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100.000 Impfdosen gegen Affenpocken werden bestellt
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Schweizer Bundesrat knickt ein! Deutschland wird langsam zum Schlusslicht Europas im Kampf gegen MPX

ms - 25.08.2022 - 12:00 Uhr
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Der Druck auf den Schweizer Bundesrat muss am Ende zu groß gewesen sein, weswegen die Regierung jetzt bekanntgab, insgesamt 100.000 Impfdosen gegen die Affenpocken (MPX) einkaufen zu werden. Damit reagiert der Bundesrat auf eine Petition und auf die Forderungen mehrerer tausend Menschen sowie Vereine und Organisationen aus der LGBTI*-Community. Wann die dringend erwarteten Impfdosen allerdings eintreffen, ist noch vollkommen ungewiss.

Der Schweizer Bundesrat hatte sich zuvor seit Monaten stur gestellt und versucht, die Forderungen aus der LGBTI*-Community geflissentlich zu überhören – das gleiche Prinzip versuchen die Regierungsvertreter bei queeren Belangen gerne immer wieder. Ob der Druck aus der Szene oder die letztendliche Vernunft, die Nachricht über den Sinneswandel wurde mit großer Freude gerade in der Gay-Community aufgenommen. Schlussendlich scheint die Schweizer Regierung nun aber sehr bewusst und bedacht das Virus eindämmen zu wollen und hat sich sehr gezielt auf die vergleichsweise sehr hohe Anzahl von 100.000 Impfdosen festgelegt. Realistisch geschätzt leben in der Schweiz rund 85.000 homosexuelle Männer, die bis heute den allergrößten Anteil der Infizierten ausmachen. Um einen wirksamen Schutz mit einer Zweifach-Impfung zu erreichen, geht die Schweizer Aidshilfe auf Rückfrage des Bundesrates davon aus, dass mindestens 50.000 Schwule geimpft werden sollten, um den Affenpocken Herr zu werden. Sollte diese Menge an Impfstoff dabei nicht ausreichen, hat der Bundesrat bereits angekündigt, die Not-Bestände der Impfstoffe der Armee ebenso noch zur Verfügung zu stellen. Die Impfkampagne selbst liegt dann in den Händen der einzelnen Kantone, wobei die Schweizer Aidshilfe bereits vorab darauf hingewiesen hat, dass die Vergabe ohne peinliche Befragungen oder diskriminierende Ausschlusskriterien erfolgen müsse, ansonsten drohe die Gefahr, dass die Aktion am Ende nicht zielführend ist.

Die Schweiz reagiert damit, wenn auch mit reichlich Verzögerung, sehr durchdacht auf die Gefährdungslage – ganz anders in Deutschland. Die Bundesregierung hat gerade einmal 200.000 Einheiten bestellt, die für Ende September erwartet werden. Mit Blick auf rund sechs Millionen homo- oder bisexuelle Menschen in Deutschland eine verschwindend geringe Zahl. Mehrere Verbände wie der Lesben- und Schwulenverband Deutschland oder die Deutsche Aidshilfe haben inzwischen mehrfach und energisch das Gesundheitsministerium dazu aufgefordert, die bestellte Menge auf mindestens eine Million Impfdosen aufzustocken. Bis heute hat weder die Ampel-Koalition noch Gesundheitsminister Karl Lauterbach dazu Stellung bezogen. In Österreich wurde in dieser Woche beschlossen, dem Beispiel anderer Länder zu folgen, und den Impfstoff vorerst zu strecken, sodass ein bestmöglicher Basisschutz zeitnah in der breiten Masse der Gay-Community erfolgen kann. Mit dem aktuellen Schweigen der Bundesregierung könnte Deutschland bei der Bekämpfung der Affenpocken zum Schlusslicht in Europa werden – dieses Verhalten ist aktuell auch deswegen so unverständlich, weil die Bundesrepublik neben Spanien und Großbritannien nach wie vor zu den Ländern mit den meisten MPX-Fällen in ganz Europa gehört. Aktuell vermeldet das RKI rund 3.400 Fälle.

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