Streit um Gay-Schulclub Homosexuelle US-Schüler-Gruppe wurde gezielt attackiert
Weil ein Gay-Schulclub an einer Middle School im US-Bundesstaat Virginia gezielt verhindert wurde, hat die Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union (ACLU) jetzt eine Bundesklage eingereicht. Gemeinsam mit der Kanzlei Potomac Law Group vertritt sie zwei Schüler sowie deren Eltern gegen die Schulbehörde des King George County, Schulamtsleiter Jesse Boyd und die Schulleiterin der King George Middle School, Casey Nice. Der Fall könnte landesweit von Bedeutung werden.
Das Wichtigste im Überblick
- Die Bürgerrechtsorganisation ACLU verklagt eine Schulbehörde im US-Bundesstaat Virginia.
- Zwei Schüler und ihre Eltern werfen der Schule vor, einen Gay-Schulclub gezielt verhindert zu haben.
- Die Klage stützt sich auf die US-Verfassung und den Equal Access Act.
- Die Kläger sprechen von Ungleichbehandlung gegenüber anderen Schülergruppen.
- Sie fordern die sofortige Zulassung des Clubs und ein Ende diskriminierender Regelungen.
ACLU spricht von Ungleichbehandlung
Die Kläger werfen den Verantwortlichen vor, mit immer neuen Regeln und Änderungen gezielt verhindert zu haben, dass eine sogenannte Gay-Straight Alliance (GSA) gegründet werden konnte. Gleichzeitig seien nahezu alle anderen außerschulischen Schülergruppen weiter zugelassen worden Nach Auffassung der Kläger verstößt dieses Vorgehen gegen den ersten Zusatzartikel der US-Verfassung, der die Meinungsfreiheit schützt, sowie gegen den Equal Access Act, der öffentlichen Schulen bei außerschulischen Schülergruppen gleiche Zugangsrechte vorschreibt.
„Die Schulen des King George County können die Spielregeln nicht einfach ständig ändern, um eine Organisation zu verhindern, die Respekt und Gleichberechtigung für LGBTIQ+-Schülerinnen und -Schüler fördert – nur weil Mitglieder der Schulbehörde mit ihrer Botschaft nicht einverstanden sind.“, erklärte die Juristin Julia Kahn von der ACLU Virginia. Sie ergänzte: „Der erste Verfassungszusatz und der Equal Access Act schützen alle Schülerinnen und Schüler. Die Schulbehörde kann sich nicht aussuchen, für wen die Regeln gelten. Warum dieser Club – und nicht die anderen?“
Club zunächst genehmigt
Nach Angaben der Kläger begann ein Siebtklässler im August 2025 mit den Vorbereitungen für die Gründung einer Gay-Straight Alliance. Eine Lehrkraft erklärte sich bereit, die Betreuung des Clubs zu übernehmen. Schulleiterin Casey Nice habe das Vorhaben zunächst ebenso unterstützt. Die Schülerinnen und Schüler hätten eine Satzung, einen Veranstaltungsplan, Informationsmaterial und ein Formular zur Interessensbekundung erstellt. Ziel des Clubs sei es gewesen, „eine sichere, unterstützende und inklusive Umgebung“ für homosexuelle Schüler sowie ihre Verbündeten zu schaffen und Respekt unabhängig von sexueller Orientierung zu fördern. Die Unterlagen seien zunächst genehmigt und auf der schulinternen Plattform Canvas veröffentlicht worden. Innerhalb weniger Tage hätten 17 Schülerinnen und Schüler Interesse an einer Mitgliedschaft bekundet.
Proteste nach Veröffentlichung
Nur drei Tage später sei die Genehmigung jedoch zurückgezogen worden. Laut Klage verbreiteten Eltern und weitere Personen die Unterlagen über Facebook. Dort habe es Hunderte Kommentare gegeben. Die betreuende Lehrerin sei in einer Facebook-Gruppe öffentlich mit Fotos und E-Mail-Adresse genannt worden. Kommentatoren hätten ihr vorgeworfen, Kinder zu „manipulieren und für sexuellen Missbrauch vorzubereiten“ („Grooming“), und ihre Entlassung gefordert. Außerdem habe ein Elternteil Schulamtsleiter Jesse Boyd geschrieben und behauptet, Beschäftigte der Schule führten mit Minderjährigen Gespräche über „unerlaubte Themen“. Zugleich seien strafrechtliche Konsequenzen gegen die Lehrkraft angedroht worden. Schlussendlich informierte Schulleiterin Nice die Eltern schließlich darüber, dass der geplante Club wegen der entstandenen Spannungen in der Gemeinde bis auf Weiteres „auf Eis gelegt“ werde. Sämtliche Informationen wurden von der Schulplattform entfernt.
Neue Regeln statt Zulassung
Nach Darstellung der Kläger folgte darauf keine neutrale Überprüfung der Schulregeln, sondern der Versuch, den Club dauerhaft zu verhindern. Zunächst habe die Schulbehörde neue Anforderungen für Clubs an Middle Schools diskutiert, darunter eine Mindestzahl von zehn interessierten Schülerinnen und Schülern. Anschließend beschloss die Schulbehörde eine neue Regelung, nach der außerschulische Schülerorganisationen nur noch an der High School erlaubt sein sollten. Nach Angaben der Kläger galt dies jedoch faktisch nicht für andere Gruppen. So seien unter anderem der Yearbook Club, das Robotics Team, der Book of the Month Club, der Beta Club, der Outdoor Club sowie ein Schülerbeirat des Schulamts weiterhin aktiv geblieben. Auch an Grundschulen hätten Clubs etwa für Häkeln, Brettspiele, Naturwissenschaften, Volleyball, Chor oder Bücher fortbestanden.
Die Kläger werfen der Schule vor, bestehende Gruppen nachträglich als unterrichtsbezogen eingestuft zu haben, um sie weiterführen zu können. Sogar Anpassungen eines Unterrichtsfaches seien geprüft worden, damit die Fellowship of Christian Athletes weiterhin zugelassen werden könne. Eine vergleichbare Lösung sei der Gay-Straight Alliance nicht angeboten worden. „Schülerclubs helfen jungen Menschen dabei, Gemeinschaft zu erleben, Zugehörigkeit zu finden und sich positiv zu entwickeln. Wenn Schulen solche Möglichkeiten anbieten, müssen sie laut Gesetz allen Schülerinnen und Schülern zu gleichen Bedingungen offenstehen.“, erklärte Mary Rohmiller von der Potomac Law Group. Sie fügte hinzu: „Die Schulen des King George County scheinen bei der Gay-Straight Alliance an ihren Middle Schools mit zweierlei Maß zu messen. Die Schülerinnen und Schüler in diesem Verfahren verlangen keine Sonderbehandlung – sie verlangen Gleichbehandlung.“
Gruppe als Schutz vor Mobbing
Die Vorwürfe decken sich nach Angaben der Kläger mit früheren Berichten von Schülerinnen und Schülern über das Schulklima. Immer wieder berichteten homosexuelle Schüler von „zahlreichen Beleidigungen jeden einzelnen Tag“. Mit der Klage verlangen die Familien deswegen eine einstweilige und dauerhafte gerichtliche Anordnung, damit die Gay-Straight Alliance unter denselben Bedingungen wie andere Schülerorganisationen gegründet und betrieben werden kann. Außerdem soll das Gericht der Schulbehörde untersagen, ihre Club-Regeln diskriminierend anzuwenden oder Vergeltungsmaßnahmen gegen die beteiligten Schülerinnen und Schüler, deren Familien oder unterstützende Lehrkräfte zu ergreifen.