Zwangs-Outing bei Olympia? Welche Gefahren drohen LGBTI*-Sportlern bei Olympia 2022?
In diesen Tagen bereiten sich Sportler aus der ganzen Welt auf die Olympischen Winterspiele in Peking vor, die vom 04. bis 20. Februar stattfinden. Natürlich gelten bedingt durch Covid-19 und speziell durch die neue Omikron-Virusvariante verschärfte Gesundheitsvorgaben – so müssen laut des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) alle Athleten, Journalisten, Trainer und Teilnehmer auch die neue My2022-App auf ihren Smartphones installieren. Diese offizielle App fragt diverse Gesundheitsdaten, Passdaten und weitere persönliche Daten ab und bietet zudem auch Chatfunktionen mit anderen Teilnehmern an. Ausländische Teilnehmer sind verpflichtet, die App bereits zwei Wochen vor der Einreise nach China herunter zu laden.
Die Deutsche Welle berichtet heute exklusiv über gravierende Sicherheitslücken der App, die aus einem Bericht von Citizen Lab hervorgeht. Sportler, Journalisten und Funktionäre seien durch die App ernsthaften Gefahren durch Hacker ausgesetzt: „Ihre Privatsphäre wird nicht gewahrt und ihre Daten sind nicht vor Diebstahl und Überwachung geschützt.“

Zudem sei durch die App eine Kontaktverfolgung möglich und sie biete zudem eine Reporting-Funktion an, mit der User andere App-Nutzer melden könnten, wenn die Chat-Nachrichten gefährlich oder bedenklich seien. Unter den Meldegründen finden sich auch „politisch sensible Inhalte“, so die Deutsche Welle weiter. Gegenüber der Nachrichtenagentur sagte Jeffrey Knockel von Citizen Lab: „Unsere Nachforschungen haben ergeben, dass die Sicherheitsmaßnahmen der My2022-App völlig ineffektiv sind und nicht davor schützen, dass sensible Daten an unberechtigte Dritte gelangen."
Ein Problem für alle Teilnehmer an dem internationalen Sportevent mit einer besonderen Brisanz für all jene Gruppen von Menschen, die in China unerwünschte Personen sind. LGBTI*-Menschen werden in der Volksrepublik nur geduldet, aber im alltäglichen Leben nach wie vor massiv unterdrückt. Auch mögliche HIV-positive Journalisten, Sportler oder anderweitige Teilnehmer dürften nicht erfreut darüber sein, dass sensible medizinische Daten über die App so frei der Volksrepublik zur Verfügung stehen. Generell besteht zudem die Gefahr, dass durch die Auswertung von Chatverläufen und weiterer gespeicherter Daten die Algorithmen auch sexuelle Vorlieben erkennen können – sicherlich nicht jeder Sportler wäre glücklich darüber, wenn beispielsweise seine Homosexualität für China alsbald ein „offenes Geheimnis“ ist.

Die Datensicherheit stand bereits vor der heutigen Enthüllung in der Kritik. Länder wie Großbritannien, Australien, die USA und auch Deutschland haben ihre Sportler bereits dazu angehalten, ihre privaten Smartphones und Laptops nicht nach Peking mitzunehmen. Die Niederlande hat die Mitnahme sogar explizit verboten.