Direkt zum Inhalt

Europa hat gewählt Klatsche für die Ampel in Deutschland - und eine künftig schwierigere LGBTI*-Politk in Europa

Von ms - 10.06.2024 - 09:00 Uhr
Europa hat gewählt
Foto: iStock / CatEyePerspective
ANZEIGE
Loading audio player...

Europa rückt ein Stück weit politisch nach rechts – nach dem bisherigen Stand der Wahlergebnisse kann das konservative Bündnis EVP (darunter auch CDU/CSU) seine Stimmen halten, während die rechten und rechtsextremen Gruppen im neuen EU-Parlament zugenommen haben. Die größten Verluste sind nach aktuellem Stand bei Renew, den Liberalen, sowie bei den Grünen zu verzeichnen. 

Weniger LGBTI*-Politik in Europa

Damit scheint die befürchtete Entwicklung der LGBTI*-Organisation Forbidden Colours zumindest teilweise Realität geworden zu sein. Künftig dürften sich deutlich weniger EU-Parlamentarier für die Rechte von LGBTI* aussprechen. Die aktuellen Schätzungen gehen von bis zu 40 Prozent der neuen EU-Abgeordneten aus, die dann eine Anti-LGBTI*-Agenda verfolgen könnten. Ob und wie die LGBTI*-Gleichstellungsstrategie weitergeführt werden kann oder wird, ist gänzlich offen. 

Die Ergebnisse aller EU-Länder werden im Laufe dieser Woche erwartet, doch klar scheint bereits jetzt zu sein, dass sich in vielen EU-Ländern die Menschen zu konservativen bis rechten und rechtsextremen Parteien zugewandt haben, aktuell zeigen sich diese Entwicklungen bereits in einigen Nachbarländern von Deutschland. 

Europa wird konservativer und rechter

In Frankreich wurde die rechtsnationale Partei Rassemblement National (RN) von Marine Le Pen mit rund 32 Prozent stärkste Kraft und holte doppelt so viele Stimmen wie die Partei von Staatspräsident Emmanuel Macron, der daraufhin bereits gestern Abend zeitnahe Neuwahlen für Frankreich ausgerufen hat. 

In Italien wurde Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und ihre Partei Fratelli d'Italia (Brüder Italiens) gestärkt, sie bekam rund 29 Prozent der Stimmen. Meloni ist für ihren homophoben Kurs bekannt, explizit bekämpfte sie zuletzt die Rechte von Regenbogenfamilien im Land. In Österreich schließlich erreichte die rechte homophobe FPÖ erstmals bei einer landesweiten Wahl mit rund 25 Prozent den ersten Platz. 

Klatsche für die Ampel

Ähnlich sehen die Entwicklungen auch in Deutschland aus. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis des Bundeswahlleiters von heute Morgen kommt die Union auf 30 Prozent und kann damit ihr Ergebnis von der Europawahl 2019 geringfügig verbessern. Die größten Gewinner des Abends sind die AfD mit 15,9 Prozent sowie aus dem Stand neu dabei das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) mit 6,2 Prozent. Die FDP konnte ihr 2019 bereits schlechtes Ergebnis mit 5,2 Prozent ungefähr halten, die Linke halbierte sich auf 2,7 Prozent und wird im EU-Parlament nicht mehr vertreten sein. Massiv abgestraft wurden SPD und die Grünen. 

Die SPD fährt mit 13,9 Prozent ihr schlechtestes Wahlergebnis landesweit ein. Die Grünen fallen auf 11,9 Prozent, ein Stimmenverlust von neun Prozent. Vor allem bei den jungen Wählen der Generation Z ab 16 Jahren – die sich zum allergrößten Teil (22%) als LGBTI* definieren – verloren die Grünen massiv an Stimmen, rund 23 Prozent Stimmenverlust in der Gen-Z. 33 Prozent dieser queeren Generation wählte AfD oder CDU/CSU.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) erklärte zum Wahlergebnis und dem massiven Stimmenverlust der Ampel-Koalition: „Die Ampel wurde abgestraft, weil sie die falschen Prioritäten setzt. Den Menschen geht es darum, dass Arbeitsplätze gesichert und die Probleme mit der Inflation und der Migration gelöst werden und es nicht zuerst um Cannabis und Geschlechtsumwandlungen geht. Der Koalitionsvertrag der Ampel wurde abgewählt.“

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

DER STANDARDMareike Fallwickl: "Ein Frauenleben ist auch ohne Männer sehr erfüllt"DER SPIEGELFitness: Queere Körperideale - »Jetzt werde ich auch einer von denen«Süddeutsche ZeitungUnderdox-Festival in München: Die letzten Filme vor dem TodMOPOErst bepöbelt, dann verprügelt: Schwules Paar nach Einheitsfest angegriffenAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wo würdest du ein erstes Date am liebsten verbringen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Kritik an Russland

LGBTIQ+-Betroffene ohne Urteil

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat fast 900 Beschwerden gegen Russland gestrichen, viele davon von LGBTIQ+-Personen.
Forderung nach Sexkaufverbot

Streit um das Nordische Modell

Bayerns Sozialministerin Scharf will Freier bestrafen – Fachverbände warnen dagegen vor mehr Illegalität und Gefahren für Sexarbeiter.
Warnung vor CSD-Angriffen

Verfassungsschutz betont Gefahren

Queerfeindliche Gewalt von rechts und Russlands Vorgehen alarmieren die deutschen Nachrichtendienste, so Verfassungsschutzpräsident Sinan Selen.
Mehr Schutz für Gewaltopfer

Neues Gesetz erleichtert Trennung

Opfer häuslicher Gewalt sollen sich leichter aus gemeinsamen Mietverträgen lösen können – davon profitieren auch schwule Männer.
Zwischenwahlen in den USA

Queere Gen Z setzt auf Werte

Für die LGBTIQ+-Generation Z in den USA zählen bei Kandidaten vor allem gemeinsame Werte – deutlich mehr als eine gemeinsame Identität.
Coming-Out im Fußball

Schiedsrichter erzählt Details

Schiedsrichter Ryan Atkin spricht öffentlich über sein Schwulsein – und erhält dafür die Unterstützung des englischen Fußballverbands.
James Baldwin im Kino

Neuer Film über schwulen Autor

Barack und Michelle Obamas Produktionsfirma bringt „Baldwin: A Love Story“ über James Baldwins Leben, Lieben und Werk ins Kino.
Schwule Liebe gewinnt Gold

Fernfahrer-Drama holt Filmpreis

Das schwule Liebesdrama „Flesh & Fuel“ gewinnt beim Zurich Film Festival das Goldene Auge und erhält rund 26.700 Euro Preisgeld.
Blackfacing sorgt für Empörung

LGBTIQ+-Bar zieht Konsequenzen

Ein Blackface-Auftritt in einer LGBTIQ+-Bar in Pittsburgh sorgt landesweit für Empörung und entfacht eine Debatte über Rassismus in der Drag-Szene.