Shitstorm rund um Boris Palmer Podcast mit Folgen: Tübingens OB nimmt Stellung zu LGBTIQ+
Tübingens Oberbürgermeister und ehemaliger Grünen-Politiker Boris Palmer (53) erlebt seit dem Wochenende erneut einen Shitstorm – Grund dafür sind neuste Aussagen seinerseits über die queere Community und LGBTIQ+-Rechte im Podcast-Interview mit der queer-kritischen Journalistin Judith Sevinç Basad. Basad ist Journalistin und Autorin, absolvierte ihre Ausbildung bei der NZZ und arbeitete kurzzeitig bei BILD. Zudem schrieb sie für die Welt, FAZ und Cicero.
Erneute Debatte um Frauen
Auf die Frage nach der Vielfalt der Geschlechter erklärte Palmer, „biologisch“ gäbe es nur zwei Geschlechter. Zudem sagte er: „Wenn Sie über Geschlechter im Sinne von sozialen Konstrukten reden, kann es unendlich viele geben, denn die Fantasie des Menschen ist quasi unbegrenzt.“ Eine Frau, so Palmer weiter, sei ein Mensch mit zwei XX-Chromosomen. Zum Statement der ehemaligen Bundesfamilienministerin der Ampel-Regierung „Trans* Frauen sind Frauen“ erklärte der Oberbürgermeister weiter: „Nein, das ist nicht so. Trans* Frauen sind Menschen, die als Mann geboren wurden und dann auf welchem Weg auch immer entschieden haben, die Rolle einer Frau zu leben. Das ist legitim. Daran gibt’s nichts auszusetzen. Das ist auch nicht unmoralisch und auch nicht verwerflich und darf nicht mit Diskriminierung beantwortet werden. Aber es macht halt den Unterschied, als Frau geboren zu werden, nicht weg. Da bleibt ein Unterschied.“ Damit bekräftigt der Oberbürgermeister erneut seine Positionen, bereits 2023 hatte er ähnliches erklärt. Scharfe Kritik war damals unter anderem von den Jusos in Tübingen gekommen, Jusos-Kreischef Louis Renz hatte vor zwei Jahren erklärt, Palmer habe "die Schwelle von Peinlichkeit zu Hetze" überschritten. Und weiter: "Einmal mehr schießt er sich auf eine Minderheitengruppe ein und verbreitet diskriminierende Ressentiments."
Kritik am SBGG
Zum Selbstbestimmungsgesetz von 2024 betonte Palmer überdies, er fand die Verabschiedung des SBGG in dieser Form nicht gut: „Ich denke, es geht zu weit, weil es die Rechte von Frauen beeinträchtigt. Also immer dann, wenn die eigenen Rechte auf Kosten anderer Rechte erreicht werden, muss man in der Demokratie eben achtsam sein. Und es gibt Situationen, im Sport ist das am offensichtlichsten, wo die Rechte von Frauen, untereinander zu bleiben, beeinträchtigt werden, in dem Männer dort einbrechen können und sagen: Ich gehöre dazu. Und das ist nicht in Ordnung“, so Palmer im „Triggerwarnung“-Podcast. Der LSVD+ indes hatte in der Vergangenheit wiederholt betont, dass trans* Personen im Sport gleiche Rechte und Teilhabe unabhängig von der Geschlechtsidentität haben sollten. Der Verband erklärte auch, dass eine pauschale Ausschließung von trans* Frauen diskriminierend ist und die Teilhabe an gesellschaftlichen Aktivitäten, einschließlich des Sports, für alle Menschen garantiert werden sollte.
Queerer Aktivismus
Kritik an Palmers jüngsten Äußerungen gab es in ersten Reaktionen von queeren Aktivisten online, die seine Statements erneut scharf kritisierten. Palmer wiederum hatte im Podcast vorab auch betont, dass es aus seiner Sicht beim queeren Aktivismus mitunter zu „Übertreibungen“ komme. Wenn man sich hier in Aspekte „reinsteigere“ und der „Sache eine unangemessene Bedeutung“ zuschreibe, dann könne man nicht erwarten, dass mehr dabei herauskomme als „Blutvergießen“. Palmer hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach queere Politik kritisiert, bekräftige jetzt im Podcast aber auch, für die Gleichstellung von Homosexuellen und für die Rechte für Schwulen und Lesben einzustehen. Aktuell ist Palmer nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg möglicherweise für ein Ministeramt unter einem Ministerpräsident Cem Özdemir im Gespräch.