Zensurwelle in Malaysia LGBTIQ+-Bücher verschwinden aus Buchhandlungen
Malaysia hat in den letzten Monaten immer wieder Schlagzeilen mit willkürlichen Verhaftungen von schwulen Männer gemacht, zuletzt wurden erst Ende 2025 über zweihundert Männer in einer Schwulensauna in Kuala Lumpur festgenommen. Mehrere queere Verbände schlagen jetzt anderweitig Alarm: Der südostasiatische Staat zensiert immer gravierender Literatur mit LGBTIQ+-Inhalten.
Das Wichtigste im Überblick:
- Zensur von LGBTIQ+-Literatur: Malaysia hat 2025 mehr als ein Dutzend LGBTIQ+-Titel zensiert, darunter auch kinderfreundliche Bücher und queere Romane. 2026 setzt sich dieser Trend offenbar fort.
- Begründung der Zensur: Die Regierung nennt „Schutz der Moral“ als Grund, aber queere Organisationen sprechen von einer „Kampagne zur Auslöschung von LGBTIQ+-Geschichten“.
- Folgen der Zensur: Die Zensur verstärkt die gesellschaftliche Diskriminierung von LGBTIQ+-Menschen und erzeugt den Eindruck, dass sie eine „Bedrohung“ für die Gesellschaft seien.
- Strafen: Wer gegen die Zensur verstößt, riskiert hohe Geldstrafen (bis zu 4.700 Euro) und bis zu drei Jahre Haft.
- Forderungen der queeren Organisationen: Sie fordern das sofortige Ende der Zensur, die Freigabe der betroffenen Bücher, eine Reform des Gesetzes und die Entkriminalisierung von LGBTIQ+-Kultur.
Auslöschung von LGBTIQ+
Nach Angaben der ILGA Asia und der queeren Organisation All-Out hat das Innenministerium Malaysias allein im Jahr 2025 mehr als ein Dutzend Titel zensiert – von postapokalyptischen, queeren Romanen bis hin zu harmlosen Kinderbüchern. Nach bisherigen Erkenntnissen setzt sich dieser Trend auch 2026 weiter fort. Die allseits gegenwärtige Begründung der Behörden lautet auf „Schutz der Moral“, doch in Wahrheit handele es sich um eine „Kampagne zur Auslöschung von LGBTIQ+-Geschichten.“ Die Repräsentation in Buchhandlungen und Bibliotheken werde dabei gezielt angegriffen und entfernt.
Die rechtliche Grundlage für diese Vorgehensweise bildet das Druckerei- und Publikationsgesetz von 1984, das viel Spielraum bei der Definition von „öffentlicher Moral“ erlaubt. Publikationen, die dagegen verstoßen, dürfen zensiert und entfernt werden. „Während eine Welle Anti-LGBTIQ+-Zensur weltweit um sich greift, müssen wir eine klare Grenze ziehen. Wir müssen uns gegen diesen staatlich geförderten Hass wehren! Malaysias Innenministerium betreibt eine systematische Unterdrückung von Literatur – insbesondere solcher mit LGBTIQ+-Bezug – und stellt damit einen beispiellosen Angriff auf die Meinungsfreiheit im Land dar“, so All-Out.
Stimmungsmache gegen Community
Beinahe „nebenbei“ wird dadurch einmal mehr der Eindruck in der Öffentlichkeit erzeugt, dass LGBTIQ+-Menschen eine „gesellschaftliche Bedrohung“ darstellen würden und ein wesentlicher Faktor für den „moralischen Niedergang“ seien. Die Zensur verschärft direkt wie indirekt so die institutionalisierte Diskriminierung. Die IILGA Asia betonte dazu: „Das Verstummen dieser Geschichten ist nicht nur eine Frage der Zensur – es ist das Ausradieren von Leben.“ Wer aktuell dagegen verstößt, dem drohen gravierende Geldstrafen von umgerechnet bis zu 4.700 Euro und darüber hinaus bis zu drei Jahren Haft.
Mit klaren Forderungen richten sich die queeren Vereine nun an das Innenministerium des Landes, darunter das sofortige Ende der Verbote, die Freigabe der betroffenen Titel sowie eine Reform des Gesetzes zur „öffentlichen Moral“ und eine generelle Entkriminalisierung der Kultur. Dazu bedürfe es auch einer Verordnung, die festhält, dass „Inhalte zu Geschlechtervielfalt, sexueller Orientierung und Gesellschaftskritik weder als Bedrohung der öffentlichen Ordnung noch als Förderung eines moralischen Niedergangs eingestuft werden dürfen.“ Zuletzt müsse sich die Regierung zur UNESCO und den Vereinten Nationen bekennen inklusive der Verpflichtung zur Einhaltung internationaler Menschenrechtsstandards in Bezug auf Meinungs- und Publikationsfreiheit. Eine Antwort seitens der Regierung steht bisher aus.