Nicht-monogame Nerds Videospiel-Freunde sind sexpositiver als der Durchschnitt
Eine Auswertung der Dating-App Feeld deutet auf einen besonderen Zusammenhang zwischen bestimmten „nerdigen“ Hobbys und nicht-monogamen Beziehungen hin. Besonders häufig genannt werden dabei Tabletop-Spiele wie Dungeons & Dragons, Videospiele, Anime, Cosplay, Comics und Science-Fiction.
Das Wichtigste im Überblick
- Eine Auswertung der Dating-App Feeld untersucht Zusammenhänge zwischen Hobbys und nicht-monogamen Beziehungen.
- Tabletop-Spieler sind laut den Daten 65 Prozent häufiger nicht-monogam als andere Feeld-Nutzer.
- Nutzer in polyamoren Beziehungen sind 80 Prozent häufiger Videospiele-Fans.
- Anime-Fans sind 38 Prozent häufiger, Comic-Leser 50 Prozent häufiger und Science-Fiction-Fans 83 Prozent häufiger nicht-monogam.
- Dating-Experte und Dungeons & Dragons-Spieler Hunt Ethridge sieht Parallelen zwischen Rollenspielen und komplexen Beziehungsformen.
- 53 Prozent der Gen-Z-Nutzer von Feeld nennen sogenannte ethische Nicht-Monogamie (ENM) als Interesse.
„Dungeons & Dragons“ und Polyamorie
Die Daten wurden unter Nutzern der Dating-App Feeld erhoben. Demnach sind Menschen, die sogenannte Tabletop-Spiele spielen, 65 Prozent häufiger nicht-monogam als andere Nutzer der Dating-App. Dabei geht es sowohl um Polyamorie als auch um andere Formen der sogenannten ethischen Nicht-Monogamie (ENM). Als Tabletop bezeichnet man eine Form von strategischen Gesellschaftsspielen, die mit detailgetreuen Miniaturfiguren auf einer ebenen Fläche – meist einem großen Tisch – gespielt werden. Auch bei Videospielen zeigt sich ein deutlicher Unterschied: Menschen in ENM- oder polyamoren Beziehungen sind laut der Auswertung 80 Prozent häufiger Videospiele-Fans als ihre monogam lebenden Pendants.
Anime, Comics, Science-Fiction
Auch andere Hobbys zeigen in der Feeld-Auswertung einen Zusammenhang mit nicht-monogamen Beziehungen. Anime-Fans und Cosplayer sind demnach 38 Prozent häufiger nicht-monogam als der durchschnittliche Feeld-Nutzer. Bei Comic-Lesern liegt der Anteil 50 Prozent höher, bei Science-Fiction-Fans sogar 83 Prozent höher. Aus den Zahlen lässt sich allerdings nicht ableiten, dass ein bestimmtes Hobby dazu führt, dass Menschen nicht-monogame Beziehungen führen. Wer Dungeons & Dragons spielt, Anime schaut oder Comics liest, lebt deshalb nicht automatisch in einer solchen Beziehung. Feeld sieht dennoch verschiedene mögliche Gemeinsamkeiten.
Zeitmanagement und Regeln
ENM-Beziehungen bestehen demnach nicht einfach aus spontanen sexuellen Begegnungen mit mehreren Partnern. Menschen in polyamoren Beziehungen müssen ihre Zeit organisieren und Prioritäten setzen, damit die Bedürfnisse aller Beteiligten berücksichtigt werden können. Feeld sieht darin eine Parallele zu Tabletop-Spielern, die ihre Spieleabende ebenfalls mit anderen Verpflichtungen vereinbaren müssen. Hinzu kommen Regeln und Absprachen. Bei ENM-Beziehungen kann es etwa um persönliche Grenzen, Entscheidungen über Intimität oder darum gehen, wie viel die jeweiligen Partner voneinander wissen. Auch bei Tabletop-Spielen gibt es vor dem Beginn einer Partie zahlreiche Regeln und Entscheidungen, die von den Beteiligten berücksichtigt werden müssen.
Der Dating-Experte und Dungeons & Dragons-Spieler Hunt Ethridge sieht darin weitere Gemeinsamkeiten. „Bei Dungeons & Dragons geht es vor allem darum, sich in die Lage eines anderen hineinzuversetzen – vor allem in die eigene Spielfigur, die Abenteuer erlebt, von denen man selbst niemals träumen würde, und eine fremde Welt aus ihrer Perspektive zu verstehen.“ Das Spiel gehe um „Verletzlichkeit, emotionale Intelligenz, Gruppendenken, Problemlösung und darum, zu lachen, wenn alles auseinanderfällt, was unweigerlich passieren wird“. All diese Fähigkeiten könnten dabei helfen, „komplexere zwischenmenschliche Beziehungen zu bewältigen, wie ENM und Polyamorie“.
Gen Z hat besonderes Interesse
Eine weitere Untersuchung von Feeld zum Thema „State of Dating“ beschäftigt sich mit sogenannten Beziehungsanarchisten. Dabei handelt es sich um Menschen, die Beziehungen ohne eine feste Hierarchie gestalten. Laut Feeld setzen Menschen, die Beziehungsanarchie praktizieren, häufiger als andere Grenzen und legen besonderen Wert auf Ehrlichkeit, Empathie und Achtsamkeit. Beziehungsanarchie ist allerdings nicht dasselbe wie Polyamorie oder ethische Nicht-Monogamie. Alle drei Ansätze gehören aber zu nicht-traditionellen Beziehungsformen, bei denen Grenzen und Erwartungen zwischen den Beteiligten besprochen und ausgehandelt werden.
Feeld registrierte außerdem ein zunehmendes Interesse an Polyamorie und ENM auf der Dating-Plattform. Besonders deutlich zeigt sich dies bei Nutzern der Generation Z. Im Durchschnitt geben 30 Prozent der Feeld-Mitglieder ENM als Interesse an. Bei den Gen-Z-Nutzern sind es 53 Prozent. Noch größer ist der Unterschied beim Interesse an Polyamorie: 42 Prozent der Gen-Z-Nutzer von Feeld geben dies an. Über alle Altersgruppen hinweg sind es lediglich 15 Prozent.