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Weltweit größte LGBTI*-Konferenz am Ende Hintergrund: Schutz von trans-Personen bei Verbot von Konversionstherapien ausgeklammert

Von ms - 05.04.2022 - 17:30 Uhr
Weltweit größte LGBTI*-Konferenz am Ende // © ZUMA Wire
Foto: Weltweit größte LGBTI*-Konferenz am Ende // © ZUMA Wire
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Über 100 LGBTI*-Gruppen und HIV-Organisationen aus der ganzen Welt boykottieren die geplante, weltweit größte Konferenz für die Stärkung von LGBTI*-Rechten. Hintergrund ist die letzte Aussage der britischen Regierung, ein Verbot von Konversionstherapien nur für homo- und bisexuelle Menschen im Gesetz verankern zu wollen. Trans-Personen könnten dann künftig weiterhin „Heilungs-Therapien“ angeboten werden. Gegen diese Ungleichbehandlung laufen jetzt weltweit LGBTI*-Organisationen Sturm.

Die geplante größte dreitägige Konferenz von LGBTI*-Gruppen aus aller Welt im Sommer in Großbritannien sollte ein Paukenschlag werden und einen großen Beitrag für mehr Gleichberechtigung und Akzeptanz von queeren Menschen leisten. Die erste globale queere Konferenz namens „Safe to Be Me“ sollte zeitlich mit dem 50. Jahrestag des ersten offiziellen Londoner Pride zusammenfallen – ein symbolträchtiger Termin. Mit Blick auf die Wirtschaftskraft der queeren Community wollte der britische Sondergesandte für LGBTI*,Nick Herbert, auch jene Länder zum Umdenken bewegen, die bisher Homosexualität oder generell queere Lebensweisen mit Strafen belegen. Die Konferenz sollte ein Leuchtfeuer für die weltweite LGBTI*-Community werden. Nun scheint es so, dass das Licht bereits vorab erschlossen ist.

Im Kern der Kritik steht dabei Ministerpräsident Boris Johnson und sein wankelmütiger Umgang bezüglich Konversionstherapien. Seit 2018 wird immer wieder darüber debattiert, ob und wie ein Verbot dieser unseriösen „Heilungsangebote“ für queere Menschen aussehen könnte. Immer wieder wurde die Thematik auf die lange Bank geschoben, bis sogar die schottische Regierung verärgert damit drohte, notfalls im Alleingang ein Verbot durchzusetzen, wenn Großbritannien sich nicht zu einer Entscheidung durchringen könne. Dann kam es letzte Woche abermals zu zwei außergewöhnlichen Richtungswechseln. Zuerst erklärte Johnson, dass ein Verbot vom Tisch sei, um keine 24 Stunden später nach massiven Protesten aus Politik und Gesellschaft zu verkünden, jetzt doch ein Verbot von Konversionstherapien durchsetzen zu wollen – allerdings explizit ohne die trans-Community. Trans-Personen sollen auch künftig nicht vor einer Konversionstherapie rechtlich geschützt werden.

In einer gemeinsamen Erklärung von 82 queeren Organisationen heißt es: "Trans-Personen verdienen nicht weniger Respekt, Fürsorge und Schutz als gleichgeschlechtliche Lesben, Schwule und Bi-Personen. Wenn die britische Regierung nicht hinter den grundlegenden Menschenrechten aller LGBTI*-Menschen stehen und diese respektieren kann, sollte sie keine LGBTI*-Rechtskonferenz auf der Weltbühne einberufen." Und die britische Trans-Organisation Gendered Intelligence erklärte weiter, die geplante Konferenz sei so nicht mehr als "Pinkwashing".

Johnson selbst wollte die Thematik Transsexualität nach Aussagen von Regierungskreisen deswegen vorerst nicht in das Verbot mit einbinden, weil die Situation gerade mit Bezug auf Behandlungsangebote von trans-Jugendlichen erhebliche Kontroversen aufgeworfen hat. Geplant ist aktuell, sich mit der Transgender-Konvertierungstherapie "gesondert zu befassen", um unbeabsichtigte Folgen in der Gesetzgebung zu vermeiden. Im Kern geht es dabei um die Frage, wie und ob minderjährige Kinder noch behandelt oder untersucht werden dürfen, wenn sie mit der Selbstdiagnose „trans“ zu einem Arzt oder Therapeuten kommen. Ein Verbot von Konversionstherapien pauschal auch für trans-Personen würde Ärzte, Therapeuten und Eltern rechtlich davon abhalten, überhaupt zu klären, ob wirklich eine Geschlechtsdysphorie und somit eine Transsexualität vorliegt oder nicht.

Ob die geplante Konferenz im Juni überhaupt noch stattfinden wird, ist aktuell offen. Nach Recherche mehrerer Nachrichtenportale konnten die Veranstalter bisher keine großen Sponsoren für die globale Konferenz finden. Unternehmen wie BP, Vodafone oder NBC sollen bereits abgelehnt haben, sich finanziell an der dreitägigen Konferenz zu beteiligen. Aktuell scheint die erste weltweite LGBTI*-Konferenz weder ausreichend Redner, Sponsoren, Budget oder LGBTI*-Organisationen aus aller Welt zu haben, um wirklich im Juni stattfinden zu können.

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