) hat am vergangenen Dienstag Suizid begangen – das teilten seine Familie und seine Freunde heute Abend online mit. Mann wurde 37 Jahre alt. 

Verlautbarung von Familie und Freunden

Auf der Homepage des Künstlers sowie auf seinem Instagram-Profil posteten Freunde und seine Familie: „Am Dienst, den 21. Januar 2025, hat sich unser geliebter Freund Marcel Mann selbstbestimmt von diesem Leben verabschiedet. Wir sind sprachlos und unendlich traurig, aber auch dankbar für jede Sekunde, die wir mit diesem wundervollen Menschen verbringen durften.“ 

Und weiter: „Wir bitten darum, von Nachfragen abzusehen und Marcels Angehörigen sowie seine nahestehenden Freundinnen und Freunden ihrer Privatsphäre sowie ausreichend Zeit zum Trauern zu gewähren.“  Zu den weiteren Hintergründen gibt es keine Informationen.

Trauer nach Tod des Hundes

Mann hatte seit Oktober letzten Jahres um seine Hundedame „Pübbi“ getrauert, die ihm in Berlin entlaufen war. Zwei Wochen lang hatte der Comedian verzweifelt mit Hilfe seiner Fan-Gemeinde nach dem Pudel gesucht, bevor der Hund tot aufgefunden worden war. 

In einem herzreißenden Post hatte sich Mann online von Pübbi verabschiedet: „Verzeih mir, dass ich dich nicht beschützen konnte. Gestern fand man dich unter einem Baum im Park, ohne Geschirr, zusammengerollt, als ob du nur friedlich schlafen würdest. Dein Anblick und die Gewissheit, dass unser gemeinsames Leben nicht weitergehen wird, hat mich dort fast zerrissen (…) Mein geliebtes Mädchen, ich hoffe ich konnte dir in unserer kurzen Zeit, zumindest die schönste Zeit deines Lebens bereiten und dir die Liebe geben, die dir bis dahin verwehrt blieb“, schrieb er unter ein Schwarz-Weiß-Foto des Pudels. Vor wenigen Tagen erst publizierte er außerdem noch Statements einiger Instagram-Nutzer, die ihm vorgeworfen hatten, er würde Mitschuld am Tod des Hundes tragen und hätte fahrlässig gehandelt.  

Zuvor hatte er sich bei jenen Menschen bedankt, die ihm geholfen und ihm beigestanden hatten: „In den vergangenen zwei fürchterlich ungewissen Wochen habe ich jedoch erfahren, dass es so viele gute Menschen da draußen gibt. Menschen, die mit mir mitgebangt haben, dass du sicher nach Hause findest. Menschen, die seit deinem Verschwinden Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt haben, um dich wieder zu finden. Menschen, deren Worte mich so sehr an der Hoffnung festhalten ließen. Sie haben gezeigt, was Menschlichkeit bedeutet. Das werde ich nie vergessen!“

Comedian und Synchronsprecher

Mann wurde 1987 in Schorndorf in Baden-Württemberg geboren und lebte zuletzt in Berlin. Schon in jungen Jahren nahm er Schauspielunterricht und absolvierte nach dem Abitur eine Gesangs-, Schauspiel- und Sprechausbildung. Es folgten erste Fernsehrollen, gleichzeitig etablierte er sich immer mehr als Synchronsprecher und arbeitete an mehr als 200 Produktionen mit. 

Er war unter anderem die deutsche Synchronstimme von  Ross Lynch, Dylan Sprayberry und Alex Newell. Ab 2014 erlangte er immer größere Bekanntheit als Stand-up-Comedian und trat im Fernsehen wie beispielsweise „NightWash“ auf. Ab 2017 tourte er mit seinem ersten Solo-Programm „Weil ich ein Männchen bin“, dabei thematisierte er auch offen und selbstbewusst immer wieder seine Homosexualität. In diesem Jahr wollte er mit seinem neuen Solo-Programm „Die ungeschälte Wahrheit“ auf Tour gehen. Kommende Woche wäre Mann 38 Jahre alt geworden.  

 

Hier gibt es Hilfe

Die Berichterstattung über Suizid ist ein überaus sensibles Thema. Wir möchten es in KEINSTER Weise glorifizieren oder romantisieren. Viele Menschen, die durch Suizid sterben, leiden an einer psychischen Erkrankung. Wenn es dir nicht gut geht oder du daran denkst, dir das Leben zu nehmen, versuche mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch eine Vielzahl von Hilfsangeboten, bei denen du dich melden kannst. Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222.

Mit Beratung steht dir auch der Coming Out Day Verein via Messenger oder E-Mail unter www.coming-out-day.de zur Seite. Weiterhin gibt es von der Telefonseelsorge das Angebot eines Hilfe-Chats. Außerdem gibt es die Möglichkeit einer E-Mail-Beratung. Die Anmeldung erfolgt – ebenfalls anonym und kostenlos – auf der Webseite. Informationen findest du unter: www.telefonseelsorge.de 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Der Sommer zieht blank

Endlich wieder durchatmen

Die große Hitze geht wahrscheinlich kommende Woche – und mit ihr verschwinden Schweiß, Klebegefühl und die Sehnsucht nach Klimaanlagen.
Schwule Bären im Wandel

Ozempic verändert Szene

Medikamente zur Gewichtsreduktion verändern inzwischen auch die Bären-Community – und lösen eine Debatte über Körperbilder und Zugehörigkeit aus.
Neuzugang bei Heated Rivalry

Ein Prinz gesellt sich zum Cast

Die schwule Hit-Serie "Heated Rivalry“ erweitert die zweite Staffel um fünf weitere Darsteller, darunter der Prinz aus „Young Royals“, Edvin Ryding.
Keenan schreibt Geschichte

Hockey-Star und „First Gentleman“

Nicolás Keenan, der Verlobte von Rob Jetten, wird bei der Hockey-WM als erster offen bisexueller Mann im Teilnehmerfeld Geschichte schreiben.
Trauer um Michael Jähme

Abschied von HIV-Aktivisten

Die Community trauert: Michael Jähme, langjähriger Aktivist der Aidshilfe- und Schwulenbewegung, ist mit 67 Jahren bei einem Bergunfall gestorben.
Wachowski sucht neue Wege

Hollywood zögert bei trans* Film

Lilly Wachowski (Matrix) findet trotz positiver Reaktionen keine Finanzierung für ihren neuen trans`Thriller „The Hunted“. Hat Hollywood Angst?
Oscar-Jahr für LGBTIQ+?

„La Bola Negra“ im Rennen

Die Oscars 2027 könnten für das LGBTIQ+-Kino historisch werden – mit Chancen für „La Bola Negra“, Colman Domingo und Andrew Scott.
Hass-Welle in Marokko

Gay-Kreuzfahrt sorgt für Debatten

Neuer Ärger auf See: Eine Gay-Kreuzfahrt machte in Marokko halt. Vor Ort blieb alles ruhig, online brach eine Hass-Welle über das Schiff hinweg.
Mord an junger trans* Frau

Gewalttat erschüttert Portland

Nach dem tödlichen Messerangriff auf Juju Nadeau trauert Portland um die junge trans* Frau und erinnert an ihr lebensfrohes Wesen.