Direkt zum Inhalt

Premiere in Baden-Württemberg Trans* Frau Jennifer Kubach will Bürgermeisterin werden

Von ms - 10.08.2026 - 14:45 Uhr
Premiere in Baden-Württemberg
Foto: jennifer-kubach.de
ANZEIGE
Loading audio player...

Jennifer Kubach will Bürgermeisterin von Linkenheim-Hochstetten werden. Die parteilose trans* Kandidatin bewirbt sich bei der Wahl am 27. September 2026 um das Amt und möchte dabei ihre langjährige berufliche Erfahrung, ihr ehrenamtliches Engagement und ihre Vorstellungen von einer bürgernahen Verwaltung einbringen.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Jennifer Kubach kandidiert am 27. September 2026 als parteilose Bürgermeisterin in Linkenheim-Hochstetten.
  • Die trans* Frau verfügt nach eigenen Angaben über rund 45 Jahre Berufserfahrung in einem großen deutschen Energiekonzern.
  • Sie engagiert sich ehrenamtlich für Vielfalt und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
  • Zu ihren politischen Vorhaben gehören unter anderem erneuerbare Energien, solide Finanzen, ein Ärztehaus und ein Ausbau des Schienen-ÖPNV.
  • Kubach betont, bei ihrer Kandidatur solle nicht ihre Biografie als trans* Frau, sondern ihre fachliche Qualifikation im Mittelpunkt stehen.

Kandidatin mit Berufserfahrung

Kubach kann nach eigenen Angaben auf rund 45 Jahre Berufserfahrung bei einem der größten deutschen Energiekonzerne zurückblicken. Ihre Laufbahn begann im technischen Bereich. Später übernahm sie verantwortungsvolle Fachaufgaben und arbeitete in zentralen Unternehmensfunktionen. Zu ihren Tätigkeiten gehörten unter anderem die interne und externe Kommunikation, die Koordination komplexer Projekte sowie der maßgebliche Aufbau des Unternehmensbereichs Erneuerbare Energien.

Aus dieser beruflichen Tätigkeit nehme sie insbesondere Erfahrungen in Verantwortung, wirtschaftlichem Denken und Entscheidungsprozessen mit, erklärt Kubach. Auch in schwierigen Situationen habe sie gelernt, tragfähige Lösungen zu entwickeln. Neben ihrem Beruf engagiert sich Kubach seit vielen Jahren ehrenamtlich. Sie gründete den gemeinnützigen Verein Diversity Events e. V. und ist dessen Vorsitzende. Der Verein setzt sich für gesellschaftlichen Zusammenhalt, Vielfalt und gegenseitigen Respekt ein. Zu den von Kubach initiierten Projekten gehört die Diversity-Ballnacht. Die Veranstaltung findet im Oktober zum zweiten Mal in Karlsruhe statt. Sie soll Menschen verschiedener Herkunft, Religionen, Generationen und Lebensweisen zusammenbringen und hat nach Angaben der Kandidatin über die Region Karlsruhe hinaus Aufmerksamkeit erhalten.

Verwaltung und Infrastruktur 

Mit ihrer Kandidatur verbindet Kubach mehrere konkrete politische Vorhaben. Sie setzt auf eine moderne und bürgernahe Verwaltung, transparente Entscheidungen und solide Gemeindefinanzen. Zugleich will sie die Nutzung erneuerbarer Energien konsequent vorantreiben und das Ehrenamt stärken. Auch bei der Infrastruktur sieht die Kandidatin Handlungsbedarf. Geplant ist aus ihrer Sicht unter anderem ein weiterer Ausbau des Schienen-ÖPNV. Zudem möchte sie ein Ärztehaus in der Gemeinde schaffen.

Den Kontakt zu den Einwohnerinnen und Einwohnern will Kubach nach eigenen Angaben nicht auf das Rathaus beschränken. Sie möchte regelmäßig vor Ort ansprechbar sein und den Austausch in Vereinen, Unternehmen, sozialen Einrichtungen und bei öffentlichen Veranstaltungen suchen. „Ich kandidiere nicht für eine Partei, sondern für die Menschen in Linkenheim-Hochstetten“, so Jennifer Kubach. „Als parteilose Kandidatin bin ich ausschließlich den Bürgerinnen und Bürgern verpflichtet. Ich möchte zuhören, anpacken und gemeinsam mit den Menschen unsere Gemeinde weiterentwickeln. Gute Ideen dürfen nicht daran scheitern, dass man sagt: 'Das haben wir schon immer so gemacht.'“

