Tod nach Dating-Masche Grausamer Mord an Schwulen schockt Bulgarien
Ein schwuler Mann soll diese Woche im bulgarischen Plovdiv von einer Jugendbande zu Tode geschlagen worden sein, nach dem gewaltsamen Tod ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft gegen mehrere festgenommene Jugendliche. Die Behörden prüfen, ob der Angriff wegen der sexuellen Orientierung des Opfers verübt wurde oder ob der Mann über eine Dating-App gezielt in eine Falle gelockt worden war.
Das Wichtigste im Überblick
- Ein 31-jähriger Mann ist nach einem brutalen Angriff im bulgarischen Plovdiv gestorben.
- Mehrere Jugendliche wurden festgenommen, die Staatsanwaltschaft prüft ein mögliches Hassverbrechen.
- Videoaufnahmen deuten auf einen gezielt vorbereiteten Überfall hin.
- Die Jugendlichen sollen den Schwulen mittels der Dating-Masche angelockt und dann totgeschlagen haben.
- LGBTIQ+-Organisationen fordern eine umfassende Aufklärung und strengere Maßnahmen gegen Hasskriminalität.
Schwer verletzt zurückgelassen
Georgi K. war am Nachmittag des 4. August am Dzhendem Tepe, dem sogenannten „Hügel der Jugend“ in der zweitgrößten Stadt Bulgariens, von Passanten schwer verletzt entdeckt worden. Trotz sofort eingeleiteter Notfallbehandlung starb er wenig später im Krankenhaus an schweren Kopfverletzungen, Frakturen und inneren Blutungen. Kurz nach der Tat nahm die Polizei mehrere Jugendliche fest. Die Staatsanwaltschaft in Plovdiv untersucht derzeit die Hintergründe des Angriffs und geht dabei auch der Frage nach, ob ein Hassmotiv vorliegt.
Im Zuge der Ermittlungen wurden Aufzeichnungen von Überwachungskameras aus der Umgebung sichergestellt. Ein Anwohner stellte einem lokalen Fernsehsender zusätzlich eigenes Videomaterial zur Verfügung. Darauf ist zunächst zu sehen, wie sich etwa zehn bis fünfzehn junge Menschen in dem Park versammeln. Ein Teil der Gruppe bewegt sich anschließend in den bewaldeten Bereich, in dem der Überfall stattfand. Nach Angaben des Zeugen nutzte das Opfer keinen der Hauptwege, sondern einen abgelegeneren Pfad, „wo das Treffen offenbar arrangiert worden war“.
Sicherheit in Parks
Der Anwohner berichtete zudem von ähnlichen Vorfällen in der Vergangenheit. Demnach sollen Jugendliche wiederholt schwule Männer über Dating-Apps an abgelegene Orte im Park gelockt haben. Gleichzeitig kritisierte er die aus seiner Sicht unzureichende Präsenz von Sicherheitskräften in dem Park. Der Dzhendem Tepe gilt als einer der Orte in Plovdiv, an denen vergleichbare Überfälle häufiger vorkommen. Statistiken des Innenministeriums weisen zudem auf einen Anstieg schwerer Straftaten hin, die von Minderjährigen und Jugendgruppen begangen wurden. Inzwischen haben Bürgerinnen und Bürger in Plovdiv und Krichim Mahnwachen und Demonstrationen organisiert. Sie fordern Gerechtigkeit für das Opfer sowie Höchststrafen für die jugendlichen Tatverdächtigen. Bürgerinitiativen verlangen darüber hinaus eine Ausweitung der Videoüberwachung und dauerhaft eingesetzte Fußstreifen.
Forderung nach umfassenden Ermittlungen
Bulgarische LGBTIQ+-Menschenrechtsorganisationen rufen die Behörden zu einer gründlichen Aufklärung des Falls auf. Zudem verlangen sie eine konsequentere Anwendung der Gesetze gegen Hasskriminalität. Bereits 2022 hatte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) Bulgarien wegen eines vergleichbaren Hassverbrechens und einer aus Sicht des Gerichts unzureichenden Aufklärung gerügt. Der Fall lenkt erneut den Blick auf die Situation von Schwulen in Bulgarien. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften werden dort nicht anerkannt. Zudem gibt es lediglich einen eingeschränkten Schutz vor Diskriminierung. Im Jahr 2024 verabschiedete das Land außerdem ein Gesetz gegen „LGBTIQ+-Propaganda“ an Schulen. Seit dem Wahlsieg des linkspopulistischen Anti-LGBTIQ+-Politikers Rumen Radev als neuer Regierungschef hat sich die Lage im Land weiter verschärft.