Direkt zum Inhalt
Wir sind viele!
Foto: iStock / Andrea Migliarini
ANZEIGE

Wir sind viele! Größter LGBTI*-Zuwachs kommt aus der Generation der Millennials

ms - 23.02.2023 - 10:00 Uhr
Loading audio player...

Wir sind mehr, wir sind viele! Für die Vereinigten Staaten von Amerika und deren LGBTI*-Community lässt sich das in diesen Tagen eindeutig festhalten – das Meinungsforschungsinstitut Gallup präsentierte die Daten der neusten Umfrage unter der US-Bevölkerung: Inzwischen identifizieren sich sieben Prozent der erwachsenen Amerikaner als LGBTI* - das ist eine Verdopplung im Vergleich zur ersten Messung dieser Art vor zehn Jahren.

Rund 19,5 Millionen erwachsene LGBTI*-Amerikaner

Blickt man auf die aktuellen Bevölkerungszahlen in den USA, bedeutet das, dass sich rund 19,5 Millionen erwachsene Amerikaner als LGBTI* definieren, Jugendliche nicht eingerechnet. Gallup befragte dafür im vergangenen Jahr mehr als 10.000 Erwachsene in den USA, ob sie sich als lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell oder als queer identifizieren. Mehr als die Hälfte von ihnen bezeichnet sich selbst als bisexuell (60 %), die zweitgrößte Gruppe sind dann schwule Männer (20 %) gefolgt von lesbischen Frauen (13,4 %). Die restliche Gruppe definiert sich als queer oder transgender.

Früher schwul, heute mehr bisexuell

Wie auch schon in anderen Umfragen liegt die LGBTI*-Quote in der jüngsten Generation Z unter den Erwachsenen am höchsten – knapp jeder Fünfte (19,7 %) fühlt sich hier als Mitglied der LGBTI*-Community. Bei den älteren Generationen sinkt die Quote kontinuierlich ab, in mehreren Etappen von rund elf Prozent bei den Millennials bis zu 2,7 Prozent bei den Babyboomern. Spannend dabei für die Gallup-Forschungsleiter war unter anderem, zu verzeichnen, dass der Anteil der sich als bisexuell identifizierenden Erwachsenen bei jüngeren Menschen höher ist als bei älteren Menschen: „In den älteren Generationen gibt weniger als die Hälfte der LGBT-Erwachsenen an, bisexuell zu sein, obwohl dies immer noch die größte Untergruppe der LGBT-Erwachsenen in der Generation X ist. In den beiden ältesten Generationen identifizieren sich die LGBT-Personen am ehesten als schwul."

Großer Zuwachs bei den Millennials

Der rapide Zuwachs der Zahlen binnen eines Jahrzehnts ist dabei beinahe ausschließlich auf die Millennials zurückzuführen, also auf jene Amerikaner, die zwischen den frühen 1980er Jahren und den späten 1990er Jahren geboren wurden. „Seit wir mit der Erforschung der LGBT-Identifikation begonnen haben, haben wir nur bei einer Generation einen bemerkenswerten Anstieg festgestellt - bei den Millennials. Sie stieg von 5,8 Prozent im Jahr 2012 – bevor  alle Millennials das Erwachsenenalter erreicht hatten – auf  7,8 Prozent im Jahr 2017 und 11,2 Prozent in diesem Jahr. Die Zahlen der anderen Generationen sind sehr ähnlich zu dem, was wir seit 2012 gemessen haben", so Jeff Jones, ein leitender Redakteur bei Gallup.

Gesellschaftlicher Wandel führt zu mehr Coming Outs

Warum sich gerade jene Generation binnen eines Jahrzehnts so verstärkt als schwul, lesbisch, bisexuell oder queer definiert, darf spekuliert werden. Eine Annahme ist, dass die Millennials in ihren jungen Jahren noch in einer Zeit aufwuchsen, in denen es viele rechtliche und gesellschaftliche Repressalien gegenüber LGBTI*-Menschen gab. Im Laufe der letzten zehn Jahre änderte sich allerdings das gesellschaftliche Klima, mehr Rechte wie beispielsweise die gleichgeschlechtliche Ehe oder Antidiskriminierungsgesetze kamen hinzu, sodass vielleicht deswegen viele Menschen heute in ihren 30er und 40er Jahren erstmals den Mut aufbrachten, offen zu ihrer Sexualität zu stehen.

USA und Deutschland gleichauf

In Deutschland liegen die Zahlen übrigens ähnlich hoch, hier definieren sich rund 7,4 Prozent (Quelle: Dalia) der Bundesbürger als LGBTI* - die Bundesrepublik ist damit Spitzenreiter in Europa, gefolgt von Ländern wie Spanien, Großbritannien und den Niederlanden. Ebenso wie in den USA gab es auch hier unter den Millennials den größten Zuwachs binnen der letzten Jahre.   

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Geheimes Netzwerk in Italien

Konversionstherapien unter Verdacht

In Italien gibt es Hinweise auf ein geheimes Netzwerk von Konversionstherapie-Anbietern. LGBTIQ+-Organisationen fordern Aufklärung und ein Verbot.
Angriff auf Alfonso Osnaya

Adultstar im Castro attackiert

Adultstar Alfonso Osnaya wurde in San Francisco von einigen Männern angegriffen und bewusstlos geschlagen, mutmaßlich wegen seines Jobs als Sexworker.
Marokko vor der Wahl

LGBTIQ+-Menschen im Fokus

Marokkos Wahl entscheidet über das Parlament – für queere Menschen steht dabei auch der Umgang mit einem repressiven Strafrecht auf dem Spiel.
Newsom stoppt Schutzgesetz

Veto sorgt für Enttäuschung

Kaliforniens demokratischer Gouverneur Gavin Newsom stoppt überraschend ein Gesetz zum Schutz von Anbietern für trans* Versorgung.
Mord nach Grindr-Date

Zwei Jugendliche vor Gericht

Zwei Jugendliche sind wegen Mordes an einem 37-jährigen Mann aus Dublin angeklagt. Sie sollen sich zuvor mit ihm über Grindr verabredet haben.
Angriffe auf Mallorca

Schwule beim Cruising attackiert

Attacke im Cruising-Areal auf Mallorca: In einem Waldgebiet von Palma wurden schwule Männer von einer Gruppe junger Männer beschimpft und angegriffen.
Nicht-monogame Nerds

Tabletop-Gamer und Polyamorie

Eine neue Feeld-Auswertung deutet auf einen amüsanten Zusammenhang zwischen „nerdigen“ Hobbys und nicht-monogamen Beziehungsformen hin.
Russland sperrt Heated Rivalry

Autorin Rachel Reid im Visier

Russland lässt Webseiten mit Rachel Reids „Heated Rivalry“-Romanen sperren und geht damit gegen schwule Inhalte der Romanreihe vor.
Fokus Geschlechtskrankheiten

Mitte 30-Jährige stark betroffen

Neue Daten zu Geschlechtskrankheiten: Das höchste Pro-Kopf-Risiko liegt weiterhin bei 25- bis 39-Jährigen, doch ältere Männer rücken nach.