Zurück in die Vergangenheit Homosexualität ist im Inselstaat Trinidad und Tobago wieder illegal - es drohen mehrjährige Haftstrafen
Der karibische Inselstaat Trinidad und Tobago machte 2018 einen großen Schritt in Richtung Gleichberechtigung, als der Oberste Gerichtshof das bis dahin gültige Verbot von Homosexualität aufgehoben hatte. Knapp sieben Jahre später gehen die Verantwortlichen nun zurück in die Vergangenheit und setzen die alten, homophoben Gesetze wieder ein.
Eine Entscheidung des Parlaments
Im Jahr 2018 war das Urteil in der ganzen Region gefeiert worden, die Richter hatten damals die Richtlinien über sexuelle Vergehen speziell für Schwule und Lesben als „irrational und illegal“ bezeichnet und überdies erklärt, dass jene zwei Abschnitte des Gesetzes gegen das Recht auf Privatsphäre und Meinungsfreiheit verstoßen. Nun die Kehrtwende: Das Berufungsgericht entschied jetzt, dass das Verbot von Homosexualität doch nur vom Parlament aufgehoben werden dürfte, nicht aber von einem Gericht. Allerdings reduzierten die Richter die nun wieder legalen Strafen für Homosexualität von 25 auf „nur noch“ fünf Jahre Gefängnis.
Schriftlich erklärte das Berufungsgericht seine Entscheidung so: „Richter können das Gesetz nicht ändern. Es ist Sache des Parlaments, die Kriminalisierung der Unzucht und des damit verbundenen Straftatbestands der groben Unanständigkeit per Gesetz aufzuheben. Es handelt sich um ein emotionales Thema, das in der öffentlichen Meinung lebhaft diskutiert wird. Das Parlament ist letztlich dafür verantwortlich, dass die Gesetze die sich entwickelnden Standards einer demokratischen Gesellschaft widerspiegeln. Das ist seine Rolle und Funktion. Alle Bestimmungen, die für verfassungswidrig befunden werden, müssen vom Parlament durch eine Gesetzesreform aus den Gesetzesbüchern gestrichen werden und nicht durch richterliche Übervorteilung.“
Schock in der Community
Geschockt von den jüngsten Entwicklungen zeigte sich LGBTIQ+-Aktivist Jason Jones, der 2018 die Klage vor den Obersten Gerichtshof gebracht hatte: „Wir sprechen hier über die Rechte von etwa 100.000 homosexuellen Bürgern in Trinidad und Tobago. Warum geben wir all dieses Geld aus und halten diese Gesetze aufrecht? Die Modernisierung unserer Demokratie steht hier auf dem Spiel!“
Erfreut von der erneuten Einführung des Verbots von Homosexualität zeigten sich konservative Vereine und christliche Vertreter, die damals bereits erklärt hatten, dass die Legalisierung von gleichgeschlechtlichen Handlungen den „Zorn Gottes“ über den Inselstaat vor der Küste Venezuelas bringen würde. Damit würden „die Rechte von Homosexuellen die Rechte von Heterosexuellen übertrumpfen.“ Über 60 Prozent der Einwohner von Trinidad und Tobago sind Christen, die meisten Anhänger hat die römisch-katholische Kirche. Mit dem erneuten Inkrafttreten der altertümlichen Verbote gibt es jetzt wieder 66 Länder weltweit, in denen Homosexualität bis heute illegal ist.