Brasilien löst Olympia-Ticket Volleyballer qualifizieren sich trotz homophober Attacken
Brasiliens Männer-Volleyballnationalmannschaft hat sich mit dem Gewinn der Südamerikanischen Meisterschaft für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles qualifiziert. Im Finale in Rio de Janeiro setzte sich das Gastgeberteam mit 3:0 gegen Erzrivale Argentinien durch.
Das Wichtigste im Überblick
- Brasilien gewinnt die Südamerikanische Volleyballmeisterschaft in Rio de Janeiro mit 3:0 gegen Argentinien.
- Mit dem Titel sichert sich die Männer-Nationalmannschaft die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles.
- Zum brasilianischen Team gehören vier öffentlich schwule Spieler: Adriano Xavier, Maique Reis, Douglas Pureza und Douglas Souza.
- Nach einer enttäuschenden Nations-League-Saison waren die vier Spieler massiv homophoben Angriffen ausgesetzt.
- Adriano Xavier sprach nach dem Titelgewinn unter Tränen über den Hass und die schwierige Zeit.
- Libero Douglas Pureza berichtete, dass die Angriffe nicht die sportliche Leistung, sondern die Identität der Spieler zum Ziel gehabt hätten.
Wehrhaft gegen Homophobie
Damit holte Brasilien den kontinentalen Titel zurück, den Argentinien drei Jahre zuvor gewonnen hatte. Ein Ass von Adriano Xavier besiegelte den Sieg. Danach kam es am Netz zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen beiden Mannschaften. Auslöser war eine provokante Abschiedsgeste von Darlan Souza. Nach dem Ende der aufgeheizten Szene wurden die individuellen Auszeichnungen des Turniers vergeben. Adriano erhielt die Auszeichnung als bester Außenangreifer. Während seiner Dankesrede kämpfte der 24-Jährige mit den Tränen. Er sprach dabei öffentlich über die massive Homophobie, der er und seine schwulen Teamkollegen in den vergangenen Wochen ausgesetzt gewesen waren. Neben Adriano gehören Maique Reis, Douglas Pureza und Olympiasieger Douglas Souza zum Team. Damit stehen vier öffentlich schwule Spieler im brasilianischen Männer-Nationalteam.
Attacken nach Niederlagen
Vorausgegangen war eine enttäuschende Saison in der Volleyball Nations League (VNL). Brasilien belegte in der Vorrunde den neunten Platz und verpasste dadurch die Qualifikation für die Endrunde. Nach den Niederlagen wurden die vier schwulen Spieler gezielt herausgegriffen. Die öffentliche Kritik richtete sich vielfach nicht mehr gegen ihre sportlichen Leistungen, sondern wurde zu persönlichen und homophoben Angriffen. „Die Mannschaft verdient Glückwünsche. Wir haben sehr hart dafür gearbeitet“, sagte Adriano nach dem Sieg dem Sender Ge TV.
„In der VNL hat es nicht funktioniert, es war ein sehr schwieriger Moment für mich, für Maique, für Pureza, für Douglas Souza … für alle Athleten. Aber wir waren Ziel von Kommentaren, von einem Hass, der für niemanden existieren sollte. Wir haben in diesem Moment darunter gelitten.“ Zudem erklärte er: „Heute weinen wir, aber wir weinen Freudentränen, weil wir eine sehr schwierige Zeit durchgemacht haben. Wir haben hart gekämpft, wir haben nicht aufgegeben. Heute sind wir Meister geworden, wir haben unseren Platz gesichert, und wir werden weiterkämpfen – sowohl auf als auch neben dem Spielfeld.“
Hass nach Pride-Trikots
Die Feindseligkeit gegenüber den schwulen Spielern hatte sich bereits über mehrere Monate aufgebaut. Adriano war der letzte der vier Spieler, der sich öffentlich als schwul outete. Ende Mai wurde in sozialen Medien ein Foto veröffentlicht, das die vier schwulen Teamkollegen gemeinsam in Trainingskleidung der Nationalmannschaft zeigte. Viele Fans begrüßten die seltene LGBTIQ+-Repräsentation im Spitzensport. Nur zwei Wochen später änderte sich die Stimmung deutlich. Volleyball World Brasil veröffentlichte Aufnahmen hinter den Kulissen eines Fotoshootings. Einige Spieler trugen Trikots mit einem Pride-Regenbogenbesatz. Die Aktion war vom brasilianischen Volleyballverband (CBV) und seinem Ausrüster organisiert worden. Douglas Souza posierte dabei in verschiedenen Einstellungen für die Kamera. Die Instagram-Beiträge wurden anschließend mit homophoben Kommentaren überflutet. Als Brasilien in der Nations League sportlich enttäuschte, nahmen die Angriffe weiter zu.
„Sie griffen an, wer wir sind“
Libero Douglas Pureza sprach in einem Interview mit „Lance!“ über die Vorfälle. Die Angriffe im Internet hätten eine Grenze überschritten. „Keiner der Kommentare griff unsere Leistung auf dem Spielfeld an. Sie griffen uns an, unsere Erfahrungen, das, was wir sind“, sagte Pureza. „Das ist sehr belastend, weil wir glauben, dass wir auf Kritik vorbereitet sind. Aber wenn es direkt darum geht, wer man ist, ist es sehr schwer.“ Pureza betonte zugleich, dass die vier Spieler gegenseitig füreinander da gewesen seien. Auch Nationaltrainer Bernardo Rezende habe ihnen in dieser Phase Rückhalt gegeben. „Das Trainerteam, und ich möchte ganz deutlich sagen, dass Bernardo dabei besonders wichtig war, war entscheidend dafür, dass wir ruhig geblieben sind“, sagte Pureza. „Er hat immer gesagt, dass er uns und unserer Arbeit vertraut und dass wir ehrliche Sportler sind. Das war also das, was zählte.“
Vor dem Finale gegen Argentinien sprach Pureza in einem weiteren Interview über seine persönliche Geschichte und wurde gefragt, welchen Rat er seinem jüngeren Ich geben würde. Seine Antwort: „Bleib stark. Alles wird gut. Sei du selbst. Verstecke dich vor niemandem, denn es wird funktionieren. Du bist gut. Glaube daran. Sei glücklich.“ Nun geht es für die brasilianische Mannschaft nach Los Angeles. Mit dem Gewinn der Südamerikameisterschaft hat sie sich bereits mehr als ein Jahr vor den Olympischen Spielen das Ticket für das Turnier 2028 gesichert.