Direkt zum Inhalt
Rechtsextreme bei CSDs

Rechtsextreme bei CSDs Störaktionen und Angriffe bei mehreren Pride-Veranstaltungen

ms - 16.06.2025 - 10:00 Uhr
Loading audio player...

Bei mehreren CSDs und Pride-Veranstaltungen kam es am vergangenen Wochenende zu Störungen und Gegenprotest-Aktionen durch Rechtsextreme in Baden-Württemberg und Brandenburg. 

Rechtsextremisten gegen „LGBTQ-Scheiße“

Rund 75 Neonazis liefen so am vergangenen Samstag in Pforzheim beim CSD auf, nach ersten Drohungen war bereits vorab das Sicherheitskonzept der Pride-Demonstration sowie des Straßenfests verstärkt worden. Die Protestaktion der Extremisten betonte dabei, für „traditionelle Werte“ und gegen die „Frühsexualisierung unserer Kinder“ zu demonstrieren. Später wurden Pride-Teilnehmer als „Schmutz“ und „LGBTQ-Scheiße“ beschimpft. Gegenüber einer mitdemonstrierenden Puppy-Gruppe wurde lautstark betont: „Die müssen aufpassen, dass sie nicht weggefangen werden und in die Tierklinik geschafft werden zum Einschläfern.“ Zuvor war online bereits zum Aufmarsch aufgerufen worden. 

Den Rechtsextremen standen rund 350 Antifa-Aktivisten gegenüber, die mehrfach versuchten, den Aufmarsch zu blockieren. Die Polizei versuchte, die beiden Gruppen dauerhaft voneinander getrennt zu halten. Linksextreme Demonstranten warfen dabei mehrfach mit Gegenständen in Richtung der Rechtsextremisten sowie auch der Polizei. Zwei Personen wurden leicht verletzt. Die Polizei umschloss etwa einhundert Personen und stellte ihre Identität fest. Es wurden mehrere Strafverfahren eingeleitet, unter anderem wegen Körperverletzung, tätlichem Angriff, Beleidigung und Verstoß gegen das Versammlungsgesetz. Die Ermittlungen dauern an. Die Polizei war mit mehreren Hundert Kräften im Einsatz. Der CSD selbst verlief friedlich, rund 1.300 Teilnehmer waren dabei. 

Im rund 140 Kilometer entfernten Bad Mergentheim störten einige wenige Rechtsextremisten ebenso den CSD – rund 20 Neonazis kamen zu einer genehmigten Protestkundgebung auf dem Deutschordensplatz. Mit Parolen versuchte die Gruppe lautstark, den CSD mit rund 300 Teilnehmern direkt nebenan zu stören. 

Attacke mit Holzstöcken 

Zu gewalttätigen Angriffen war es am Wochenende dann in Brandenburg gekommen, als eine Gruppe vermummter Männer ein Fest für Vielfalt in Bad Freienwalde attackierte. Die Kundgebung stand unter dem Motto „Für ein buntes Bad Freienwalde“. Während der Veranstaltung sollen mehrere Teilnehmer von rund fünfzehn unbekannten Tätern mit Holzstöcken, Schlagwerkzeugen und Fäusten angegriffen worden sein, mindestens zwei Personen im Alter von 47 und 54 Jahren wurden dabei verletzt. 

Die Polizei war zwar vor Ort, konnte aber den Angriff nicht so schnell verhindern. Die Täter werden als jung und sportlich beschrieben und konnten zu Fuß flüchten. Der Brandenburger Innenminister René Wilke war vor Ort und erklärte: „Wer Menschen attackiert, die ein Familien- und Kinderfest organisieren oder daran teilnehmen, bewegt sich weit außerhalb dessen, was wir als Gesellschaft akzeptieren können und dürfen. Jene greifen unser Zusammenleben als Gesellschaft selbst an. Dagegen muss man sich gemeinschaftlich einsetzen, unabhängig der politischen Auffassung, denn es geht um keine Trivialität, sondern den Schutz unveräußerlicher Rechte für uns alle.“ 

Judith Strohm, Sprecherin von „Bad Freienwalde bleibt bunt“, sagte gegenüber dem rbb: „Es ging extrem schnell und wir haben auch selbst einen Moment gebraucht, um zu realisieren, was da überhaupt passiert. Es gab schon immer, ich sag jetzt mal, die Beobachtung von der anderen Straßenseite, dass Menschen versucht haben, uns zu filmen oder zu fotografieren, dann auch mal einen hässlichen Spruch rüber gerufen haben. Aber in dieser Form sind wir tatsächlich noch nie attackiert worden.“ Bereits im Vorfeld hatte die Polizei Störungen verzeichnet, rund 40 Plakate für die Veranstaltung waren abgerissen und gestohlen worden.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Happy Science-Fiction-Tag

Die Zukunftslust der Community

Heute feiern wir den Science-Fiction Tag – und wir mittendrin. Doch warum begeistern sich so viele Schwule für den fiktiven Blick in die Zukunft?
Gewaltspirale in Bangladesch

Massive Angriffe auf Homosexuelle

In Bangladesch haben die Angriffe auf Schwule und Lesben stark zugenommen, so der Verein JMBF, der um internationale Hilfe bittet.
Prügelstrafen in den USA

Besondere Gefahr für LGBTIQ+-Kinder

In 17 US-Bundesstaaten sind Prügelstrafen bei Kindern bis heute erlaubt. Besonders davon betroffen sind LGBTIQ+-Jugendliche, wie Studien darlegen.
Impfung gegen HPV

Studie belegt hohe Wirksamkeit

HPV gehört zu den häufigsten Geschlechtskrankheiten weltweit, gerade auch unter schwulen Männern. Eine Studie belegt nun die hohe Impf-Wirksamkeit.
Tschechien rüstet auf

Schutz für LGBTIQ+-Menschen

Tschechien stellt sich Hassverbrechen gegen LGBTIQ+-Menschen entgegen. Ab heute gelten schärfere Richtlinien.
Sex-Verbot in Indonesien

Außerehelicher Sex wird illegal

Ab 2. Januar ist Sex außerhalb der Ehe in Indonesien weitestgehend verboten. Für Schwule und Lesben kommt das einem Komplettverbot gleich.
Homosexuellen-Quoten im Job?

Besonderer Vorstoß eines Professors

Wären Quoten für Homosexuelle in der Berufswelt sinnvoll? In den USA wird gerade heftig über die Idee eine renommierten Uni-Professors debattiert.
Gedenken an Diana Sacayán

Queere Kämpferin aus Argentinien

Die argentinische Community gedenkt heute einer Vorreiterin und besonderen Kämpferin für trans* Rechte: Diana Sacayán (1975–2015).