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Russland geht gegen Telegram vor
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Russland attackiert Telegram Regierung kämpft gegen unkontrollierte Kommunikation

ms - 30.07.2026 - 09:00 Uhr
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Russland verschärft sein Vorgehen gegen den Gründer des Messengerdienstes Telegram, Pawel Durow. Der russische Inlandsgeheimdienst FSB hat nach eigenen Angaben ein Verfahren wegen des Verdachts auf Unterstützung von Terroraktivitäten eingeleitet. Gleichzeitig wurde der 41-Jährige international zur Fahndung ausgeschrieben. Im Kern geht die Regierung damit verstärkt gegen ihr unliebsame Kommunikation vor – Telegram wird dabei vor allem auch von der queeren Community im Land verstärkt genutzt. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Der russische Inlandsgeheimdienst FSB hat Ermittlungen gegen Telegram-Gründer Pawel Durow eingeleitet und ihn zur internationalen Fahndung ausgeschrieben.
  • Durow wird vorgeworfen, Terroraktivitäten unterstützt zu haben, weil Telegram die Schließung bestimmter Chats und Bots verweigert habe.
  • Der FSB nennt unter anderem einen Chatbot zur Partnersuche als Beispiel für eine angebliche Nutzung durch ukrainische Dienste.
  • Telegram steht in Russland seit Jahren unter Druck, auch weil die Plattform schwerer staatlich kontrollierbar ist.
  • Moskau kritisiert besonders, dass über Telegram auch queere und homosexuelle Menschen miteinander kommunizieren und sich organisieren können.
  • Durow weist die Vorwürfe zurück. Gegen ihn laufen auch in Frankreich Ermittlungen im Zusammenhang mit organisierter Kriminalität.

Vermeintliche Terrororganisationen 

Kurz nach Bekanntwerden des Haftbefehls erschien auf dem offiziellen Telegram-Konto im Onlinedienst X ein Bild von Durow. Darauf zeigt er der Kamera den Mittelfinger. Nach Darstellung des FSB steht Telegram im Verdacht, sich geweigert zu haben, Chats und Bots zu schließen, die nach Angaben des Geheimdienstes von ukrainischen Stellen sowie vermeintlichen Terrororganisationen genutzt würden. Über solche Kanäle sei versucht worden, in Russland Personen für Sabotageakte und Anschläge anzuwerben. Als konkretes Beispiel führte der FSB einen populären Chatbot zur Partnersuche für junge Menschen an. Darüber hätten ukrainische Dienste nach Angaben der russischen Behörden 46 Russen im Alter zwischen zwölf und 22 Jahren zu Straftaten angestiftet, die der Geheimdienst als Terroranschläge bewertet.

Bereits im Februar, als die Ermittlungen erstmals bekannt wurden, hatte Durow die Vorwürfe zurückgewiesen. Er schrieb damals: „Jeden Tag fabrizieren die Behörden neue Vorwände, um den Zugang der Russen zu Telegram zu begrenzen, weil sie das Recht auf Privatsphäre und freie Rede einschränken wollen.“ Telegram mit seinen mehr als einer Milliarde Nutzern weltweit gehört auch in Russland zu den bedeutendsten digitalen Kommunikationsplattformen. Während des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine wird der Dienst sowohl von ukrainischer als auch von russischer Seite intensiv genutzt.

Freie Kommunikation 

Für die russischen Behörden ist Telegram seit Jahren ein Problem, weil der Dienst eine weitgehend freie Kommunikation ermöglicht und sich staatlicher Kontrolle nur schwer unterwerfen lässt. Moskau hat wiederholt versucht, den Zugang zur Plattform einzuschränken und Nutzer zu staatlich unterstützten Alternativen wie dem unverschlüsselten Messenger MAX zu bewegen. Besonders kritisch sieht die russische Führung auch die Möglichkeit, dass sich über Telegram gesellschaftliche Gruppen austauschen können, die vom Staat unerwünscht sind. Dazu zählt insbesondere die homosexuelle und queere Community, die über die Plattform Kontakte knüpfen und Informationen verbreiten kann. Die russische Regierung hat die LGBTIQ+-Bewegung bereits 2023 als extremistische Organisation eingestuft und damit rechtlich mit Terrorismusvorwürfen verknüpft.

Telegram-Chef bestreitet Vorwürfe

Durow wurde im russischen Sankt Petersburg geboren. Er besitzt neben der russischen auch die französische Staatsbürgerschaft sowie die Staatsangehörigkeit der Vereinigten Arabischen Emirate. Auch Frankreich ermittelt gegen den Telegram-Gründer. Dort wurde Durow im Jahr 2024 festgenommen, nachdem die Behörden dem Messenger vorgeworfen hatten, nicht ausreichend gegen die Nutzung durch Extremisten und Kriminelle vorzugehen. Die französische Justiz untersucht mehrere mögliche Straftaten im Zusammenhang mit organisierter Kriminalität. Durow bestreitet die Anschuldigungen. Nach seiner Festnahme in Frankreich kam er gegen Kaution frei. Die Verfahren laufen weiterhin. Danach ließ sich der Telegram-Gründer in Dubai nieder. Wo er sich aktuell aufhält, ist nicht bekannt.

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