Direkt zum Inhalt
Stillstand in Berlin?
ANZEIGE

Stillstand in Berlin? Verhindern Grüne und SPD einen Neubeginn für mehr Sicherheit in der Stadt?

ms - 21.03.2023 - 12:30 Uhr
Loading audio player...

Die CDU hat sich bei der Wiederholungswahl in Berlin im Februar dieses Jahres nicht nur in vielen Bezirken der Stadt als stärkste Kraft etabliert, sondern auch in der Mehrheit der schwul-lesbischen Kieze an die erste Stelle der Parteien gearbeitet, auch in Tempelhof-Schöneberg. Der Kreisverband der „Lesben und Schwule in der Union“ LSU kritisiert nun die Verhandlungen von Grünen, SPD zusammen mit den Linken, um eine Stimmenmehrheit im Bezirk zu erreichen und die alten Strukturen um den bisherigen Bezirksbürgermeister Jörn Oltmann (Grüne) zu erhalten. Dabei würde laut der LSU der Wunsch nach einem politischen Wechsel in der LGBTI*-Community im Zentrum der Regenbogenhauptstadt ignoriert werden.

Verhindert Grün-Rot einen schwulen Bezirksbürgermeister?

Hierzu erklärt der Kreisvorsitzende der LSU Tempelhof-Schöneberg, Marcus Schneider: „Unabhängig davon, dass Grüne, SPD und Linke mit ihren Zählgemeinschaftsverhandlungen offensichtlich das Wahlergebnis und damit den Wählerwillen missachten, bedeutet dies auch einen Stillstand in der Queerpolitik des Bezirks. Mit Matthias Steuckardt hat die CDU den ersten schwulen Bezirksbürgermeisterkandidaten in Tempelhof-Schöneberg ins Rennen geschickt und eine deutliche Mehrheit eingefahren. Anstatt dieses eindeutige Votum anzuerkennen und den Weg für einen Politikwechsel frei zu machen, kleben Bezirksbürgermeister Oltmann (Grüne) und BVV-Vorsteher Böltes (SPD) an ihren Stühlen und sind zum Machterhalt sogar bereit, mit den Linken zusammenzuarbeiten.“

Gewalt in der Szene nimmt weiter zu

Die CDU hatte mit einer Plakatkampagne „Unser Kiez verdient einen schwulen Bürgermeister“ auf den schwulen Bürgermeisterkandidaten Steuckardt aufmerksam gemacht. Ein Kernthema auch innerhalb der schwul-lesbischen Community war die Frage nach der Sicherheit im Kiez sowie in ganz Berlin. Sowohl einige Betreiber von schwulen Clubs und Treffpunkten, wie aber auch Homosexuelle und queere Menschen selbst hatten sich in den letzten Monaten immer wieder dahingehend geäußert, dass sie sich vor allem nachts in Berlin nicht mehr sicher fühlten.

Auch das Berliner Anti-Gewaltprojekt Maneo bestätigte das Grundgefühl anhand von Daten – sowohl Anfragen an die Organisation wie auch die Fallzahlen selbst waren zuletzt binnen eines Jahres stark angestiegen. Die Berliner Initiative für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt (IGSV) verzeichnete einen Anstieg von Hass und Gewalt vor allem gegenüber Homosexuellen um rund 21 Prozent binnen eines Jahres. Jeden Tag kommt es statistisch gesehen inzwischen zu zwei oder mehr Angriffen auf die Community, die meisten Vorfälle werden dabei im Bezirk Tempelhof-Schöneberg sowie in anderen schwul-lesbisch geprägten Regionen wie Tiergarten, Kreuzberg und Neukölln verzeichnet.

Aufbruch oder ein „Weiter so“?

Schneider von der LSU erklärt dazu weiter: „Insbesondere die Grünen geben gerne vor, die Interessen der Community auf politischer Ebene vertreten zu wollen. Bei allen Solidaritätsbekundungen und Lippenbekenntnissen zur queeren Sichtbarkeit verhindern sie einen schwulen Bezirksbürgermeister aber, sobald es um die eigenen Posten geht. Die CDU steht für frischen Wind in der Queerpolitik. Wir werden die Zählgemeinschaftsverhandlungen und ihre Ergebnisse kritisch beobachten, denn in vielen queerpolitischen Themen, wie beispielsweise der Sicherheit im Regenbogenkiez, sehen wir durch eine grün-rot-rote Zählgemeinschaft den Status quo zementiert. Statt einem echten Aufbruch bedeutet dieses Bündnis ein ‚weiter so‘.“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Happy Birthday Ralf König

Comic-Ikone feiert Schnapszahl

Mit seinen Comics prägte Ralf König über Jahrzehnte das Selbstverständnis schwuler Männer – jetzt wird der Meister 66 Jahre jung. Wir gratulieren!
Musikwelt in Trauer

Madonna-Produzent ist tot

William Orbit ist tot. Die Musikwelt verliert einen der einflussreichsten Produzenten, unter anderem von Madonna, Britney Spears und Pink.
Gute Ausreden im Sommer

Hitzefrei im Regenbogenland

Wenn die Temperaturen steigen, wird das Nachtleben kreativ – vor allem bei der Frage, warum heute wirklich niemand auf die Tanzfläche muss.
Schwule Badehäuser in New York

Comeback nach 40 Jahren Verbot

Die Stadt New York prüft nach 40 Jahren Verbot die Rückkehr von schwulen Badehäusern – ein Abschied von Regeln aus der frühen AIDS-Krise.
Tödliche Dating-Masche

Mord in Niederösterreich

Ein 29-jähriger schwuler Mann wurde in Niederösterreich in eine Dating-Falle gelockt und zu Tode geprügelt. Tatverdächtig ist ein 18-Jähriger.
Streit um gleiche Elternrechte

120.000 Unterschriften gesammelt

Eine Petition des LSVD+ fordert gleiche rechtliche Absicherung für alle Kinder – inzwischen haben rund 120.000 Menschen unterschrieben.
LSVD+ und HateAid

Neues Bündnis gegen Hass

QueerSafe Berlin und HateAid bündeln ihre Angebote, um queere Menschen bei digitaler Gewalt schneller und umfassender zu unterstützen.
Feuerwehrkapitänin getötet

Ehefrau legt Mordgeständnis ab

Eine 54-jährige Frau hat jetzt in Kalifornien den Mord an ihrer Ehefrau Rebecca Marodi gestanden. Ermittler sehen Eifersucht als mögliches Motiv.
Streit im Tennissport

Debatte um neue Gen-Tests

Der Streit über den Ausschluss von trans* Sportlerinnen im Frauentennis geht weiter, jetzt äußerte sich Coco Gauff zu den Geschlechtstests der WTA.