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Verfassungsschutzbericht 2025

Verfassungsschutzbericht 2025 Sicherheitsbehörden betonten neuen Rekord bei Extremisten

ms - 30.06.2026 - 11:00 Uhr
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Das Bundesamt für Verfassungsschutz legte heute den neuen Jahresbericht für 2025 vor, daraus geht hervor: Noch nie gab es so viele Extremisten wie aktuell in Deutschland. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) betonte dabei zusammen mit Verfassungsamt-Präsident Sinan Selen die Bedrohungen von beiden extremistischen Rändern sowie von islamischer Seite. Gerade queere Menschen stehen im Fokus von Angriffen rechtsextremer und islamistischer Gruppen. 

Das Wichtigste im Überblick:

  • Extremistisches Personenpotenzial erreicht Höchststand: Der Verfassungsschutz verzeichnet so viele Extremisten wie nie zuvor.
  • Rechtsextremismus bleibt größte Gefahr: Die Zahl der Rechtsextremisten und rechtsextremistischen Gewalttaten ist erneut gestiegen.
  • Laut Verfassungsschutz stehen insbesondere CSDs und die LGBTIQ+-Community im Fokus rechtsextremistischer und islamistischer Akteure.
  • Mehr Radikalisierung junger Menschen: Sowohl beim Rechtsextremismus als auch im Islamismus beobachten die Behörden zunehmend minderjährige und online radikalisierte Täter.
  • Auch das linksextremistische Personenpotenzial sowie die Zahl gewaltorientierter Linksextremisten haben neue Höchststände erreicht.
  • Islamistische Bedrohung bleibt hoch: Gruppierungen verbreiten weiterhin Hasspropaganda und rufen zu Gewalt gegen queere Menschen auf.
  • Gemeinsames Feindbild LGBTIQ+: Der Verfassungsschutz warnt, dass Queerfeindlichkeit ein ideologischer Schnittpunkt von islamistischen und rechtsextremistischen Strömungen ist.

Rechtsextremisten und mehr Gewalttaten

Nach Angaben des Verfassungsschutzes stieg das rechtsextremistische Personenpotenzial auf 58.700 Menschen, nachdem es im Vorjahr noch bei 50.250 gelegen hatte. Davon gelten 15.600 Personen als gewaltorientiert. Im Jahr 2024 waren es 15.300 gewesen. Auch die Zahl rechtsextremistischer Gewalttaten nahm zu. Gegenüber dem Vorjahr registrierte der Verfassungsschutz einen Anstieg um 8,9 Prozent. Der Rechtsextremismus bleibe „die größte Bedrohung für unsere freiheitliche demokratische Grundordnung“, so Dobrindt. Dazu hält der Bericht weiter fest: „Auf Basis ihrer Weltanschauung lehnen Rechtsextremisten Diversität im Hinblick auf sexuelle Orientierung sowie entsprechende Partnerschafts- und Familienmodelle größtenteils ab. Sie sehen Heterosexualität und die Vorstellung einer damit verbundenen ´traditionellen Kernfamilie´ als alternativlos und biologisch ´natürlich´ an.“ 

Wie bereits im Vorjahr standen dabei auch im Sommer 2025 bundesweit die Pride-Paraden und die queere Community im Fokus rechtsextremistischer Akteure, besonders hebt der Bericht dazu die Störaktionen gegen die CSD-Kundgebungen in Bautzen, Magdeburg und Grevesmühlen hervor. „Die Teilnehmer der ´Anti-CSD´-Demonstrationen setzten sich vorwiegend aus Angehörigen verschiedener rechtsextremistischer Parteien und diversen Gruppierungen aus dem Bereich der aktionsorientierten Jugendgruppen zusammen.“ Dabei kam es auch immer wieder zu „Gewaltandrohungen oder gewalttätigen Übergriffen von Rechtsextremisten auf CSD-Teilnehmer.“

Mitgliederschwund in rechten Jugendgruppen

Positiv zu vermerken sei dabei allerdings, dass trotz der anhaltend hohen Mobilisierungsfähigkeit die Zahl der Teilnehmer im rechtsextremen Bereich zurückgegangen sei: „Diese Entwicklung lässt sich vor allem auf zwei Faktoren zurückführen: Zum einen wirkte sich die erhöhte Aufmerksamkeit der Sicherheitsbehörden in Bezug auf die Gefährdung von Veranstaltungen der LSBTIQ-Community hemmend auf die Aktionen der rechtsextremistischen Szene aus. Eine höhere Polizeipräsenz sowie Auflagen durch die Versammlungsbehörden bis hin zum Verbot und Durchsuchungsmaßnahmen bei relevanten Akteuren schränkten den Aktionsraum für rechtsextremistische Akteure spürbar ein. Zum anderen sorgten die hohe Dynamik und Fluktuation innerhalb der Jugendgruppierungen für diverse Abwanderungen sowie Wechsel von Mitgliedern zwischen den einzelnen Gruppierungen und führten unter anderem zu Abspaltungen und Neugründungen. Die dann neu gegründeten kleineren Gruppierungen verfügten nicht über das gleiche Mobilisierungspotenzial.“ Den größten Anteil der Rechtsextremisten ordnet der Verfassungsschutz dabei der AfD zu. Ein Abrücken von verfassungsschutzrelevanten Positionen sei nicht erkennbar.

