Streichung von Alan Turing Keine Ehrung mehr des schwulen Mathematikers auf britischen Geldscheinen?
Auf britischen Banknoten sollen künftig keine historischen Persönlichkeiten mehr abgebildet werden. Stattdessen plant die Bank von England, in einer neuen Serie Tiere und Naturmotive zu zeigen. Das geht aus einer Entscheidung der Zentralbank nach einer öffentlichen Konsultation hervor, an der rund 44.000 Menschen teilnahmen. Im Land sowie auch online regt sich viel Kritik an den Plänen, insbesondere mit Blick auf den schwulen Briten Alan Turing.
Turing, Churchill, Austen
Demnach setzte sich das Thema Natur und Tierwelt als beliebtestes Motiv durch. Damit könnten bekannte Persönlichkeiten, die derzeit auf den Banknoten erscheinen, langfristig verschwinden. Dazu zählen unter anderem der schwule Mathematiker Alan Turing, der frühere Premierminister Winston Churchill, die Schriftstellerin Jane Austen sowie der Maler J. M. W. Turner. Der britische König Charles III. soll weiterhin auf der Vorderseite der Banknoten abgebildet bleiben. Für die Rückseite ist vorgesehen, Tiere oder Vögel darzustellen. Welche Arten konkret ausgewählt werden, soll ebenfalls unter Beteiligung der Öffentlichkeit entschieden werden. Haustiere wie Katzen oder Hunde sollen dabei jedoch nicht berücksichtigt werden.
Mehr Sicherheit mit Natur-Motiven
Victoria Cleland, Chefkassiererin der Bank von England, erklärte zu den Plänen: „Der wichtigste Grund für eine neue Banknotenserie ist immer, sie besser gegen Fälschungen zu schützen, aber sie bietet auch eine Gelegenheit, verschiedene Aspekte des Vereinigten Königreichs zu würdigen.“ Weiter sagte sie: „Die Natur ist aus Sicht der Banknotensicherheit eine gute Wahl und ermöglicht es uns, den reichen und vielfältigen Bestand an Wildtieren im Vereinigten Königreich auf der nächsten Banknotenserie zu zeigen.“ Eine Expertengruppe aus Naturfilmern, Moderatoren, Wissenschaftlern und Naturschützern soll zunächst eine Vorauswahl möglicher Tierarten zusammenstellen, über die anschließend öffentlich abgestimmt wird.
Kritik am Vorhaben
Die Pläne stoßen jedoch auch auf Kritik, insbesondere wegen des möglichen Verschwindens von Alan Turing von den Banknoten. Der Mathematiker spielte eine zentrale Rolle bei der Entschlüsselung deutscher Codes im Zweiten Weltkrieg – er gilt als Urvater heutiger Computer. 1952 wurde Turing wegen seiner Homosexualität strafrechtlich verfolgt. Ihm wurde „grobe Unzucht“ vorgeworfen – derselbe Straftatbestand, der auch gegen den irischen Schriftsteller Oscar Wilde angewandt wurde. Er wurde zu einer chemischen Kastration verurteilt, erkrankte in Folge der Hormonbehandlung an einer Depression und starb etwa zwei Jahre später 1954 im Alter von 41 Jahren durch Suizid. Im Jahr 2009 sprach der damalige britische Premierminister Gordon Brown erstmals eine offizielle Entschuldigung im Namen der Regierung für die „entsetzliche Behandlung“ Turings aus. 2013 sprach auch die damalige Königin Elisabeth II. postum ein königliche Begnadigung aus.
In sozialen Netzwerken äußerten Nutzer Kritik an der geplanten Änderung. Ein Instagram-Nutzer schrieb: „Lasst Turing. Wir haben noch nicht wiedergutgemacht, wie er behandelt wurde. Wahrscheinlich werden wir das nie.“ Ein anderer Mann kommentierte: „Ich habe das Gefühl, Großbritannien wird Turing bis zum Ende der Welt etwas schulden für das, was ihm angetan wurde. Vielleicht sollte man ihn auf die Vorderseite setzen.“ Mit der geplanten Änderung würde eine Tradition von mehr als 50 Jahren enden, in der historische Persönlichkeiten auf britischen Banknoten abgebildet wurden. Eine weitere Konsultation zur endgültigen Auswahl der Tiermotive ist für den Sommer geplant.