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Geschlechtskrankheiten im Fokus
Foto: iStock / VladOrlov
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Fokus Geschlechtskrankheiten Das Risiko ist ist unter jungen Männern bei Syphilis am größten

ms - 22.09.2026 - 15:15 Uhr
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Wer sich in Deutschland mit einer Geschlechtskrankheit infiziert, ist bei der Diagnose häufig Mitte 30. Bei Gonorrhoe liegt die häufigste Altersgruppe allerdings bereits bei 25 bis 29 Jahren. Zugleich zeigen die Meldedaten von 2019 bis 2025 eine Verschiebung hin zu höheren Altersgruppen, wie die aktuellen Studiendaten aufzeigen. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Das häufigste Alter bei gemeldeten Gonorrhoe-Fällen liegt bei 25 bis 29 Jahren.
  • Bei HIV-Neudiagnosen ist die häufigste Altersgruppe 35 bis 39 Jahre.
  • Syphilis wird besonders häufig bei 30- bis 39-Jährigen diagnostiziert.
  • Seit 2019 verschiebt sich die Altersverteilung bei allen drei Infektionen nach oben.
  • Das Alter bei der Meldung ist nicht zwangsläufig das Alter bei der Ansteckung – besonders bei HIV können Jahre dazwischenliegen.
  • Das Pro-Kopf-Risiko ist bei Syphilis zwischen 30 und 34 Jahren mit 25 Fällen je 100.000 Einwohner am höchsten.
  • Für die Auswertung wurden insgesamt rund 85.000 Syphilis-, HIV- und Gonorrhoe-Fälle berücksichtigt.

STI steigen im Alter an

Für die Auswertung wurden rund 85.000 Meldungen betrachtet, die dem Robert Koch-Institut (RKI) übermittelt wurden. Untersucht wurden Syphilis, HIV und Gonorrhoe. Dabei zeigt sich: Das Alter der gemeldeten Fälle steigt bei allen drei Infektionen. Bei Gonorrhoe ist die Altersgruppe von 25 bis 29 Jahren am häufigsten vertreten. Die Fälle sind allerdings breit über die Altersgruppen verteilt. Die Hälfte der gemeldeten Fälle ist jünger als 32 Jahre, die andere Hälfte älter. Die Aussagekraft der Zahlen ist bei Gonorrhoe zudem eingeschränkt. Deutschlandweit besteht keine Meldepflicht für sämtliche Gonorrhoe-Infektionen. Erfasst werden lediglich Erreger mit verminderter Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Antibiotika. Diese Meldepflicht gilt seit März 2020. Die Altersverteilung dieser Teilmenge gilt allerdings als plausibel.

Bei HIV liegt die häufigste Altersgruppe bei den 35- bis 39-Jährigen. Das Medianalter beträgt 39 Jahre. Dabei muss zwischen dem Zeitpunkt der Infektion und dem Zeitpunkt der Diagnose unterschieden werden. Eine HIV-Infektion kann bereits mehrere Jahre vor der Diagnose bestehen. Das tatsächliche Alter bei der Ansteckung liegt deshalb häufig niedriger als das Alter, das in den Meldedaten erscheint.  Bei Syphilis gehören die 30- bis 39-Jährigen zu den am häufigsten betroffenen Altersgruppen. Das Medianalter liegt bei 41 Jahren. Auffällig ist vor allem die Entwicklung bei den Älteren: Fast jeder dritte gemeldete Fall betrifft inzwischen Menschen ab 50 Jahren. Von 2019 bis 2025 stieg der Anteil der über 50-Jährigen an den Syphilis-Meldungen von 26,6 auf 30,8 Prozent. Besonders stark nahm der Anteil der 60- bis 64-Jährigen zu. Er verdoppelte sich von 3,2 auf 6,4 Prozent.

