Über Dating-App Grindr kennengelernt Motiv Hass auf schwule Männer?
Tausende Menschen versammelten sich am vergangenen Wochenende in mehreren Städten Irlands, um ihrer Trauer über den Mord an zwei homosexuellen Männern Ausdruck zu verleihen. Nachdem in Sligo im Nordwesten Irlands zwei schwule Männer brutal ermordet worden waren, steht die Stadt sowie die gesamte LGBTI*-Community Irlands unter Schock.
Letzte Woche waren Aidan Moffitt, 42, und Michael Snee, 58, innerhalb von einem Tag tot in ihren jeweiligen Wohnungen aufgefunden worden. Beide Männer waren äußert beliebt in der queeren Community und engagierten sich für LGBTI*-Rechte. Nach Bekanntwerden der Taten machte schnell die Angst die Runde, dass es sich bei dem Mörder um einen Serientäter handeln könnte, der gezielt homosexuelle Männer brutal ermordet. Kurze Zeit später konnte die Polizei den mutmaßlichen Täter festnehmen. Bei dem Verdächtigen handelt es sich um einen 22-jährigen jungen Mann aus Sligo, der seine Opfer scheinbar gezielt über die schwule Dating-App Grindr kennenlernte.
In diesem Zusammenhang untersucht die Polizei im Rahmen der Mordermittlungen auch einen dritten Vorfall in der Gegend von Sligo. Dabei soll ebenso ein schwuler Mann von dem vermeintlichen Täter angegriffen worden sein, überlebte allerdings den Angriff schwer verletzt. Laut ersten Informationen verlor der Homosexuelle bei dem Angriff ein Auge. Inzwischen wurde Anklage gegen den jungen Verdächtigen erhoben, wobei die Staatsanwaltschaft sowie die Polizei ein LGBTI*-feindliches Motiv als gegeben ansehen.
Die zentrale Trauerveranstaltung zu Ehren der ermordeten Homosexuellen in Sligo verlief am vergangenen Wochenende äußert emotional. Bei der Mahnwache setzten lokale wie nationale Politiker sowie viele LGBTI*-Aktivisten aus dem ganzen Land ein starkes Zeichen gegen queere Hassverbrechen. Immer wieder wurde auch Kritik an der Dating App Grindr laut, deren Betreiber mehr für die Sicherheit ihrer Nutzer tun müssten.
Auch der Parteivorsitzende der großen Volkspartei Fine Gael, Leo Varadkar, beteuerte, dass er schockiert und am Boden zerstört sei – er kannte beide Opfer persönlich als LGBTI*-Aktivisten. "Irland ist ein gastfreundliches Land für Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender. Es ist ein sicheres Land, in dem man als Homosexueller leben kann, und ich denke, viele von uns hatten gehofft, dass wir diese Art von Angriffen längst hinter uns gelassen haben“, so der Politiker gegenüber dem Irish Mirror. Im weiteren Verlauf spekulierte Varadkar, wie es überhaupt zu einer solchen Tat kommen konnte: "Es könnte sich um eine Gegenreaktion auf die Fortschritte handeln, die wir als Land und vielleicht auch in anderen Ländern gemacht haben.“
Varadkar betonte im weiteren Gesprächsverlauf, dass die Regierung die Gesetze gegen Hassverbrechen weiter verschärfen wolle, noch mehr Geld in die Polizei investieren müsse und ermutigte Schulen und Gemeinden, LGBTI*-Themen positiv besetzt anzugehen, sodass alle endlich "die Tatsache akzeptieren, dass Menschen ihren eigenen Lebensweg haben und gehen dürfen!“ Die beiden schwulen Männer wurden am Ostermontag bei getrennten Beerdigungen in den Grafschaften Sligo und Roscommon im Kreise ihrer Freunde und Familien zur letzten Ruhe gebettet.