Skandal in Australien Flugblätter beschuldigen LGBTIQ+-Menschen der Pädophilie
In Westaustralien hat die Polizei Ermittlungen aufgenommen, nachdem hunderte anonyme Flugblätter in Perth und der näheren Region verteilt wurden, die Mitglieder der LGBTIQ+-Community fälschlich beschuldigen, Straftaten begangen zu haben. Die Flugblätter, die Fotos von homosexuellen und queeren Personen aus der Region enthalten, werfen diesen unter anderem Pädophilie vor.
Erschütterung bei Betroffenen
Eines der Flugblätter zeigt beispielsweise ein Foto von Gregory Helleren, einem Vorstandsmitglied von Pride WA, und unterstellt ihm ebenfalls falsche Vorwürfe der Pädophilie. „Es hat mich ziemlich erschüttert“, sagte Helleren. „Nicht wegen meiner persönlichen Sicherheit oder meines Rufes, sondern weil es traurig ist, dass so etwas noch immer passiert, all diese Jahre nach der Reform des Schwulenrechts.“ Er fügte hinzu, dass die Anschuldigungen in den Flugblättern zwar empörend, aber in ihrer Formulierung „plausibel genug“ seien, um Zweifel zu säen und Menschen zu beeinflussen. Ein Sprecher der Polizei erklärte, dass Personen, die sich durch die Flugblätter betroffen fühlen oder auf einem der Flugblätter abgebildet sind, den Vorfall melden sollten. „Die Polizei von Westaustralien hat mehrere Berichte zu diesen Flugblättern erhalten und die Ermittlungen laufen“, hieß es in einer Stellungnahme.
Forderung nach Antidiskriminierungsgesetz
Die Verteilung der Flugblätter hat in Westaustralien die Forderungen nach einer Verschärfung der Antidiskriminierungsgesetze des Bundesstaates erneut laut werden lassen. Misty Farquhar von der LGBTIQ+-Organisation Rainbow Futures WA, wies darauf hin, dass die bestehenden gesetzlichen Schutzmaßnahmen unvollständig seien: „Die Westaustralier sind verständlicherweise besorgt!“ Der Anstieg gezielter Belästigung und Gewalt im Land, einschließlich eines Terroranschlags auf die Boorloo Invasion Day-Demonstration, zeige, wie schnell sich Spaltung in reale Gewalt verwandeln könne.
Das Gesetz des Bundesstaates bestraft derzeit nur Hassverbrechen aufgrund von Rasse, schließt jedoch nicht andere Gemeinschaften wie LGBTIQ+-Personen, Menschen mit Behinderungen oder Menschen mit abweichenden Geschlechtsmerkmalen ein. Farquhar betonte, dass diese Lücken von Personen ausgenutzt werden könnten, die bereit sind, die Grenzen der Gesetze auszutesten.
Heather Corkhill, Juristische Direktorin von Equality Australia, erklärte, dass der Schutz von LGBTIQ+-Personen im ganzen Land stark variiere, wobei Westaustralien „weit hinter den erforderlichen Standards“ zurückbleibe. „Das Anstacheln von Gewalt gegen trans* Menschen, das Bedrohen von schwulen Männern mit Flugblättern oder das gezielte Belästigen von Regenbogenfamilien ist inakzeptabel und erfordert eine starke, koordinierte Antwort“, so Corkhill. Der Generalstaatsanwalt von Westaustralien, Dr. Tony Buti, verurteilte die Flugblätter ebenso als „abstoßend“ und betonte, dass gezielte Belästigung keinen Platz im Bundesstaat habe.