Direkt zum Inhalt

Prozess geplanter CSD-Anschlag Staatsschutz als Zeuge geladen bei Verfahren um Vienna Pride

Von ms - 13.07.2026 - 09:30 Uhr
Prozess geplanter CSD-Anschlag
Foto: IMAGO / SEPA.Media
ANZEIGE
Loading audio player...

Vor dem Landesgericht St. Pölten ist jetzt der Prozess gegen zwei Brüder im Alter von 20 und 23 Jahren fortgesetzt worden. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, einer terroristischen Vereinigung sowie einer kriminellen Organisation angehört zu haben. Nach Auffassung der Ermittler stehen die Vorwürfe im Zusammenhang mit den Anschlagsplänen rund um die Vienna Pride 2023. Die beiden Angeklagten weisen sämtliche Vorwürfe zurück. Der dritte Angeklagte, ein 16-Jähriger aus St. Pölten, wurde bereits im letzten Jahr zu sechs Monaten bedingter Haft verurteilt.  

Das Wichtigste im Überblick

  • Vor dem Landesgericht St. Pölten wurde der Prozess gegen zwei Brüder im Alter von 20 und 23 Jahren fortgesetzt.
  • Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und einer kriminellen Organisation vor.
  • Beide Angeklagten bestreiten sämtliche Vorwürfe.
  • Mehrere Mitarbeiter der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) sagten als Zeugen aus.
  • Hintergrund des Verfahrens sind Anschlagspläne im Umfeld der Vienna Pride 2023.

Prozess um geplantes CSD-Attentat

Auf Antrag der Verteidigung wurde die Öffentlichkeit von dem Verfahren ausgeschlossen. Zur Begründung wurde der Schutz der Privatsphäre der Angeklagten angeführt, da diese zum Tatzeitpunkt minderjährig gewesen waren. Nach Angaben des Verteidigers des Erstangeklagten, Markus Sommerauer, wurden am Donnerstag insgesamt sechs Zeugen vernommen. Unter ihnen befanden sich auch drei Mitarbeiter der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN). Bereits am ersten Verhandlungstag im Juli 2025 war ein damals 16 Jahre alter Mitangeklagter rechtskräftig verurteilt worden. Im Anschluss wurde das Verfahren gegen die beiden Brüder unterbrochen, um ein IT-Gutachten einzuholen und nun fortgesetzt. 

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft beziehen sich die Ermittlungen auf die Anschlagspläne im Umfeld der Vienna Pride 2023. Laut Anklageschrift sollen die ursprünglich drei Beschuldigten in einer Telegram-Gruppe über mögliche Anschläge gesprochen haben. Die Ermittler gehen davon aus, dass die jungen Männer bis zu ihrer Festnahme Anhänger der Terrororganisation „Islamischer Staat“ beziehungsweise der Gruppierung „Islamischer Staat – Provinz Khorasan“ (ISPK) gewesen seien. Nach Einschätzung der Ermittlungsbehörden standen sie über die Telegram-Gruppe „psychology1444“ mit stark radikalisierten Personen im Ausland in Kontakt.

Gewaltfantasien über Telegram-Gruppe 

Den Ermittlungen zufolge wurden in den Chats neben Propagandamaterial und Spendenaufrufen auch Gewaltfantasien sowie mögliche Anschlagsszenarien thematisiert. Ein Teilnehmer aus der Ukraine soll angekündigt haben, einen Selbstmordanschlag begehen zu wollen. Den beiden Brüdern wird vorgeworfen, ihn in diesen Absichten bestärkt zu haben. Darüber hinaus sollen die Angeklagten Fotos und Videos angefertigt haben, auf denen sie mit erhobenem Zeigefinger posieren. Diese als Tauhid-Geste bezeichnete Pose gilt als Erkennungszeichen islamistischer Gruppierungen. Die Verteidigung bestreitet jedoch, dass ihre Mandanten überhaupt Mitglieder der genannten Telegram-Gruppe gewesen seien.