Mit Inhalten überzeugen

Mit ihrer Kandidatur verbindet Kubach zugleich eine persönliche und gesellschaftspolitische Botschaft. Sie gehört nach eigenen Angaben zu den wenigen trans* Frauen in Deutschland, die sich um das Amt einer hauptamtlichen Bürgermeisterin bewerben. Nach ihrer Darstellung ist sie erst die dritte trans* Frau, die diesen Schritt in die Öffentlichkeit wagt. Ihre eigene Biografie soll im Wahlkampf allerdings nicht im Mittelpunkt stehen. Entscheidend seien vielmehr ihre Qualifikationen, ihre Erfahrungen und ihre Bereitschaft, Verantwortung für die Gemeinde zu übernehmen.

„Ich möchte nicht auf meine Biografie reduziert werden. Entscheidend ist für mich die Frage, welche Ideen, welche Erfahrung und welchen Einsatz jemand für eine Gemeinde mitbringt. Wenn meine Kandidatur gleichzeitig anderen Menschen Mut macht, ihren eigenen Weg zu gehen und sich gesellschaftlich oder politisch zu engagieren, dann ist das ein schönes Signal für unsere Demokratie.“ Kubach sieht Vielfalt, Offenheit und gegenseitigen Respekt als wichtige Grundlagen für das Zusammenleben in einer Gemeinde. Gleichzeitig misst sie wirtschaftlicher Vernunft, transparenten Entscheidungen und einer leistungsfähigen Verwaltung große Bedeutung bei. Ihr Ziel sei es, unterschiedliche Positionen zusammenzubringen und Brücken zu bauen. 

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

WDRComing-Out-Days: Queeres Leben auf dem LandWDRDüsseldorfer spricht über Coming-out und Identitätder FreitagTürkischer Exil-Autor Barbaros Altuğ: „Ich stand dort plötzlich wie der Hauptangeklagte“BILDSpätes Coming-out - Früher liebten wir Frauen. Heute daten wir Männer.Alle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wo würdest du ein erstes Date am liebsten verbringen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Queere Vielfalt im Tierreich

Wenn Widder auf Widder stehen

Manche Widder bevorzugen andere Männchen. Gleichgeschlechtliches Verhalten ist weit verbreitet – was Studien zeigen und wo Vergleiche hinken.
Ältere Brüder, schwule Söhne?

Was die Forschung wirklich zeigt

Ältere Brüder und schwule Söhne: Studien finden Zusammenhänge. Doch die Ursache ist nicht bewiesen – und die Statistik bleibt umstritten.
Dresden holt den EuroPride

Rückkehr nach 25 Jahren

Dresden richtet den EuroPride 2029 aus. Nach 25 Jahren kehrt das europäische Pride-Event nach Deutschland zurück. Das Motto setzt auf Brücken.
Streit um Pornoseiten

Sperren vorerst gestoppt

Pornhub und YouPorn müssen vorerst nicht gesperrt werden. Das OVG NRW verweist auf EU-Recht. Der Streit um wirksamen Jugendschutz geht weiter.
Empörung auf Bestellung

Ragebait ist Jugendwort 2026

„Ragebait“ ist das Jugendwort 2026. Was der Begriff bedeutet, warum Provokation Reichweite bringt und was die LGBTIQ+-Community daraus lernen kann.
Warnung von Andrew Scott

Kein Vergessen der Aids-Krise

Der schwule Schauspieler Andrew Scott fordert, die Aids-Krise nicht zu vergessen. Sein neuer Film „Elsinore“ erinnert an jene Zeit.
Schwuler Politiker wehrt sich

BDSM-Fotos sorgen für Wirbel

Alte BDSM-Fotos bringen den schwulen US-Politiker Chris Gallant in die Schlagzeilen. Doch der Kongresskandidat denkt nicht an Rückzug.
Coming-Out bleibt ein Tabu

Schwule Profis schweigen weiter

Thomas Hitzlsperger sieht kleine Fortschritte gegen Homophobie im Fußball. Doch viele schwule Profis fürchten ein Coming-Out selbst nach Karriereende.
Schutz für queere Jugendliche

Mamdani finanziert trans* Medizin

New York stellt neun Millionen Dollar für die Behandlung trans* Jugendlicher bereit, nachdem mehrere Kliniken ihre Angebote eingestellt haben.