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Rekord bei Oscar-Nominierung
Foto: PR Bild "En El Camino“ von David Pablos
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Rekord bei Oscar-Nominierung Auszeichnung des Besten Films International so queer wie nie

ms - 22.09.2026 - 13:30 Uhr
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Schon früh zeichnete sich eine hohe LGBTIQ+-Frequenz ab, nun steht immer mehr fest: Das Oscar-Rennen 2027 bekommt eine bisher einmalig starke Präsenz von LGBTIQ+-Geschichten in der Kategorie „Bester internationaler Film“. Zehn Jahre nach „Moonlight“, dem ersten und bislang einzigen Film mit LGBTIQ+-Thematik, der den Oscar für den besten Film gewann, haben bislang neun Länder Filme mit homosexuellen und queeren Themen für die internationale Kategorie ausgewählt.

Das Wichtigste im Überblick

  • Für die Oscars 2027 wurden bislang neun LGBTIQ+-Filme aus neun Ländern als Beiträge für die Kategorie „Bester internationaler Film“ ausgewählt.
  • Zu den Ländern gehören Österreich, Belgien, Brasilien, Kolumbien, Israel, Mexiko, Nepal, Paraguay und Spanien.
  • Als besonders aussichtsreich gilt „La Bola Negra“ von Javier Calvo und Javier Ambrossi.
  • Der spanische Film gewann in Cannes den Preis für die beste Regie und wurde zuletzt beim Toronto Filmfestival als bester Film ausgezeichnet. 
  • Das schwule Drama soll im Dezember bei Netflix erscheinen. 
  • Bis zum 30. September müssen alle Länder ihre Beiträge offiziell benennen.
  • Die Academy veröffentlicht am 15. Dezember eine Shortlist mit 15 Filmen.
  • Die fünf endgültig nominierten Filme werden im Januar 2027 bekanntgegeben.
  • Die 99. Oscar-Verleihung findet am 14. März 2027 statt.

Finale Auswahl im Januar 

Die Entwicklung findet vor dem Hintergrund einer veränderten politischen Situation in den USA statt, in der sich Teile der queeren Community verstärkt Angriffen der US-Regierung ausgesetzt sehen. Gleichzeitig kommt aus anderen Teilen der Welt in diesem Jahr eine besonders große Zahl von Filmen, die sich mit homosexuellen und queeren Lebensrealitäten beschäftigen. Unter den bislang ausgewählten Beiträgen gilt „La Bola Negra“ aus Spanien als besonders aussichtsreich. Der Film von Javier Calvo und Javier Ambrossi gewann in Cannes den Preis für die beste Regie und feierte am vergangenen Wochenende einen weiteren Erfolg beim Toronto International Film Festival. Im Dezember soll der Film bei Netflix erscheinen. Die Handlung verbindet die Geschichten dreier schwuler Männer aus unterschiedlichen Epochen: 1932, 1937 und 2017.  Bis zum 30. September müssen alle Länder ihre Beiträge offiziell benennen. Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences will am 15. Dezember eine Shortlist mit 15 Filmen veröffentlichen. Die fünf endgültigen Nominierten sollen dann am 21. Januar 2027 gemeinsam mit den übrigen Oscar-Kandidaten bekanntgegeben werden. Die 99. Oscar-Verleihung ist schlussendlich für den 14. März 2027 angesetzt.

Eine Betrügerin und Liebe unter Soldaten

Zu den aktuell nominierten gehört „Rose“ aus Österreich. Der Film von Markus Schleinzer war 2026 für den Teddy Award bei der Berlinale im Rennen. Hauptdarstellerin Sandra Hüller erhielt für ihre Leistung den Silbernen Bären. Die Geschichte spielt zu Beginn des 17. Jahrhunderts in einem abgelegenen protestantischen Dorf in Deutschland. Ein geheimnisvoller Soldat taucht dort auf. Er ist schmächtig, zurückhaltend und durch eine Narbe im Gesicht gezeichnet. Der Fremde erklärt, Erbe eines lange verlassenen Bauernhofs zu sein, und legt den misstrauischen Dorfbewohnern ein entsprechendes Dokument vor. Der Film erzählt die wahre Geschichte einer Betrügerin, die sich, obwohl sie als Frau geboren wurde, als Mann ausgab und damit ein ganzes Dorf täuschte.

Nach seiner Oscar-Nominierung 2022 für „Close“ meldet sich dann auch Lukas Dhont mit „Coward“ zurück. Der Film wurde 2026 erstmals beim Festival von Cannes gezeigt. Die Hauptdarsteller Emmanuel Macchia und Valentin Campagne erhielten dort gemeinsam den Preis für die beste männliche Darstellerleistung. „Coward“ spielt während des Ersten Weltkriegs an der belgischen Front. Im Mittelpunkt steht der junge Soldat Pierre, der sich in Francis verliebt. Dieser träumt davon, Theater an die Front zu bringen, und eröffnet Pierre eine ihm bislang unbekannte Welt. Während der Krieg um sie herum eskaliert, wird die Bühne zu einem Zufluchtsort. Dort versuchen die beiden, ihre Unschuld und ihre Liebe zu bewahren.

