Direkt zum Inhalt

Entsetzen in Uganda Verfassungsgericht bestätigt Rechtmäßigkeit des homophoben Hass-Gesetzes

Von ms - 03.04.2024 - 15:10 Uhr
Entsetzen in Uganda
Foto: iStock / RomoloTavani
ANZEIGE
Loading audio player...

Es ist ein Schlag ins Gesicht aller Homosexuellen in Afrika, insbesondere in Uganda: Das Verfassungsgericht hat heute alle Klagen gegen das Anti-Homosexuellen-Gesetz wie befürchtet abgewiesen. Damit ist eines der gefährlichsten und schlimmsten Gesetze gegen Schwule und Lesben offiziell verfassungskonform und bleibt weiterhin bestehen. Es wird höchstwahrscheinlich eine extrem negative Signalwirkung für andere afrikanische Länder haben.  

Kill the Gays bleibt bestehen 

Mehrere Menschenrechtsaktivisten und Abgeordnete des Parlaments hatten gegen das umgangssprachliche „Kill-the-Gays“-Gesetz als letzte Instanz vor dem höchsten Gericht des Landes geklagt. Die Richter in Kampala erklärten indes heute, dass das Gesetz in wesentlichen Teilen erhalten bleibt. Die Richtlinien sehen seit Sommer 2023 vor, dass Menschen für die „Beteiligung an homosexuellen Handlungen“ zu lebenslanger Haft verurteilt werden dürfen, bei sogenannter „schwerer Homosexualität“, also im Wiederholungsfall, droht die Todesstrafe. 

Lediglich in einem Passus haben die Richter das Gesetz leicht abgeschwächt: Künftig besteht für die Bevölkerung keine Pflicht mehr, mögliche Homosexuelle aus ihrem Umkreis bei den Behörden zu melden. Diese Regelung verstoße gegen das Recht auf Privatsphäre, so die Richter weiter. Bestehen bleibt allerdings, dass es allen LGBTI*-Organisationen ebenso verboten ist, in Uganda zu arbeiten. 

Die bereits im Vorfeld als besonders homophob aufgefallene Präsidentin des Parlaments in Uganda, Anita Among, erklärte daraufhin freudig: „Diese Entscheidung beweist, dass alle Teile der Regierung, das Parlament, die Exekutive und die Justiz, ein gemeinsames Ziel haben: Uganda vor negativen ausländischen Einflüssen zu schützen.“ 

Internationales Entsetzen 

Bereits vorab haben mehrere Länder, darunter auch Deutschland, sowie die Europäische Union, die UN oder auch die USA das Gesetz scharf kritisiert. Mit der jüngsten Entscheidung des Verfassungsgerichts steht das Gesetz auf festen Füßen – „eine Schande“, wie Frank Mugisha, Chef der LGBTI*-Organisation Sexual Minorities Uganda in einer ersten Stellungnahme erklärte.

Mit Spannung hatten auch andere Länder wie Kenia oder Ghana auf die Entscheidung geblickt – sie dürften sich jetzt darin bestätigt sehen, in ihrem Kurs fortzufahren, auch in ihrer Heimat Gesetze gegen Homosexuelle radikal zu verschärfen. Ganz Afrika könnte so für Schwule und Lesben in kurzer Zeit zu einem noch lebensfeindlicheren Ort werden, als das bisher bereits in Teilen der Fall gewesen ist. Zudem dürfte es auch im Wesentlichen das Ende der HIV-Prävention in vielen afrikanischen Ländern werden, wie das Beispiel Uganda bereits im letzten Jahr belegte.  

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

FalterGossip und Paranoia: Warum wir Promi-Verschwörungstheorien liebenndQueercore | Team Dresch: Die Schönheit der GleichwertigkeittazAusstellung, Buch und Queeres Leben: Sich von Arschlöchern nicht kleinkriegen lassenDER SPIEGELBerlin: Gedenkort für CSD-Anschlag zum dritten Mal attackiertAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie sollte das Abstammungsrecht für Regenbogenfamilien geregelt werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Williams fordert Festnahmen

Sexuelle Übergriffe an Universität

Hudson Williams fordert Festnahmen nach einem mutmaßlichen sexuellen Übergriff an der Cornell University. Die Staatsanwaltschaft prüft den Fall neu.
Viel Aufregung in Nigeria

Schwule Webserie wird zum Hit

Die schwule Webserie „Living in Colors“ aus Nigeria ist ein Zuschauer-Hit, während die nigerianische Filmbehörde versucht, die Folgen zu verbieten.
Angriff auf den Regenbogen

Dritter Fall von Vandalismus

Traurig aber immer weniger überraschend für viele: Zum dritten Mal wurde jetzt die Regenbogenbank in Berlin Tiergarten verwüstet.
Fake News aus der KI

KI wird zur Propagandawaffe

Russische Akteure sollen Claude für Propaganda, Fake News und die Überwachung politischer Gegner in Zentralafrika eingesetzt haben, auch gegen LGBTIQ+
Schüler warten auf Schutz

Dramatische Lage an US-Schulen

Unter Präsident Trump liegen zahlreiche Bürgerrechtsfälle an US-Schulen auf Eis. Betroffen sind Vorwürfe zu Rassismus und sexueller Belästigung.
US-Lesbenbar im Rampenlicht

Masken-Streit beschäftigt Hollywood

Eine US-Lesbenbar lockert ihre hauseigene Corona-Maskenpflicht und löst heftigen Streit aus. Nun interessiert sich sogar Hollywood für die Geschichte.
Island setzt Europas Maßstab

Europa führt bei Gleichstellung

Europa führt weltweit bei der Gleichstellung von Frauen und Männern - eine gute Entwicklung auch für LGBTIQ+-Menschen. Weltweit führend ist Island.
Forscher kämpfen für Lambda

Queeres Jugendnetzwerk unter Druck

141 Wissenschaftler fordern eine langfristige Finanzierung des queeren Jugendnetzwerks Lambda und kritisieren das Ende der bisherigen Bundesförderung.
Keine Homophobie bei Nike

Aktionäre stützen LGBTIQ+-Kurs

Ein Antrag zur Überprüfung von Nikes LGBTIQ+-Engagement ist bei den Aktionären deutlich gescheitert: Nur ein Prozent stimmte dafür.