Nach den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft soll der heute 20-jährige Angeklagte zudem darüber gesprochen haben, in Tschechien ein Sturmgewehr vom Typ AK-47 sowie ein Messer zu beschaffen, um einen Anschlag auf die Wiener Regenbogenparade im Juni 2023 zu verüben. Außerdem werfen ihm die Ermittler vor, seit 2022 die Ideologie des IS über Plattformen wie TikTok, Telegram und sogar über sein Playstation-Profil verbreitet und verherrlicht zu haben.

Geplanter Anschlag nach Pride publik geworden

Öffentlich bekannt wurden die mutmaßlichen Anschlagspläne erst einen Tag nach der Vienna Pride 2023. Die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst informierte damals im Rahmen einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz über vereitelte Anschlagspläne und durchgeführte Hausdurchsuchungen. Ausgelöst worden waren die Ermittlungen durch Hinweise eines ausländischen Nachrichtendienstes, der Zugriff auf Inhalte der Telegram-Kommunikation erhalten hatte. Die drei ursprünglich Beschuldigten kamen wenige Tage nach ihrer Festnahme wieder auf freien Fuß. Nach Einschätzung der Ermittlungsbehörden bestand zu diesem Zeitpunkt kein dringender Tatverdacht, der die Verhängung der Untersuchungshaft gerechtfertigt hätte.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

BILDÜberraschendes Geständnis von Maite Kelly - Ich könnte mich auch in eine Frau verliebenrbb24CSD-Anschlag: Regenbogenbank im Tiergarten immer wieder beschädigtFrankfurter Allgemeine ZeitungBrief aus Istanbul: Das Jahrhundert der AbzockeMOPO„Schwule Scheiße“: St. Pauli-Buhmann Behrens relativiert seine Skandal-AussagenAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wo würdest du ein erstes Date am liebsten verbringen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Warnung von Andrew Scott

Kein Vergessen der Aids-Krise

Der schwule Schauspieler Andrew Scott fordert, die Aids-Krise nicht zu vergessen. Sein neuer Film „Elsinore“ erinnert an jene Zeit.
Schwuler Politiker wehrt sich

BDSM-Fotos sorgen für Wirbel

Alte BDSM-Fotos bringen den schwulen US-Politiker Chris Gallant in die Schlagzeilen. Doch der Kongresskandidat denkt nicht an Rückzug.
Coming-Out bleibt ein Tabu

Schwule Profis schweigen weiter

Thomas Hitzlsperger sieht kleine Fortschritte gegen Homophobie im Fußball. Doch viele schwule Profis fürchten ein Coming-Out selbst nach Karriereende.
Schutz für queere Jugendliche

Mamdani finanziert trans* Medizin

New York stellt neun Millionen Dollar für die Behandlung trans* Jugendlicher bereit, nachdem mehrere Kliniken ihre Angebote eingestellt haben.
Queere Jugendliche in Wien

Mehr Angst vor Anfeindungen

Anfeindungen und Gewalt belasten queere Jugendliche in Wien zunehmend. Experten warnen vor psychischen Folgen und fordern bessere Hilfsangebote.
Russlands Strafen explodieren

Rekordbußen gegen LGBTIQ+

Russland verschärft die Verfolgung von LGBTIQ+-Menschen: 2025 stiegen die Geldstrafen um 83 Prozent, die Verfahren um ein Drittel.
Verbot spaltet Tasmanien

Streit um Homo-Heilung

Tasmanien will über ein Verbot von Konversionsmaßnahmen abstimmen. Während die Befürworter auf Schutz drängen, warnen Gegner vor Einschränkungen.
Behrens rechtfertigt Eklat

Kicker betont "dumme Aussage“

Zwei Jahre nach seinem homophoben Spruch spricht Fußballer Kevin Behrens über die Folgen des Eklats, Anfeindungen und Probleme bei der Vereinssuche.
Niederlande zeigen Lila

Statement gegen Ausgrenzung

Am „Lila Freitag“ zeigen die Niederlande heute Solidarität mit LGBTIQ+-Jugendlichen vor dem Hintergrund sinkender Akzeptanz gegenüber Homosexuellen.