Streit um Pride und Pädophilie 12.000 Beschwerden nach homophoben Pride-Äußerungen bei GB News
Die britische Medienaufsicht Ofcom hat jetzt eine Untersuchung gegen GB News eingeleitet. Anlass sind Aussagen von Caroline Farrow, die in einer Sendung Pride-Paraden mit Sodomie und Pädophilie in Verbindung gebracht hatte. Nach Angaben des Senders gingen zu der Sendung mehr als 12.000 Beschwerden ein.
Das Wichtigste im Überblick
- Die britische Medienaufsicht Ofcom untersucht GB News wegen Äußerungen der Kommentatorin Caroline Farrow.
- Farrow hatte Pride-Paraden unter anderem mit Sodomie und Pädophilie in Verbindung gebracht.
- Mehr als 12.000 Menschen beschwerten sich über die betreffende Sendung.
- Zu den Kritikern gehören der Grünen-Vorsitzende Zack Polanski und der Drag-Künstler Bimini.
- Moderator Alex Armstrong widersprach Farrow bereits während der Sendung und distanzierte sich später erneut.
- GB News betonte, die Äußerungen seien persönliche Ansichten und nicht die Position des Senders.
- Ofcom hatte GB News bereits zuvor wegen vergleichbarer Aussagen kritisiert.
Pride und Pädophilie gleichgesetzt
Farrow, die sich selbst als katholische Kommentatorin bezeichnet und als Kampagnenmanagerin für die ultrakonservative Lobbyorganisation CitizenGO arbeitet, äußerte sich in der Sendung „Alex Armstrong Tonight“ nach der Pride-Parade in London im Juli. Sie sagte, bei der Parade gehe es „nicht um die Rechte von Schwulen“. Stattdessen sei der Pride „zu einer Feier jeder einzelnen Sexualität geworden, die nicht Heterosexualität ist“. Nach ihrer Darstellung gehörten dazu „einige sehr bizarre und ungesunde Fetische und Eigenheiten, wissen Sie, wie Furries und Sodomie und sogar Menschen, die sich selbst als Menschen mit sexueller Anziehung zu Minderjährigen bezeichnen, wissen Sie, Pädophile“, so Farrow. Die Äußerungen lösten massive Kritik aus. Zu denjenigen, die sich öffentlich gegen die Aussagen wandten, gehörten unter anderem der Vorsitzende der britischen Grünen, Zack Polanski, sowie Künstlerin Bimini, bekannt aus „RuPaul’s Drag Race UK“.
Offener Brief an Ofcom
Polanski und Bimini unterzeichneten einen offenen Brief, in dem sie die Medienaufsicht Ofcom aufforderten, gegen die aus ihrer Sicht „gefährliche“ Desinformation vorzugehen. Ofcom bestätigte jetzt, dass die betreffende Sendung wegen möglicher Verstöße gegen die Rundfunkstandards untersucht wird. Die Regeln der Medienaufsicht sehen unter anderem vor, dass „Material, das Anstoß erregen kann, durch den Kontext gerechtfertigt sein muss“. Die Ausgabe der Sendung, in der die Aussagen gefallen waren, wurde inzwischen von YouTube entfernt.
Moderator Alex Armstrong hatte Farrow bereits während der Sendung widersprochen. Er sagte, die „überwältigende Mehrheit der Menschen bei Prides“ sei „aus guten Gründen“ dort gewesen. Armstrong fügte hinzu: „Ich glaube nicht, dass sie voller Pädophiler sind.“ In einer späteren Ausgabe der Sendung äußerte er sich noch deutlicher zu dem Vorfall: „Kommentare von Gästen am vergangenen Wochenende haben Gay Pride mit der Feier von Pädophilie gleichgesetzt. Das ist ein uraltes Klischee über Schwule, das über viele Jahre hinweg benutzt wurde, um schwule Menschen zu dämonisieren und zu verleumden.“
Die stellvertretende Vorsitzende der britischen Grünen, Rachel Millward, begrüßte die Entscheidung von Ofcom, die Aussagen zu untersuchen. „Die Andeutung, dass schwule Menschen irgendwie eine besondere Bedrohung für Kinder darstellen, ist unbegründet, unverantwortlich und zutiefst schädlich. GB News ist ein regulierter Rundfunksender, und Rundfunkveranstalter müssen grundlegende professionelle Standards erfüllen. Dazu sollte auch gehören, ihre Plattform nicht dazu zu nutzen, hasserfüllte Lügen über eine marginalisierte Gruppe zu verbreiten.“
Mehrfaches Fehlverhalten des TV-Senders
GB News erklärte: „Diese Kommentare wurden im Rahmen einer Live-Debatte von einer Mitwirkenden geäußert. Sie waren ihre eigenen Ansichten und spiegeln weder die Ansichten noch die redaktionelle Position von GB News wider. Jeder, der die Debatte verfolgt hat, wird festgestellt haben, dass die Kommentare von zwei anderen Mitwirkenden entschieden und wiederholt hinterfragt wurden.“
Die aktuelle Untersuchung ist allerdings nicht der erste Fall, in dem GB News wegen vergleichbarer Äußerungen ins Visier von Ofcom geraten ist. Bereits im vergangenen Jahr stellte die Medienaufsicht einen Verstoß gegen den Rundfunkkodex fest. Damals hatte der Moderator Josh Howie über die „vollständige Einbeziehung von LGBTIQ+-Personen“ in einer Kirche gesagt, dies würde „auch Pädophile einschließen“. Ofcom verhängte damals keine Sanktionen gegen GB News. Ausschlaggebend war, dass der Sender bereits innerhalb weniger Wochen nach der ursprünglichen Ausstrahlung eine Entschuldigung gesendet und eine ausführlichere Diskussion über den Kontext der Äußerung ausgestrahlt hatte.
Druck auf die Medienaufsicht nimmt zu
Die neue Untersuchung fällt in eine Zeit, in der Ofcom zunehmend unter Druck steht, die geltenden Rundfunkregeln konsequenter durchzusetzen. Die Medienaufsicht untersucht auch die erneute Ausstrahlung eines GB-News-Interviews mit Donald Trump. Der frühere Ofcom-Vorsitzende, der konservative Politiker Michael Grade, der sein Amt im April verließ, hatte Kritikern von GB News vorgeworfen, die freie Meinungsäußerung auf einen „liberalen, Islington-Konsens“ beschränken zu wollen. „Islington“ ist ein Stadtbezirk im Norden Londons. Der Begriff wird im britischen politischen Sprachgebrauch zumeist spöttisch oder polemisch verwendet, um ein eher links-liberales bis links-extremes Milieus zu beschreiben.