Fußballträume, Dantes Inferno und Aids

„Feito Pipa“ von Allan Deberton wurde bei der Berlinale mit dem Kristallbären für den besten Film sowie dem Großen Preis der Sektion Generation Kplus ausgezeichnet. Der Film wurde als brasilianischer Beitrag für die Oscars 2027 ausgewählt. Im Zentrum steht der zwölfjährige Gugu, gespielt von Yuri Gomes. Der queere Junge liebt das Tanzen und träumt davon, Fußballspieler zu werden. Das brasilianische Kino hat zuletzt bei den Oscars Erfolge gefeiert. 2024 gewann Brasilien mit Walter Salles’ „I’m Still Here“ erstmals einen Oscar. 

Das Spielfilmdebüt von Gala del Sol, „Rains Over Babel“, wurde von der Regisseurin geschrieben, inszeniert und produziert. Seine Weltpremiere feierte der Film 2025 beim Sundance Film Festival in der Sektion „Next“. Kolumbien schickt das Werk ins Oscar-Rennen. Der Film interpretiert Dantes „Inferno“ auf popkulturelle und queere Weise neu und verlegt die Handlung in die mythische Stadt Maya, eine retrofuturistische Version von Cali. Im Zentrum steht Babel, ein legendärer Nachtclub, der als Fegefeuer für verlorene Seelen dient. „Rains Over Babel“ entstand während des COVID-19-Lockdowns in einem gemeinschaftlichen Entwicklungsprozess. 

„Tell Me Everything“ von Moshe Rosenthal wurde nach dem Gewinn des Ophir Awards als bester Film als israelischer Oscar-Beitrag ausgewählt. Der Film spielt 1987 in Israel. Der zwölfjährige Boaz, gespielt von Yair Mazor, entdeckt, dass sein Vater, den er verehrt, schwul ist. Die Erkenntnis erschüttert die Familie. Im Hintergrund steht die damals aufkommende AIDS-Pandemie. Israel reicht seit Mitte der 1960er Jahre Filme für die Oscars ein. Zehn israelische Beiträge erhielten bislang eine Nominierung in der Kategorie für internationale beziehungsweise fremdsprachige Filme. 

Sex mit LKW-Fahrern, eine Matriarchin und Rock ’n’ Roll 

Die mexikanische Filmakademie hat „En el camino“ von David Pablos als Beitrag für die Oscars 2027 ausgewählt. Der Film gewann 2025 bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig den Queer Lion. Pablos schrieb und inszenierte das Drama über einen Vagabunden namens Veneno, gespielt von Victor Prieto Simental. Er besucht entlang der Straße Raststätten und hat sexuelle Beziehungen mit Lastwagenfahrern. Veneno bekommt von dem einsamen Fahrer Muñeco, gespielt von Osvaldo Sanchez, eine Mitfahrgelegenheit. Während der Reise entsteht zwischen den beiden eine unerwartete Nähe, die von einer ausgeprägten Form von Männlichkeit geprägt ist.  Mexiko wurde bereits neunmal in dieser Kategorie für einen Oscar nominiert. 2018 gewann das Land mit Alfonso Cuaróns „Roma“.

„Elephants in the Fog“ von Abinash Bikram Shah wurde als nepalesischer Beitrag für die Oscars 2027 ausgewählt. Der Film feierte in diesem Jahr seine Premiere in der Sektion Un Certain Regard des Filmfestivals von Cannes. Damit war er der erste nepalesische Spielfilm überhaupt, der für diese Sektion ausgewählt wurde. Zudem gewann er den Preis der Jury. Im Mittelpunkt steht Pirati, die Matriarchin einer Kinnar-Gemeinschaft, die dem sogenannten dritten Geschlecht zugeordnet wird. Sie lebt in einem nepalesischen Dorf und träumt von einem normalen Leben.

„Narciso“ von Marcelo Martinessi gewann bei der Berlinale 2026 den FIPRESCI-Preis und wurde als paraguayischer Beitrag für die Kategorie „Bester internationaler Film“ ausgewählt. Die Handlung spielt 1959 in Asunción unter der Militärdiktatur. Der junge und charismatische DJ Narciso Arévalos, gespielt von Diro Romero, wird mit der Verbreitung des amerikanischen Rock ’n’ Roll immer populärer. Er überzeugt Lulú, den Besitzer eines Radiosenders, gespielt von Manuel Cuenca, die neue Musik anstelle traditioneller paraguayischer Volksmusik zu senden. Die Sendungen begeistern ein junges Publikum, das sich nach Freiheit sehnt. Narcisos Haltung zieht jedoch auch die gefährliche Aufmerksamkeit mächtiger Personen auf sich und weckt den Neid derjenigen, die in Angst leben. Der Film beschäftigt sich mit queerer Sichtbarkeit, sexueller Befreiung und Begehren. 

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