Direkt zum Inhalt
Verbot von K.O.-Tropfen
Rubrik

Verbot von K.O.-Tropfen Gesundheitsminister Lauterbach arbeitet an Verbotsverfahren

ms - 11.07.2024 - 12:00 Uhr

Nach Angaben der Rheinischen Post will Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach K.O.-Tropfen verbieten lassen, konkreter gesagt, alle Chemikalien, die dafür verwendet werden. Kommt das Verbot, könnte das auch ein wenig mehr Sicherheit beim schwulen Dating bringen. 

Problem in der Gay-Community

Seit über einem Jahrzehnt sind K.O.-Tropfen (GHB/GBL) und Liquid Ecstasy zu einem immer größeren Problem in der schwulen Community geworden – sowohl in Deutschland wie aber auch in vielen anderen europäischen Ländern. Kriminelle, die es zumeist auf Wertgegenstände und Bargeld abgesehen haben, betäuben beim Gay-Dating ihre ahnungslosen Opfer, in denen sie ihnen die gefährlichen Substanzen in Drinks zuvor angeboten haben. Immer wieder kam es in den letzten Jahren dabei auch zu Überdosierungen bis hin zu Todesfällen. 

Mordserien mit Chemikalien 

Dazu kommen psychisch gestörte Täter, die bewusst den Tod junger schwuler Männer in Kauf genommen haben. In Spanien ermordete so ein 25-Jähriger im Jahr 2021 mutmaßlich mindestens vier junge Homosexuelle, in Großbritannien ging die Mordserie um Serienkiller Stephen Port in die Geschichte ein – auch er tötete mit einer Überdosis mindestens vier Schwule und wurde als der „Grindr-Killer“ bekannt. 

Deutschland erlebte 2012 in Berlin drei Serienmorde, Dirk P. tötete drei schwule Männer im Alter von 34, 37 und 41 Jahren. In allen Fällen kam Liquid Ecstasy und/oder GHB zum Einsatz. Damals hatten die Ermittler die gefährliche Substanz anfangs noch gar nicht auf dem Schirm, weswegen Dirk P. erst nach drei Fällen gefasst werden konnte. 

GHB in der Community

Immer wieder berichtet die Polizei bis heute von Übergriffen, bei denen schwule Männer mit den gefährlichen Chemikalien betäubt, ausgeraubt oder gegen ihren Willen gefügig gemacht werden – eine geringfügige Überdosierung kann dabei stets schnell zum Tod führen. Dazu kommt, dass GHB auch in der Chemsex-Szene verbreitet Anwendung findet. Die Substanzen spielen außerdem auch als sogenannte Vergewaltigungsdrogen bei Sexualstraftaten oftmals eine wesentliche Rolle. 

Verbot noch in diesem Jahr 

Bundesgesundheitsminister Lauterbach will neben K.O.-Tropfen auch Lachgas für Minderjährige verbieten lassen. Außerdem plant der SPD-Politiker ein Verbot des „begleiteten Trinkens“ von 14- bis 16-Jährigen. „Aus gesundheitspolitischer Sicht kann es zu diesem Thema keine zwei Meinungen geben. Das begleitete Trinken sollte untersagt werden“, so Lauterbach gegenüber dem Redaktionsnetzwerks Deutschland. Die Anwesenheit von Erwachsenen ändere nichts an der Schädlichkeit von Alkohol für Kinder. Die Änderungen sollen nach der politischen Sommerpause umgesetzt werden und könnten noch dieses Jahr in Kraft treten. 

Auch Interessant

Verbotene Bücher

US-Kulturkampf wird noch absurder

Zwangsouting in der Bibliothek: In den USA soll es LGBTI*-Bücher bald nur noch mit Lichtbildausweis geben. In Idaho greift das Gesetz bereits.
Nein zur Homophobie

Londons Bürger haben Genug vom Hass

Ein Zeichen der Hoffnung: In East London setzten Anwohner Regenbogensymbole nach homophobem Vandalismus wieder instand - ein Statement gegen Hass.
Neue Dating-App für Lesben

Safe Space für lesbische Frauen

Eine neuartige App nur für lesbische Frauen steht in den Startlöchern. Konzipiert von einer Britin, die einen Safe Space für Lesben schaffen will.
Skandal beim BAMF?

Abschiebung von schwulem Iraker

Skandal beim Bundesamt für Migration? Wird ein schwuler Iraker ohne ausreichende Anhörung und Untersuchung abgeschoben?
Outing bei den Republikanern

Lügenbaron Santos fordert Coming-Out

Er ist der Lügenbaron der US-Geschichte: Der schwule Ex-Abgeordnete George Santos. Jetzt forderte er seine Parteikollegen auf, sich endlich zu outen.
LGBTI*-Athleten bei Olympia

144 Athleten sind bisher out

Immer mehr Spitzensportler trauen sich, offen zu ihrer Homosexualität zu stehen. Bei Olympia treten ab Freitag bisher 144 LGBTI*-Athleten an.