Direkt zum Inhalt

Zurück in die Vergangenheit Homosexualität ist im Inselstaat Trinidad und Tobago wieder illegal - es drohen mehrjährige Haftstrafen

Von ms - 31.03.2025 - 16:00 Uhr
Zurück in die Vergangenheit
Foto: iStock / pabst_ell
ANZEIGE
Loading audio player...

Der karibische Inselstaat Trinidad und Tobago machte 2018 einen großen Schritt in Richtung Gleichberechtigung, als der Oberste Gerichtshof das bis dahin gültige Verbot von Homosexualität aufgehoben hatte. Knapp sieben Jahre später gehen die Verantwortlichen nun zurück in die Vergangenheit und setzen die alten, homophoben Gesetze wieder ein.  

Eine Entscheidung des Parlaments 

Im Jahr 2018 war das Urteil in der ganzen Region gefeiert worden, die Richter hatten damals die Richtlinien über sexuelle Vergehen speziell für Schwule und Lesben als „irrational und illegal“ bezeichnet und überdies erklärt, dass jene zwei Abschnitte des Gesetzes gegen das Recht auf Privatsphäre und Meinungsfreiheit verstoßen. Nun die Kehrtwende: Das Berufungsgericht entschied jetzt, dass das Verbot von Homosexualität doch nur vom Parlament aufgehoben werden dürfte, nicht aber von einem Gericht. Allerdings reduzierten die Richter die nun wieder legalen Strafen für Homosexualität von 25 auf „nur noch“ fünf Jahre Gefängnis. 

Schriftlich erklärte das Berufungsgericht seine Entscheidung so: „Richter können das Gesetz nicht ändern. Es ist Sache des Parlaments, die Kriminalisierung der Unzucht und des damit verbundenen Straftatbestands der groben Unanständigkeit per Gesetz aufzuheben. Es handelt sich um ein emotionales Thema, das in der öffentlichen Meinung lebhaft diskutiert wird. Das Parlament ist letztlich dafür verantwortlich, dass die Gesetze die sich entwickelnden Standards einer demokratischen Gesellschaft widerspiegeln. Das ist seine Rolle und Funktion. Alle Bestimmungen, die für verfassungswidrig befunden werden, müssen vom Parlament durch eine Gesetzesreform aus den Gesetzesbüchern gestrichen werden und nicht durch richterliche Übervorteilung.“

Schock in der Community

Geschockt von den jüngsten Entwicklungen zeigte sich LGBTIQ+-Aktivist Jason Jones, der 2018 die Klage vor den Obersten Gerichtshof gebracht hatte: „Wir sprechen hier über die Rechte von etwa 100.000 homosexuellen Bürgern in Trinidad und Tobago. Warum geben wir all dieses Geld aus und halten diese Gesetze aufrecht? Die Modernisierung unserer Demokratie steht hier auf dem Spiel!“

Erfreut von der erneuten Einführung des Verbots von Homosexualität zeigten sich konservative Vereine und christliche Vertreter, die damals bereits erklärt hatten, dass die Legalisierung von gleichgeschlechtlichen Handlungen den „Zorn Gottes“ über den Inselstaat vor der Küste Venezuelas bringen würde. Damit würden „die Rechte von Homosexuellen die Rechte von Heterosexuellen übertrumpfen.“ Über 60 Prozent der Einwohner von Trinidad und Tobago sind Christen, die meisten Anhänger hat die römisch-katholische Kirche. Mit dem erneuten Inkrafttreten der altertümlichen Verbote gibt es jetzt wieder 66 Länder weltweit, in denen Homosexualität bis heute illegal ist. 

Anzeige

Auch Interessant

CDU unter Druck

Linke queer fordert Konsequenzen

Nach der Wahl eines AfD-Politikers zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt fordert Die Linke queer Konsequenzen von der LSU.
ESC 2027 ohne Tschechien

Finanzkrise beim Fernsehen

Tschechien verzichtet aus finanziellen Gründen auf den ESC 2027. Hinter der Absage stehen Sparzwänge und eine geplante Rundfunkreform.
Weltpremiere von „Artificial“

Guadagnino nimmt OpenAI ins Visier

Luca Guadagninos „Artificial“ erzählt vom Machtkampf bei OpenAI. Andrew Garfields Darstellung des schwulen Sam Altman sorgt für großes Kritikerlob.
Böse schwule Geister

Spukgeschichten vor Gericht

Ein Mann in Namibia machte „schwule Geister“ für eine tödliche Messerattacke verantwortlich. Das Gericht glaubte der Aussage nicht.
AfD will Jugendhilfe umbauen

Queere Jugendliche im Fokus

Die AfD will das Jugendhilferecht ändern und die Berücksichtigung von Geschlechtsidentitäten jenseits von Mann und Frau zurückdrängen.
Ende von Bowens Karriere?

Wrestling-Pionier vor Abschied

Anthony Bowens schrieb als schwuler AEW-Champion Wrestling-Geschichte. Nach sechs Jahren ist sein Vertrag nun ausgelaufen. Das Ende der Karriere?
Kampf gegen das Vergessen

LGBTIQ+-Geschichte unter Druck

Stonewall-Museumschef Robert Kesten warnt vor Angriffen auf LGBTIQ+-Geschichte und setzt auf Bildung, Archive und einen stärkeren Dialog mit Medien.
Verdacht auf Asylbetrug

Hunderte Fälle in England

In London ermitteln Behörden jetzt gegen ein Netzwerk, das falsche Belege über die vermeintliche Homosexualität von Asylbewerbern verkauft haben soll.
Forderungen an Rot-Grün-Rot

LSVD+ drängt auf klare Zusagen

Der LSVD+ Berlin-Brandenburg fordert von SPD, Grünen und Linken verbindliche Zusagen für Schutz, queere Angebote und den World Pride 2032 in Berlin.