Festnahmen in Singapur Jugendliche Radikalisierung, Angriffe auf LGBTIQ+ verhindert
In Singapur wurden drei Jugendliche wegen mutmaßlicher extremistischer Pläne festgenommen. Nach Angaben der Sicherheitsbehörden stehen zwei der Fälle im Zusammenhang mit geplanten Messerangriffen gegen LGBTIQ+-Menschen. Die Verdächtigen sollen sich über Online-Inhalte radikalisiert haben.
Das Wichtigste im Überblick
- In Singapur sind drei Jugendliche in getrennten Fällen wegen extremistischer Anschlagspläne festgenommen worden.
- Zwei Verdächtige sollen Messerangriffe auf LGBTIQ+-Menschen geplant haben.
- Die Behörden sehen bei allen Fällen eine Radikalisierung über soziale Medien, Spieleplattformen und extremistische Inhalte im Internet.
- Ein 19-Jähriger soll unter anderem Angriffe auf LGBTIQ+-Schüler und Kadetten der Luftwaffe vorbereitet haben.
- Ein weiterer Jugendlicher soll einen Messerangriff an seiner Schule geplant haben und sich dabei zum „Islamischen Staat“ (IS) bekennen wollen.
- Die Behörden betonen, dass Hinweise aus dem Umfeld geholfen haben, mögliche Taten zu verhindern.
Radikalisierung durch IS
Nach Angaben des singapurischen Inlandsgeheimdienstes Internal Security Department (ISD) soll der 19-jährige Tan Jun Jie im Jahr 2022 zum Islam übergetreten sein, nachdem er im Internet auf radikale religiöse Inhalte gestoßen sei. Die Behörde erklärte, der Konsum von Propaganda der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) habe dazu geführt, dass der junge Mann extremistische Ansichten entwickelt habe. Dazu habe die Überzeugung gehört, dass „bewaffnete Gewalt gegen Ungläubige erlaubt sei“. Als mögliche Ziele habe er unter anderem schiitische Muslime, Menschen, die sich an säkularer Regierungsführung beteiligen, sowie vor allem LGBTIQ+-Personen betrachtet.
Der ISD wirft Tan vor, im Jahr 2025 erfolglose Cyberangriffe gegen als „abweichend“ bezeichnete muslimische Gruppen geplant zu haben. Danach habe er einen Angriff auf LGBTIQ+-Schüler einer früheren Hochschule sowie auf Kadetten der singapurischen Luftwaffe vorbereitet. Nach Einschätzung der Ermittler habe er geglaubt, durch solche Taten den Status eines Märtyrers zu erreichen. Die Behörden erklärten, Tan habe sich online mit Messerkampftechniken beschäftigt und den geplanten Angriff als Ersatzplan betrachtet, falls es ihm nicht gelingen sollte, sich militanten Gruppen im Ausland anzuschließen. Aufgedeckt worden sei der mutmaßliche Plan, nachdem Menschen aus seinem Umfeld sein zunehmend gewalttätiges Verhalten gemeldet hätten.
Interesse an Anschlag in Orlando
Ein weiterer Fall betrifft einen inzwischen 14 Jahre alten Jugendlichen. Die Behörden gehen davon aus, dass er sich im Alter von zwölf Jahren im Jahr 2024 durch eine Mischung verschiedener extremistischer Ideologien radikalisiert habe. Nach Angaben der Ermittler spielte der Jugendliche gewalthaltige Online-Spiele und begann, sich mit Personen zu identifizieren, die für Massenangriffe verantwortlich waren. Diese hätten häufig behauptet, wegen Mobbings an Schulen gehandelt zu haben. Der Jugendliche habe angegeben, ähnliche Erfahrungen gemacht zu haben.
Außerdem habe er sich für den Anschlag auf den Nachtclub Pulse im US-Bundesstaat Florida im Juni 2016 interessiert. Durch den Konsum extremistischer Propaganda sei er nach Angaben der Behörden zu der Überzeugung gelangt, dass der Islam die Tötung von LGBTIQ+-Menschen rechtfertige. Der ISD teilte mit, der Jugendliche habe Festplatten mit Tausenden Stunden extremistischer und gewaltverherrlichender Inhalte besessen. Darunter seien Material zur Verherrlichung des IS, neonazistische und antisemitische Propaganda sowie Inhalte über Amokläufe gewesen.
Messerangriff auf Mitschüler
Später habe der Jugendliche auch rechtsextreme Vorstellungen übernommen. Nach Angaben der Behörden habe er sich selbst aufgrund seiner vermeintlich helleren Hautfarbe als überlegen gegenüber seinen Mitschülern gesehen. Die Ermittler werfen ihm vor, einen Messerangriff auf Mitschüler während der Schulferien geplant zu haben. Die Tat hätte im Juni stattfinden sollen. Nach Angaben des ISD habe der Jugendliche den Angriff live übertragen und währenddessen seine Treue zum IS erklären wollen. Anschließend habe er geplant, sich selbst zu töten. Der mutmaßliche Plan sei verhindert worden, nachdem Mitschüler und Lehrkräfte Warnzeichen einer Radikalisierung erkannt und die Behörden informiert hätten.
Planung von Bombenanschlag
Ein dritter Jugendlicher im Alter von 15 Jahren wurde im März festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, in sozialen Medien öffentlich seine Unterstützung für den IS erklärt und einen Angriff nach dem Vorbild des Bombenanschlags auf den Boston-Marathon im Jahr 2013 geplant zu haben. Die drei Fälle stehen nach Angaben der singapurischen Behörden nicht miteinander in Verbindung. Sie seien jedoch ein Hinweis auf die wachsende Gefahr, dass sich junge Menschen über soziale Netzwerke, Gaming-Plattformen und extremistische Inhalte im Internet selbst radikalisieren. Die Behörden verwiesen zugleich auf die Bedeutung von Hinweisen aus dem persönlichen Umfeld. Die Aufmerksamkeit von Freunden, Mitschülern und Lehrkräften habe dazu beigetragen, mögliche Anschläge zu verhindern, bevor Menschen verletzt wurden.