Direkt zum Inhalt

Verbot von Homosexualität Die bloße Existenz von Homosexuellen wird in Ghana künftig mit Haft bestraft

Von ms - 29.02.2024 - 10:00 Uhr
Verbot von Homosexualität
Foto: IMAGO / dts Nachrichtenagentur
ANZEIGE
Loading audio player...

Seit 2021 bastelte die Regierung von Ghana bereits an einem neuen Gesetz, das sich direkt gegen Schwule und Lesben im Land richtet – befeuert von dem neuen Anti-Homosexuellen-Gesetz in Uganda im letzten Jahr hat das ghanaische Parlament nun tatsächlich neue Paragrafen beschlossen. Final muss das neue Gesetz nur noch von Präsident Nana Akufo-Addo unterzeichnet werden.

Die bloße Existenz ist strafbar

Für Homosexuelle und alle Menschen, die sich als LGBTI* identifizieren, sehen die neuen Richtlinien dabei Gefängnisstrafen von bis zu drei Jahren vor. Wer LGBTI*-Gruppen gründet oder finanziert, muss mit bis zu zehn Jahren Haft rechnen. Der Gesetzentwurf wird von den beiden größten politischen Parteien des Landes unterstützt. Präsident Nana Akufo-Addo hatte diesbezüglich bereits im Vorfeld erklärt, er werde das Gesetz unterschreiben und damit in Kraft treten lassen, wenn die Mehrheit dies wünscht.

Damit dürfte die Lage für Schwule und Lesben im Land noch dramatischer werden, weil bereits die bloße Existenz von homosexuellen Personen strafbar wird. Bisher gab es Haftstrafen von bis zu drei Jahren „nur“ für gleichgeschlechtlichen Sex im Land.

Meldepflicht für Homosexuelle

Amnesty International erklärte bereits, dass das Gesetz „eine erhebliche Bedrohung für die Grundrechte und die grundsätzlichen Freiheiten“ von LGBTI*-Menschen darstelle. Aktivisten befürchten zudem, dass es aufgrund des neuen Gesetzes zur Hexenjagd auf Homosexuelle kommen wird und die Arbeit von LGBTI*-Gruppen vor Ort de facto unmöglich wird. In dem Gesetzestext wird die Öffentlichkeit dazu aufgefordert, vermeintliche LGBTI*-Menschen den Behörden zu melden, damit diese die „notwendigen Maßnahmen“ ergreifen können. Ebenso besteht eine Meldepflicht für „homosexuelle Handlungen“.

Rückschritt in der Entwicklung

Die Leiterin der UN-Behörde zur Bekämpfung von Aids, Winnie Byanyima, erklärte dazu bereits im Vorfeld: „Wenn das Gesetz über sexuelle Menschenrechte und ghanaische Familienwerte in Kraft tritt, wird es Angst und Hass schüren, zu Gewalt gegen ghanaische Mitbürger aufstacheln und sich negativ auf die Meinungs-, Bewegungs- und Vereinigungsfreiheit auswirken. Und es wird den Zugang zu lebensrettenden Diensten behindern sowie den Entwicklungserfolg Ghanas gefährden.“

Ähnliches geschah bereits in Uganda: Seit dem Inkrafttreten des Anti-Homosexuellen-Gesetzes im letzten Jahr schlossen beispielsweise alle Anlauf- und Beratungsstellen für Menschen mit HIV im Land.

LGBTI* und die ghanaische Kultur

Die Idee zum Gesetzesvorhaben entstand bereits 2021, nachdem in Ghana das erste LGBTI*-Communityzentrum in der Hauptstadt Accra eröffnet worden war. Nach massiven Protesten von religiösen Gremien und Führern in dem überwiegend christlichen Land schloss die Polizei die Einrichtung wieder. Damals erklärten der Christian Council of Ghana und der Ghana Pentecostal and Charismatic Council in einer gemeinsamen Petition, dass LGBTI* der ghanaischen Kultur und dem Wertesystem der Familie fremd sei und daher von den Bürgern dieses Landes nicht akzeptiert werden könne. Der jetzt verabschiedete Gesetzestext stellt dabei sogar noch eine abgeschwächte Version dar, mit den ersten Gesetzesplänen wäre noch radikaler gegen LGBTI*-Menschen vorgegangen worden, inklusive verpflichtenden Konversionstherapien.

Anzeige

Auch Interessant

Messerangriff vor Bussi Bar

Zwei Helfer schwer verletzt

Vor der queerfreundlichen Bussi Bar in Berlin wurden zwei Helfer mit einem Messer verletzt. Zuvor hatte ein Trio eine Mitarbeiterin angegriffen.
Schwuler Vater kann aufatmen

Keine Anklage nach viralem Schlag

Nach der Konfrontation mit einem rechten Streamer wird David Vulin nicht angeklagt. Der schwule Vater hat eine Vereinbarung mit der Justiz erfüllt.
Queerfeindlicher Hass an der FU

Hakenkreuze nach Flaggen-Attacke

Pride-Flagge abgerissen, Hakenkreuze entdeckt: Die FU Berlin verurteilt Angriffe am Institut für Theaterwissenschaft. Die Polizei ermittelt.
Lara Heubeck lebt offen

DSC-Kommentatorin macht Mut

Lara Heubeck spricht über ihr Leben als trans Frau. Die Kommentatorin des Deggendorfer SC berichtet von großer Unterstützung nach ihrem Coming-out.
Solidarität mit Casa Kuà

Hunderte protestieren nach Razzia

Rund 500 Menschen demonstrieren in Berlin für trans* Gesundheitsversorgung. Nach der Razzia im Casa Kuà wächst der Protest gegen den Polizeieinsatz.
Schwules Paar getötet

60 Jahre Haft für Ex-Polizeichef

Polizisten töteten Eldin und Milton in Guatemala. Zwei Täter erhalten je 60 Jahre Haft. Tonaufnahmen halfen, das Verbrechen aufzuklären.
Heated Rivalry im Kino

Romanze auf großer Leinwand

„Heated Rivalry“ kommt im November in britische und US-Kinos. Zugleich erscheint ein weiterer Film mit Hauptdarsteller Connor Storrie.
Letzte Küsse in der Kutsche

Romantik auf Abschiedstour

New York hat das Ende der Pferdekutschen im Central Park beschlossen. Für schwule Paare verschwindet damit ein besonders romantisches Erlebnis.
Schwuler Volleyballstar

Japan erlebt einen Wandel

Japans Volleyballprofi Rui Takahashi spricht über sein Coming-Out, die Angst vor dem Karriereende und die Unterstützung seines Bruders Ran.