Pro-Kopf-Risiko 

Die absoluten Fallzahlen können allerdings täuschen, weil die Altersgruppen unterschiedlich groß sind. In Deutschland leben beispielsweise 6,7 Millionen Menschen zwischen 55 und 59 Jahren, aber nur 4,9 Millionen zwischen 25 und 29 Jahren. Wer das Risiko vergleichen will, muss deshalb die Fälle auf die jeweilige Bevölkerungsgröße beziehen. Bei Syphilis ist das Risiko 2025 in der Altersgruppe von 30 bis 34 Jahren mit 25 Fällen je 100.000 Einwohner am höchsten. Es folgen die 35- bis 39-Jährigen mit 24 Fällen und die 25- bis 29-Jährigen mit 23 Fällen je 100.000 Einwohner.

Bei HIV liegt das Risiko zwischen 25 und 44 Jahren auf einem Plateau von rund neun Neudiagnosen je 100.000 Einwohner. Bei Gonorrhoe ist das Risiko bei den 25- bis 29-Jährigen am höchsten. Über alle drei Infektionen zusammen betrachtet liegt die höchste Wahrscheinlichkeit einer Diagnose bei den 30- bis 34-Jährigen. Die Gruppen der 25- bis 29-Jährigen sowie der 35- bis 39-Jährigen liegen nur knapp dahinter.  Ab einem Alter von 65 Jahren sinkt das Risiko bei allen drei Krankheiten deutlich.

Mehr Fälle bei Älteren

Wer die Jahre 2019 bis 2025 miteinander vergleicht, erkennt bei allen drei Krankheiten eine ähnliche Entwicklung: Das Durchschnittsalter der gemeldeten Fälle steigt, während der Anteil der unter 30-Jährigen zurückgeht. Bei Syphilis ist vor allem die Zunahme bei Menschen ab 50 Jahren auffällig. Bei HIV verschiebt sich das Gewicht dagegen vor allem in die mittleren Altersgruppen. Menschen zwischen 30 und 49 Jahren machten 2025 insgesamt 56 Prozent der Neudiagnosen aus. 2019 waren es 53 Prozent. Gleichzeitig sank der Anteil der unter 30-Jährigen von 25 auf 22 Prozent. 

Bei Gonorrhoe sind die Zeitreihen mit Vorsicht zu betrachten. Die entsprechende Meldepflicht begann erst im März 2020. Auch bei den HIV-Zahlen gibt es einen besonderen Effekt: 2022 wurden viele HIV-Infektionen von Menschen gemeldet, die aus der Ukraine geflüchtet waren und bereits zuvor in der Ukraine diagnostiziert worden waren. Der Ausschlag bei den 30- bis 49-Jährigen ist deshalb teilweise auf diesen Meldeeffekt zurückzuführen.

Mehr Tests, mehr Diagnosen

Auch die Häufigkeit von Tests beeinflusst die Zahlen. Menschen, die eine HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) nutzen, werden beispielsweise alle drei Monate auf Geschlechtskrankheiten getestet. Mehr Tests können dazu führen, dass mehr Infektionen entdeckt werden, ohne dass sich das tatsächliche Infektionsrisiko im gleichen Maß verändert hat. Während der Corona-Jahre 2020 und 2021 wurde dagegen weniger getestet. 

Die Daten stammen aus SurvStat@RKI 2.0, ausgewertet von Erobella Research. Untersucht wurden die Meldejahre 2019 bis 2025. In diesem Zeitraum wurden 58.852 Syphilis-Fälle, 20.939 HIV-Fälle und 4.710 Gonorrhoe-Fälle erfasst. Bei Gonorrhoe beziehen sich die Zahlen auf den Zeitraum 2020 bis 2025. Ausgewertet wurden Menschen ab 15 Jahren. Die meisten Geschlechtskrankheiten sind heilbar oder gut behandelbar, wenn sie früh erkannt werden. Tests werden unter anderem auf HIV, Syphilis, Gonorrhoe und Chlamydien angeboten, häufig auch anonym und kostenlos. Für Menschen mit wechselnden Sexualpartnern wird daher empfohlen, sich regelmäßig auf sexuell übertragbare Infektionen testen zu lassen. Häufigkeit und Umfang der Tests sollten dabei vom individuellen Risiko und den jeweiligen Sexualpraktiken abhängen.

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