Besonders aufmerksam verfolgen die Sicherheitsbehörden außerdem die Entwicklung unter Jugendlichen und Minderjährigen. Im Bericht heißt es, zunehmend würden „junge und teilweise minderjährige Personen“ beobachtet, die „oftmals bereits eine ausgeprägte Gewaltbereitschaft“ erkennen ließen. Nach Einschätzung Dobrindts arbeite die rechtsextremistische Szene „systematisch an der Radikalisierung der nächsten Generation“. 

Höchststand beim Linksextremismus

Auch im Bereich des Linksextremismus registriert der Verfassungsschutz einen Anstieg. Das linksextremistische Personenpotenzial erhöhte sich von 38.000 auf 42.200 Personen. Gleichzeitig stieg die Zahl der gewaltorientierten Linksextremisten von 11.200 auf 11.600 und erreichte damit ebenfalls einen Höchstwert. Nach Einschätzung der Behörde richten sich linksextremistische Straftaten vor allem gegen tatsächliche oder vermeintliche Rechtsextremisten sowie gegen Polizeibeamte. Radikalisierungsprozesse der vergangenen Jahre hätten dazu geführt, dass inzwischen von einer „hohen Gewaltbereitschaft“ ausgegangen werden müsse. Als Beispiele nennt der Bericht Brandanschläge auf kritische Infrastruktur, darunter Angriffe auf zwei Hochspannungsmasten in Berlin im September 2025 sowie auf eine Kabelbrücke im Januar 2026. 

Gewaltpotenzial bei Islamisten 

Auch der islamistische Terrorismus stellt nach Einschätzung des Verfassungsschutzes weiterhin eine erhebliche Gefahr dar. Die Bedrohung sei „anhaltend hoch“. Insbesondere die Terrororganisation Islamischer Staat (IS), Al-Kaida und ihnen nahestehende Gruppierungen versuchten weiterhin, Anschläge zu verüben. Wie im Rechtsextremismus beobachtet der Verfassungsschutz auch hier eine zunehmende Radikalisierung sehr junger Menschen. Teilweise seien die Beteiligten jünger als 14 Jahre und damit strafunmündig. „Vor diesem Hintergrund stellen Islamismus und islamistischer Terrorismus unverändert eine erhebliche Gefahr dar. Die Bedrohung geht zunehmend von jungen, allein handelnden und online radikalisierten Tätern aus, die unsere freiheitlichen Werte ablehnen. Daneben spielen organisierte Gruppierungen und Strukturen eine tragende Rolle bei der Steuerung und Verbreitung von islamistischem Gedankengut“, so Dobrindt weiter. 

Zudem hält der Bericht fest: „Die Ablehnung lesbischer, schwuler, bisexueller, trans- und intergeschlechtlicher sowie queerer Menschen ist fester Bestandteil aller islamistischen Ideologien. Forderungen, gegenüber sexueller und geschlechtlicher Vielfalt tolerant zu sein, werden von islamistischen Akteuren als westlicher, quasikolonialistischer Export interpretiert. Dieser verfolge das Ziel, die islamische Gemeinschaft zu zerstören. Vor diesem Hintergrund verbreiten Islamisten Hasspropaganda und instrumentalisieren das Thema gezielt als zusätzliches Agitationsfeld in ihrem Kampf gegen vermeintlich moralisch ´fehlgeleitete´, westliche Werte.“ 

In den sozialen Netzwerken würde dabei weiterhin jihadistische Propaganda mit explizit LGBTIQ+-feindlichen und -diffamierenden Inhalten kursieren. „Teilweise wird das Töten homosexueller Menschen als ´göttlich geforderte Bestrafung´ gerechtfertigt.“ Immer wieder finden sich dabei demnach auch in den sozialen Medien queerfeindliche Kommentare, insbesondere von Akteuren der salafistischen Szene. „Neben dem Antisemitismus und dem Kampf gegen den Staat Israel ist die Feindlichkeit gegenüber Menschen mit anderen geschlechtlichen und sexuellen Identitäten nicht nur ein Pfeiler islamistischer Ideologien, sondern kann auch als gemeinsamer Bezugspunkt für islamistische und rechtsextremistische Ideologien fungieren.“

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