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Tierische Vogelliebe
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Tier-Liebe rührt zu Herzen Ungewöhnliche Partnerschaft bis in den Tod

ms - 07.09.2026 - 17:00 Uhr
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Fast zwei Jahrzehnte lang lebten die weiße Gans Thomas und der schwarze Schwan Henry an den Waimanu Lagoons im neuseeländischen Waikanae als Paar zusammen. Ihre ungewöhnliche Geschichte machte die beiden Tiere über die Region hinaus bekannt und wurde später sogar zum Stoff für ein Kinderbuch. Bis heute bewegt die tierische Liebesgeschichte viele Menschen in Neuseeland. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Die männliche Gans Thomas und der männliche Schwan Henry lebten rund 18 Jahre als Paar in Neuseeland zusammen.
  • Gemeinsam mit dem später hinzugekommenen Schwan Henrietta half Thomas bei der Aufzucht von 68 Jungschwänen.
  • Nach Henrys Tod 2009 bekam Thomas mit einer weiblichen Artgenossin zehn eigene Jungtiere.
  • Thomas starb 2018 im Alter von geschätzt 38 bis 40 Jahren und wurde neben Henry beigesetzt.
  • Die ungewöhnliche Geschichte wurde später in einem Kinderbuch erzählt.

Liebe über zwei Jahrzehnte 

Anfang der 1990er Jahre lebte an der Lagune ein schwarzer Schwan Henry mit einem verletzten Flügel, der nicht fliegen konnte. Nach rund acht Jahren allein kam die männliche Gans Thomas hinzu. Die beiden wurden unzertrennlich und blieben etwa 18 Jahre zusammen. Der Naturführer Michael Peryer beobachtete die Tiere über längere Zeit. Er berichtete BBC News, dass Thomas seinen Partner unter anderem vor Hunden und anderen Gefahren schützte. Über die gemeinsame Zeit sagte Peryer: „Bevor Henrietta kam, hatten sie etwa 18 glückliche Jahre als schwules Paar miteinander verbracht.“ Die Beziehung der beiden war auch den Anwohnern bekannt. Als der Gemeinderat einige der zahlreichen Gänse aus der Lagune umsiedeln wollte, markierte eine Bewohnerin die Federn der Gans Thomas mit roter Lebensmittelfarbe. Damit sollte verhindert werden, dass Thomas von Henry getrennt wurde.

Zweiter Schwan sorgte für Überraschung

Eine neue Entwicklung kam mit dem Auftauchen eines zweiten schwarzen Schwans hinzu. Das Tier war ein Weibchen, baute ein Nest und legte Eier und bekam den Namen Henrietta verpasst. Henry bildete schließlich mit Henrietta ein Paar. Thomas reagierte zunächst aggressiv. Nach Angaben der BBC zerstörte die Gans zwei der fünf Eier im ersten Nest. Nach dem Schlüpfen der übrigen Jungtiere änderte sich sein Verhalten jedoch: Thomas begann, gemeinsam mit den beiden Schwänen bei der Aufzucht zu helfen.

In den folgenden sechs Jahren schlüpften insgesamt 82 Jungschwäne. 68 von ihnen wuchsen heran und konnten schließlich davonfliegen. Thomas half bei der Aufzucht aller Jungtiere. Weil Henry wegen seines verletzten Flügels nicht fliegen konnte, zeigte die Gans den jungen Schwänen, wie sie abheben konnten. Die ungewöhnliche Konstellation wurde von internationalen Medien später als interartliches Trio bezeichnet. Auch gleichgeschlechtliche Paare unter schwarzen Schwänen sind laut Popular Science sowohl in Gefangenschaft als auch in freier Natur beobachtet worden. Bei Thomas setzte sich die Bezeichnung „bisexuelle Gans“ durch, weil er sich nach seiner langen Beziehung mit Henry später auch mit einer weiblichen Artgenossin verband.

Henry stirbt, Thomas bleibt zurück

2009 starb Henry. Der Schwan war etwa 30 Jahre alt und wurde unter einer Weide gefunden, den Kopf unter einen Flügel gelegt. Er wurde in der Nähe der Lagune beigesetzt. Henrietta zog nach Henrys Tod mit einem weiteren Schwan weiter. Thomas blieb allein zurück und rief laut damaligen Berichten noch einige Zeit nach seinem früheren Partner. 2011 ging Thomas eine Beziehung mit einer weiblichen Artgenossin ein und wurde erstmals Vater. Nach Angaben der BBC wurden zehn Jungtiere geboren. Sie wurden jedoch von einer anderen Gans namens George aufgezogen. Was später aus ihnen wurde, ist nicht bekannt. Thomas kümmerte sich weiterhin um junge Schwäne, die ihre Eltern verloren hatten.

Mit zunehmendem Alter verlor Thomas allmählich sein Augenlicht. Nach einem Angriff durch mehrere Schwäne wurde er 2013 in den Wellington Bird Rehabilitation Trust gebracht. Dort verbrachte er die letzten fünf Jahre seines Lebens. Die Mitarbeiter des Zentrums kümmerten sich täglich um ihn und brachten ihn von seiner Voliere zu einem umzäunten Teich. Trotz seiner Blindheit half Thomas weiterhin bei der Aufzucht verwaister Schwanenküken. Nach seinem Tod schrieb das Zentrum: „Mit schwerem Herzen geben wir den Tod unserer geliebten blinden Gans Thomas bekannt.“ Weiter hieß es: „In seinen fast 40 Lebensjahren hat Thomas viele Menschen und ihr Leben berührt. In den vergangenen Jahren haben wir uns um ihn gekümmert, ihn geliebt und beschützt, aber Thomas war ursprünglich den liebevollen Bewohnern der Waimanu-Lagune in Waikanae bekannt geworden, die mehr als 25 Jahre über ihn gewacht hatten.“ Thomas starb am 6. Februar 2018. Sein Alter wurde auf 38 bis 40 Jahre geschätzt.

Beisetzung neben seinem Partner

Für Thomas wurde eine öffentliche Trauerfeier organisiert. Es gab einen kleinen Sarg und eine von einem Dudelsackspieler begleitete Prozession. Anschließend wurde die Gans nach Waikanae zurückgebracht und auf Wunsch der Gemeinschaft neben Henry beigesetzt. Im Dezember 2018 wurde eine Gedenktafel enthüllt. Peryer sagte dazu: „Es war etwas, das getan werden musste. Die Geschichte hat viele Menschen berührt, vor allem, weil er schwul war.“

Der Wellington Bird Rehabilitation Trust dokumentierte die Gedenkfeier und veröffentlichte unter anderem ein Foto von Thomas und Henry mit einigen der Jungtiere, die sie gemeinsam aufgezogen hatten. Auf der Gedenktafel wird Thomas als Gans mit einem „großen Herzen“ gewürdigt. Er liegt dort neben Henry an ihrem gemeinsamen letzten Ruheort. 2020 erschien schließlich das Kinderbuch „Thomas: A True New Zealand Love Story“ von Michael Peryer mit Illustrationen von Susan Wildblood. Über die Geschichte sagte Peryer gegenüber Kapiti News: „Es lehrt Kinder Toleranz, Akzeptanz und Werte dieser Art, weil diese beiden Vögel anders waren. Dass eine männliche Gans und ein männlicher Schwan so lange zusammenblieben, war absolut unglaublich.“

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