Direkt zum Inhalt

Schlingerkurs bei der PrEP? Wann kommt die flächendeckende Versorgung mit der PrEP?

Von ms - 22.09.2022 - 17:00 Uhr
Linke kritisieren das Gesundheitsministerium
Foto: IMAGO / Christian Spicker
ANZEIGE
Loading audio player...

Seit Mai 2019 kann die PrEP als Kassenleistung zur HIV-Vorsorge verschrieben werden, wenn Patienten 16 Jahre oder älter sind und ein sogenanntes “substantielles HIV-Infektionsrisiko“ vorliegt – dieses haben praktisch alle Männer, die Sex mit anderen Männern haben (MSM). Obwohl die PrEP weltweit bereits als Erfolg angesehen wird, musste das Robert-Koch-Institut (RKI) in seinem Evaluationsbericht im April dieses Jahres feststellen, dass sich die Versorgung mit dem Medikament bis heute sehr stark auf fünf größere Städte in Deutschland aufteile, flächendeckend würde es aber bisher keine bedarfsgerechte Versorgung geben. Die Partei Die Linke blickt deswegen mit Sorge auf das kommende Jahr und fragte beim Gesundheitsministerium nach, ob sowohl finanziell wie auch planungstechnisch nach dem RKI-Bericht jetzt eine Ausweitung der PrEP-Versorgung in Deutschland angedacht ist.

Das Problem im Bericht des RKIs, welches nun auch das Gesundheitsministerium als Begründung für ein weiteres Abwarten heranzieht: Aufgrund von Kontaktbeschränkungen während den letzten zweieinhalb Jahren Corona lässt sich zwar grundsätzlich festhalten, dass die PrEP effektiv als Prävention gegen HIV wirke, aber epidemiologisch sich schlicht noch nicht abschließend bewerten lässt, welche tatsächlichen positiven Auswirkungen die PrEP in Bezug auf die HIV-Verbreitung in Deutschland hat. Kurzum, es fehlt an weiteren Daten, weswegen das Gesundheitsministerium darauf besteht, erst einmal weitere Ergebnisse abzuwarten, bevor neue Schritte in puncto PrEP abermals auf den Tisch kommen: „Zur weiteren Prüfung und Untermauerung der Ergebnisse sowie weiteren Surveillance der Versorgung mit PrEP wurde daher ein Folgeprojekt initiiert, das derzeit durchgeführt wird und dessen Ergebnisse in die weiteren Planungen der Bundesregierung eingehen werden“, so die Parlamentarische Staatssekretärin Sabine Dittmar.

Ates Gürpinar, Gesundheitsexperte der Linken, verurteilt das Verhalten des Gesundheitsministeriums scharf: "Es ist enttäuschend, wie wenig sich das Bundesgesundheitsministerium darum kümmert, dass es ein flächendeckendes und bedarfsgerechtes Angebot an Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) gibt. Dabei ist die PrEP nach einhelliger Meinung der Fachöffentlichkeit ein wichtiger Baustein in der Safer-Sex-Strategie insbesondere bei Männern, die Sex mit Männern (MSM) haben. Es ist offenkundig, dass die PrEP zur Eindämmung der Neuinfektionen bei MSM beigetragen hat, auch wenn aufgrund der Corona-Pandemie manche Daten der Evaluation etwas verzerrt werden. Auch das Robert-Koch-Institut (RKI), eine Bundesoberbehörde unter dem Dach des Bundesgesundheitsministeriums, schließt sich dieser Position an. Darum ist es umso bedauerlicher, dass sich die Bundesregierung nicht in aller Deutlichkeit für die flächendeckende und bedarfsgerechte Etablierung der PrEP ausspricht. Denn selbstverständlich wäre es ein deutliches Signal an die Selbstverwaltung, sich hier einzubringen und dies ausreichend zu finanzieren. Die Unterfinanzierung in diesem Bereich gefährdet die bisherigen Erfolge in der HIV-Prävention."

Anzeige

Auch Interessant

Queerfeindlicher Hass an der FU

Hakenkreuze nach Flaggen-Attacke

Pride-Flagge abgerissen, Hakenkreuze entdeckt: Die FU Berlin verurteilt Angriffe am Institut für Theaterwissenschaft. Die Polizei ermittelt.
Lara Heubeck lebt offen

DSC-Kommentatorin macht Mut

Lara Heubeck spricht über ihr Leben als trans Frau. Die Kommentatorin des Deggendorfer SC berichtet von großer Unterstützung nach ihrem Coming-out.
Solidarität mit Casa Kuà

Hunderte protestieren nach Razzia

Rund 500 Menschen demonstrieren in Berlin für trans* Gesundheitsversorgung. Nach der Razzia im Casa Kuà wächst der Protest gegen den Polizeieinsatz.
Schwules Paar getötet

60 Jahre Haft für Ex-Polizeichef

Polizisten töteten Eldin und Milton in Guatemala. Zwei Täter erhalten je 60 Jahre Haft. Tonaufnahmen halfen, das Verbrechen aufzuklären.
Heated Rivalry im Kino

Romanze auf großer Leinwand

„Heated Rivalry“ kommt im November in britische und US-Kinos. Zugleich erscheint ein weiterer Film mit Hauptdarsteller Connor Storrie.
Letzte Küsse in der Kutsche

Romantik auf Abschiedstour

New York hat das Ende der Pferdekutschen im Central Park beschlossen. Für schwule Paare verschwindet damit ein besonders romantisches Erlebnis.
Schwuler Volleyballstar

Japan erlebt einen Wandel

Japans Volleyballprofi Rui Takahashi spricht über sein Coming-Out, die Angst vor dem Karriereende und die Unterstützung seines Bruders Ran.
Schwere Vorwürfe gegen Graham

Drei schwule Sexarbeiter berichten

Drei Sexarbeiter behaupten in einer neuen Dokumentation, vom verstorbenen US-Senator Lindsey Graham für sexuelle Kontakte bezahlt worden zu sein.
Haiti verschiebt die Wahlen

Zehn Jahre ohne Urnengang

Haitis Wahlen werden erneut verschoben. LGBTIQ+-Aktivisten warnen vor wachsender Unsicherheit und einer politischen Krise ohne absehbares Ende.