Direkt zum Inhalt
Studieren mit Durchblick

Studieren mit Durchblick Queere Studenten fordern schallisolierte Glory-Holes als "heteronormativitäts-kritisches" Statement

ms - 25.10.2023 - 12:00 Uhr
Loading audio player...

Die Studenten an der Universität Augsburg wünschen sich drei Glory-Holes für sexuelle Aktivitäten – darüber wird aktuell beim Studentischen Konvent beraten. Konkret sollen die drei Lustlöcher im Hörsaalzentrum gegenüber des Eingangs entstehen, natürlich Schall- und Blickdicht. Gereinigt werden sollen die Örtlichkeiten vom Gebäudemanagement, so die Erklärung im Antragstext.

Richtige Stimmung auf dem Glory-Hole

Natürlich sollten diese Glory-Holes auch barrierearm und in der Höhe verstellbar sein, zudem wünsche man sich auch Wandgriffe, an denen man sich festhalten kann. Und für die richtige Stimmung sei es so auch vonnöten, dass die Lichter dimmbar sind. Noch etwas? Ja, natürlich, gewünscht wird auch eine Kniepolsterung sowie die kostenfreie dauerhafte Bereitstellung von Kondomen, Lecktüchern, Gleit- und Desinfektionsmitteln. Was wie ein April-Scherz klingt, ist dabei offenbar tatsächlich ernst gemeint.  

Fremde Menschen neu kennenlernen

Das Studenten-Konvent begründet das damit, dass im Rahmen eines Festivals der AStA zehn Studenten sich ein Glory-Hole gewünscht hätten, nichts anderes wurde öfter aufgelistet. Und weiter: „Außerdem kann Sex eine entspannende Tätigkeit sein, was im oft anstrengenden Universitätsalltag sehr sinnvoll sein kann. Die damit verbundene Stressreduktion würde für eine positivere Arbeitsatmosphäre am Campus sorgen. Zusätzlich würden fremde Menschen zusammenkommen, um einen gemeinsamen Erlebnis- und Lebensraum zu schaffen und sich auf einer dem Alltag fernen Ebene verbinden.“

Das Glory-Hole als multikulturelles Werkzeug zur besseren Integration sozusagen? Dabei erkennen die Studenten sogar medizinischen Vorteile: „Diese Form der Verbindung kann zu einem besseren Verständnis verschiedener Körper sorgen und auch empowernd wirken, in dem der eigene Körper nicht nur als Grenz- sondern auch als Möglichkeitenraum erlebt werden kann.“

Höheres queeres Sicherheitsgefühl dank Lustlöcher?

Am Ende ist so ein Glory-Hole dabei aus Sicht der Studenten sogar eine Stärkung der LGBTI*-Community, denn: „Das Erbauen der Gloryholes erlaubt es der Universität, sich als heteronormativitätskritischen Raum verstehen zu geben, da Kink als nicht-heteronormative Praxis zu verstehen ist. Diese deutliche queere Positionierung würde Potentiale für die verbesserte Teilhabe am Universitätsalltag von queeren Studierenden entfesseln und damit deren Alltag, das Sicherheitsgefühl sowie das Wohlbefinden ebenjener erhöhen.“

Glory-Holes als Kampf für LGBTI*-Gleichberechtigung. Wenig verwunderlich wurde der Antrag übrigens von Studenten aus dem Queer-Referat eingebracht – wie ernst sie es tatsächlich schlussendlich damit meinen, bleibt offen. Andere Studentenverbindungen wie die christdemokratische RCDS hingegen sprechen in einer Stellungnahme gegenüber der Universitätspräsidentin von einer „höchst skandalösen, inakzeptablen und unangebrachten Initiative“. Und weiter: „Es ist schwer vorstellbar, wie eine solche Idee überhaupt in Betracht gezogen werden könnte.“ Aber was wissen die schon, oder? Die sind wahrscheinlich nur richtig böse queerphob.   

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

1.000 Männer in 24 Stunden

Sex-Rekordversuch nimmt Fahrt auf

Ein geplanter Sex-Marathon des Adult-Stars Drake Von mit 1.000 Männern binnen eines Tages sorgt für Diskussionen über Grenzen der Erotikbranche.
Riskanter Trend unter Männern

Ärtzliche Bedenken bei Ballmaxxing

Der Trend „Ballmaxxing“ verbreitet sich online unter Schwulen immer stärker – Experten warnen dabei vor erheblichen gesundheitlichen Risiken.
Größter Pride weltweit in Not

Krise beim São Paulo Pride

Die LGBT+-Pride in São Paulo rechnet zum 30-jährigen Jubiläum mit deutlich geringeren Einnahmen und sieht sich zudem politischen Angriffen ausgesetzt.
Seltene Infektion in Berlin

Betroffen sind schwule Männer

In Berlin häufen sich derzeit Infektionen mit einem seltenen Bakterium, das bislang vor allem bei schwulen und bisexuellen Männern festgestellt wurde.
US-Kampagne gegen Gewalt

Fokus auf LGBTIQ+-Betroffene

Mit einer neuen Kampagne wollen Vereine in Washington auf häusliche Gewalt in queeren Beziehungen aufmerksam machen und Betroffene besser unterstützen
Aufregung um NRW-Schulprojekt

Schüler gestalten "Puff"-Projekt

Eine spezielle Aufgabe an einem Gymnasium in Nordrhein-Westfalen hat heftige Diskussionen unter Eltern, Schülern und in sozialen Netzwerken ausgelöst.
Staatsschutz ermittelt

Homofeindliche Attacke

Das schwule Anti-Gewalt-Projekt Maneo in Berlin-Schöneberg wurde erneut Opfer eines homofeindlichen Angriffs.
Rede sorgt für Diskussionen

US-Schüler kritisiert Schule online

Ein Schüler aus Kentucky hat mit einer spontanen Rede bei seiner Abschlussfeier landesweit Aufmerksamkeit in den USA ausgelöst.
Erste Gay Street in Sizilien

Regenbogenviertel in Palermo

Im historischen Zentrum von Palermo soll ab Juni die erste Gay Street Siziliens entstehen und ein Leuchtfeuer gegen homophobe Gewalt werden.