Sexualität in der Gen-Z Weniger Sex, mehr Ängste und Zweifel
Die junge Generation Z setzt in vielen Bereichen neue Maßstäbe – auch im Bereich der Sexualität, insbesondere bei queeren Menschen, die rund ein Viertel der Gen-Z ausmachen. In einer Zeit, in der Beziehungen und Dating immer stärker von digitalen Einflüssen geprägt sind, scheinen sich junge Menschen bewusster und zurückhaltender mit ihrer Sexualität auseinanderzusetzen als ihre Vorgängergenerationen. Neue Umfragen zeigen, dass die Gen Z seltener Sex hat als die Generationen davor.
Das Wichtigste im Überblick:
- Weniger, aber bewusster Sex: Die Generation Z hat seltener Sex als ihre Vorgängergenerationen, aber ihre sexuellen Erlebnisse sind bewusster und zurückhaltender.
- Seltene Erlebnisse: Nur 13 % der Gen Z haben regelmäßig Sex (mindestens einmal pro Woche), im Vergleich zu 37 % der Millennials.
- Psychische Belastungen: Ängste, Depressionen und Erschöpfung sind weit verbreitet und erschweren den Zugang zu Lust und Sexualität.
- Abkehr von der Hookup-Kultur: Weniger Interesse an unverbindlichem Sex, 47 % der 18- bis 24-Jährigen hatten noch nie Sex unter Alkoholeinfluss.
- Bewusstsein für Konsens und Grenzen: Die Gen Z legt großen Wert auf Einvernehmlichkeit, was zu einer gewissen sexuellen Zurückhaltung führt.
- Body Count als Thema: 41 % achten auf die Anzahl der sexuellen Partner ihrer Partner – im Vergleich zu nur 16 % der Gen X.
- Digitale Präsenz und Vergleichsdruck: Die Gen Z verbringt viel Zeit in Online-Communitys, was zu Unsicherheiten über den eigenen Körper und zu weniger körperlicher Intimität führt.
Seltene, aber bewusste Erlebnisse
Laut einer Umfrage der Lovehoney Group aus dem Jahr 2025 hat nur ein kleiner Teil der Gen Z regelmäßig Sex, konkret: Nur 13 Prozent der jungen Menschen geben an, mindestens einmal pro Woche intim zu sein. Zum Vergleich: Bei den Millennials (geboren zwischen 1981 und 1996) sind es 37 Prozent. Für den Großteil der Gen Z bedeutet das, dass sie wochen-, wenn nicht gar monatelang auf sexuelle Erlebnisse verzichten. Diese Entwicklung wirft Fragen auf: Ist das ein Zeichen für mehr Achtsamkeit oder mehr Angst?
„Die Generation Z ist im Vergleich zu älteren Generationen deutlich stärker von psychischen Belastungen betroffen“, erklärt Elisabeth Neumann, Sexologin und Head of User Research bei der Lovehoney Group. Ängste, Depressionen und Erschöpfung sind weit verbreitet und können die Lust und das Bedürfnis nach sexuellen Erlebnissen verringern. Die Expertin erklärt: „Junge Menschen sind häufig unter ständigem Stress, was einen Zugang zu Lust und Sexualität erschwert. Wenn das eigene Wohlbefinden leidet, ist es schwer, sich auf intime Erlebnisse einzulassen.“
Abkehr von Hookup-Kultur
Ein weiterer Faktor, der zur sexuellen Zurückhaltung beiträgt, ist die bewusste Abkehr von der „Hookup-Kultur“, also eher unverbindlicher Sex und One-Night-Stands, gerne unter Einfluss von Alkohol. Die jüngere Generationen heute ist indes offenbar zurückhaltender. 47 Prozent der 18- bis 24-Jährigen gaben in der Umfrage an, noch nie Sex unter dem Einfluss von Alkohol gehabt zu haben – eine Zahl, die doppelt so hoch ist wie bei den 35- bis 44-Jährigen. Auch eine weitere Umfrage, die in der Times veröffentlicht wurde, zeigt, dass nur 23 Prozent der 18- bis 27-Jährigen regelmäßig One-Night-Stands haben. Zum Vergleich: Bei den Millennials waren es 2004 noch 78 Prozent.
„Die Gen Z hat ein stärkeres Bewusstsein für Konsens, Grenzen und Machtverhältnisse innerhalb von Beziehungen“, so Neumann weiter. Diese Achtsamkeit und das Streben nach respektvollen, auf Einvernehmlichkeit beruhenden sexuellen Erlebnissen führen jedoch auch zu einer gewissen Verunsicherung. „Es gibt eine zunehmende Sensibilität gegenüber Grenzüberschreitungen, was häufig dazu führt, dass sich junge Menschen eher zurückhalten“, erklärt Neumann. Auch der Begriff „Body Count“, also die Anzahl der sexuellen Partner, wird für viele in der Gen Z zunehmend wichtig. 41 Prozent der Befragten gaben an, darauf zu achten, dass ihre Sexualpartner vor ihnen nicht zu viele Beziehungen hatten. Im Vergleich dazu waren es nur 16 Prozent der Gen X, die diesen Aspekt wichtig fanden.
Digitale Welt als Raum für Sexualität
Neben den ethischen Überlegungen zur Sexualität kommt ein weiterer Faktor ins Spiel: Die immer stärkere Präsenz der Gen Z in digitalen Welten. „Junge Menschen verbringen deutlich mehr Zeit in Online-Communitys und sozialen Medien“, sagt Neumann. Diese digitale Präsenz führt zu einer Zunahme von Vergleichsdruck und Unsicherheiten, insbesondere hinsichtlich des eigenen Körpers. Gleichzeitig gibt es jedoch auch eine reduzierte körperliche Intimität. Während digitale Plattformen viele Formen sexueller Stimulation bieten, finden körperliche Erfahrungen weniger statt. „Die Gen Z ist mit einer Vielzahl von Online-Inhalten und idealisierten Körperbildern konfrontiert. Dies kann zu Unsicherheiten und Leistungsdruck führen, wodurch die tatsächliche Nähe und Intimität im realen Leben ersetzt wird“, erklärt die Expertin.
Weniger Sex, aber mehr Achtsamkeit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Gen Z weniger Sex hat als die Generationen vor ihr. Doch die Gründe dafür sind vielschichtig: psychische Belastungen, der Wunsch nach mehr Achtsamkeit und Konsens sowie die zunehmende Dominanz der digitalen Welt prägen das heutige Sexualverhalten. Neumann fasst es abschließend zusammen: „Die Gen Z ist in einer Gesellschaft aufgewachsen, die Sexualität ganz anders behandelt als die ihrer Eltern. Der Zugang zu Pornografie, idealisierten Körperbildern und unrealistischen Darstellungen von Sexualität hat zwar Unsicherheiten und Leistungsdruck verstärkt, aber gleichzeitig haben diese jungen Menschen die Chance, eine bewusstere und respektvollere Haltung zu entwickeln.“