Direkt zum Inhalt
Italienischer ESC-Sänger Marco Mengoni beleidigt
ANZEIGE

„Reich, krank, schwul“ Italienischer ESC-Sänger Marco Mengoni beleidigt

co - 17.05.2023 - 14:00 Uhr
Loading audio player...

Beim Finale des 67. Eurovision Song Contests in Liverpool sorgte der Italiener Marco Mengoni schon in den ersten Minuten für Furore: Bei der Vorstellung der Acts aus allen Ländern schwenkte er nicht nur die italienische Flagge, sondern auch die Progress-Pride-Flagge. In seinem Heimatland kam das anscheinend nicht so gut an. Kein Wunder, denn dort kippt die Stimmung gegen queere Personen zusehends ins Negative – nicht zuletzt dank der rechtskonservativen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und ihrem Kampf gegen die „LGBTI*-Lobby“ (SCHWULISSIMO berichtete).

Aufruhr in den sozialen Medien

Auf Twitter schrieb Mengoni dazu: „Zwei Leben, zwei Flaggen“ – ein Wortspiel zu seinem Song „Due vite“, mit dem er Platz vier erreichte. Seit dem ESC am vergangenen Wochenende wurde der Sänger laut gay.it mit „einer Welle von homophoben Kommentaren“ überhäuft, „die von Hass und Diskriminierung geprägt waren“.

Das LGBTI*-Magazin wunderte sich nicht darüber: Das Land werde von einer rechten Mehrheit regiert und sei „von einer zutiefst diskriminierenden Kultur geprägt“. In seinem Artikel bedauert die Seite, dass es in Italien keine weitreichenden Gesetze zum Schutz von LGBTI*-Personen gibt. Ein entsprechender Gesetzesentwurf namens „DDLZan“ scheiterte im Jahr 2021.

Einige Beleidigungen

Auf den Instagram-Seiten großer italienischer Tageszeitungen wie „Corriere della Sera“, „La Repubblica“ und „La Stampa“ lösten Fotos von Mengoni mit der Regenbogenflagge teilweise heftige Reaktionen aus. Es war von „Verachtung“ und „Propaganda“ die Rede.

Besonders denunzierende Kommentare sprachen von der „Fahne der Verdorbenen“ oder der „Flagge der Schließmuskeln“ und rieten Mengoni dazu, „sich an die Spitze des Fahnenmastes zu setzen“. Einige Personen brachten ihren Ekel zum Ausdruck, nannten den Sänger „reich“, „krank“ und „schwul“. Manche forderten ihn außerdem dazu auf, sich „behandeln“ zu lassen. Andere erinnerten den Musiker daran, dass er immer „das Land wechseln“ könne.

Über Mengoni

Mit „Due vite“ gewannen Mengoni und seine beiden Mit-Songschreiber den Marcel-Bezençon-Preis für die beste Komposition des diesjährigen ESC. Es ist das zweite Mal, dass Italien diesen Preis einheimste. Der erste ging 2019 an Mahmood mit dem Song „Soldi“.

Über seine sexuelle Orientierung hat Mengoni, der laut dem Kölner Stadtanzeiger in seiner Heimat ein Superstar ist, noch nie öffentlich gesprochen. Sein Privatleben behielt er bislang für sich. Und auch zu den Anfeindungen äußerte er sich bisher nicht.

Über die Flagge

Die modernisierte Regenbogenflagge wurde 2018 von der nicht-binären Person Daniel Quasar entworfen. Neben den klassischen Streifen in Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau und Violett hat die Progress-Pride-Flagge fünf weitere Streifen in Form eines seitlichen Dreiecks: Weiß, Rosa, Hellblau, Schwarz und Braun. Sie repräsentieren trans* Personen und People of Color innerhalb der LGBTI*-Community. Manche Ausführungen der Flagge (nicht Mengonis) zeigen zusätzlich ein gelbes Dreieck mit violettem Kreis. Dieses steht für inter* Menschen.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Heated Rivalry kehrt zurück

Staffel 2-Drehstart steht bevor

Connor Storrie und Hudson Williams stimmen Fans mit einem gemeinsamen Auftritt in Toronto auf die zweite Staffel von „Heated Rivalry“ ein.
Überraschung bei Heartstopper

Gelöschte Sex-Szenen enthüllt

Die „Heartstopper“-Stars verrieten jetzt: Netflix strich den Großteil der gedrehten Sex-Szenen aus dem Abschlussfilm, einiges sei wie "Porno" gewesen.
Autor Benjamin Alire Sáenz

Abschied von einem Erzähler

Der Schriftsteller Benjamin Alire Sáenz, bekannt für „Aristoteles und Dante“, ist im Alter von 71 Jahren gestorben.
Dritte Festnahme von Drake Von

Pornostar wird abermals inhaftiert

Adultdarsteller Drake Von ist jetzt zum dritten Mal in diesem Jahr festgenommen worden. Gegen ihn laufen inzwischen mehrere Strafverfahren.
Haft wegen Regenbogen-Shirt

Russland verschärft Repressionen

Ein russischer Kommunalwahlkandidat muss wegen eines Regenbogen-T-Shirts zehn Tage in Haft und darf nicht mehr kandidieren.
KI-Brillen sorgen für Kritik

Warnung vor Überwachungsrisiko

KI-Brillen von Meta könnten laut Kritikern neue Formen staatlicher Überwachung ermöglichen und besonders Minderheiten wie LGBTIQ+ gefährden.
Rätselhafter Tod in Dublin

Leiche in Recyclinganlage entdeckt

Ein obdachloser schwuler Mann wurde tot in einer Müllanlage in Dublin gefunden. Die Polizei schließt ein mögliches Verbrechen nicht aus.
Hardcore in Österreich

Alterscheck für alle Pornoseiten

Österreich plant ab 2027 verpflichtende Alterskontrollen für Pornoseiten. Kritiker warnen vor Risiken für Datenschutz und Anonymität.
Uni-Rauswurf in Nigeria

Schwule Studenten exmatrikuliert

Eine nigerianische Universität hat jetzt zwei männliche Studenten wegen einer homosexuellen Beziehung von der Hochschule geworfen.