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Prügelstrafen in den USA Queere Jugendliche werden verstärkt zu Opfern

Von ms - 02.01.2026 - 10:00 Uhr
Prügelstrafen in den USA
Foto: iStock / mactrunk
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In Deutschland ist die Prügelstrafe für Kinder seit dem Jahr 2000 verboten, in vielen Bundesstaaten der USA sind solche „Erziehungsmethoden“ bis heute erlaubt. Das Investigativ-Team von Uncloseted Media (UM) hat nun aufgezeigt, wie sehr diese Regelungen insbesondere LGBTIQ+-Jugendlichen Schaden zufügen. 

„Tough Love“ in den USA

UM interviewte dazu landesweit erwachsene LGBTIQ+-Menschen, die in ihrer Jugend und Kindheit Opfer von elterlicher Prügelstrafe wurden – die Fälle schockieren und zeichnen ein düsteres Bild von Bestrafungsmethoden in Teilen der Vereinigten Staaten von Amerika. „Die Prügelstrafe entwickelte sich zu Dingen wie Hausarrest, Wegnehmen von Mahlzeiten, Ersetzen von Mahlzeiten durch Brot und Wasser, Knien auf Reis in einer Ecke mit dem Gesicht zur Wand. Immer wieder musste ich mich auch nackt ausziehen und über den Schoß meines Vaters beugen, der mit einem Plastikspatel meinen Hintern versohlte, auf dem mit schwarzem Filzstift ´tough love´ geschrieben stand“, so ein 29-jähriger schwuler Mann, der heute unter bleibenden Nervenschäden leidet und nur noch am Stock gehen kann. 

Legale Prügelstrafen in den USA

Das Kernproblem: Obwohl diese Bestrafung verheerend war, war sie legal – und ist es bis heute. Die sogenannte „körperliche Züchtigung“ ist bis heute in 17 US-Bundesstaaten landesweit im häuslichen Bereich und in öffentlichen Schulen erlaubt. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat dazu festgehalten, wie vielfältig jene legalen Methoden sind, darunter fallen Schläge, Ohrfeigen, Versohlen mit Händen oder Gegenständen wie Peitschen, Stöcken, Gürteln, Schuhen oder einem Holzlöffel. Auch Treten, Schütteln, durch den Raum werfen, Kratzen, Kneifen bis hin zu Blutergüssen, Beißen und sogar Verbrennen oder Verbrühen sowie das Ziehen an Haaren oder das erzwungene Sitzen oder Knien in unbequemen Positionen sind legal. 

UM hält dazu in seinem Bericht passend fest: „Die Grenze zwischen rechtlich sanktionierten körperlichen Strafen und Kindesmissbrauch ist nicht immer eindeutig. Diese Unklarheit kann es Eltern leicht machen, ihre Kinder auf eine Weise zu bestrafen, die zwar missbräuchlich, aber nicht illegal ist.“ Weltweit sind solche Züchtigungsformen in 68 Ländern illegal, seit 1989 kämpfen die Vereinten Nationen dafür, solche Methoden weltweit abzuschaffen. Nach Schätzungen der US-Schulbehörden werden in den USA jedes Jahr über 160.000 Jugendliche und Kinder so auch in der Schule bestraft, bis heute ist die Bestrafung mit einem Holzpaddel in Bundesstaaten wie Mississippi oder Florida gängige Praxis. 

Elizabeth Saewyc, Professorin für Rechtsfragen rund um Minderjährige an der Universität von British Columbia, erklärte, dass gesetzlich vielerorts Kinder noch als „Eigentum“ ihrer Eltern definiert werden. „Das gibt den Leuten viel Straffreiheit bei dem, was sie tun können und was nicht. Gewalt gegen junge Menschen auf dem Höhepunkt ihres Wachstums und ihrer Entwicklung hat große Auswirkungen auf ihre Gehirne, das kann langfristige Folgen haben.“ 

Besonders stark betroffen: LGBTIQ+-Jugendliche 

Laut der Expertin deuten dabei mehrere Studien darauf hin, dass die Prügelstrafe sich „unverhältnismäßig stark“ auf queere Jugendliche auswirkt. „Viele Eltern wollen nicht, dass ihr Kind homosexuell oder queer ist, und sie gehen davon aus, dass Gewalt das irgendwie verhindern kann.“ Ähnliches bestätigte auch Sloan Okrey Anderson, Assistenzprofessorin für Sozialarbeit an der St. Catherine Universität, gegenüber UM: „Wir wissen, dass geschlechtsuntypische Verhaltensweisen bei Kindern mit einer erhöhten Gewalterfahrung durch die Eltern einhergehen. Es gibt Studien, die anhand von Gehirnscans zeigen, wie unterschiedlich Eltern auf ihre Kinder reagieren, und selbst Eltern, die sich als unterstützend bezeichnen, werden in Bezug auf ihre queeren Kinder stärker negativ aktiviert. Eltern neigen einfach dazu, mehr verinnerlichte negative Überzeugungen über ihre queeren Kinder zu haben.“ 

Diese negativen Überzeugungen werden dabei oft durch ein konservatives religiöses Umfeld verstärkt. Einige religiöse Eltern begründen die Gewalt gerne mit dem Alten Testament: „Wer die Rute schont, der hasst seine Kinder; wer sie aber liebt, der züchtigt sie mit Fleiß“, so eine Bibelpassage. Homosexualität ist in solchen Familien oftmals nichts anderen als eine „dämonische Besessenheit“, die ausgetrieben werden muss. 

Mobbing in der Schule, Mobbing zu Hause

Dabei kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu, wie Cindy Miller-Perrin, Professorin für Psychologie an der Pepperdine Universität erklärte: „Queere Kinder, die körperlich missbraucht werden, werden in sehr hohem Maße auch geschlagen. Es ist nicht unbedingt wahr, dass jeder, der sein Kind versohlt, es am Ende körperlich missbraucht, aber es ist ein sehr bedeutender Risikofaktor.“ Manche Eltern gingen zudem davon aus, mit sogenannten „korrigierenden Vergewaltigungen“ die Homosexualität ihrer Kinder „heilen“ zu können. 

Erschwerend wirkt sich eine Doppelbelastung aus: Viele LGBTIQ+-Kinder und Jugendliche erleben bereits Mobbing in der Schule aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Geschlechtsidentität – dramatischer wird die Lage, wenn sie dann auch zu Hause keine Zuflucht finden können, sondern erneut Ablehnung und Gewalt erleben, einfach nur deswegen, weil sie sind, wie sie sind. 

Auswege aus der Gewalt-Spirale

Miller-Perrin betont, dass der wesentliche Ausweg aus dieser Spirale der Gewalt Bildung sei, insbesondere Elternbildungsprogramme. „Eltern neigen dazu, ihre Kinder so zu erziehen, wie sie selbst erzogen wurden, denn das ist es, was sie kennen.“ Darüber hinaus bedürfte es natürlich auch einer Gesetzesänderung, die die Prügelstrafe verbietet. 

Bisher stoßen solche Initiativen allerdings auf wenig Gegenliebe, so Miller-Perrin weiter: „Die körperliche Züchtigung ist in den Vereinigten Staaten sehr normativ, so dass die Bevölkerung sie nicht wirklich in Frage stellt. Ich denke, das hängt auch mit dem 14. Verfassungszusatz zusammen – Eltern glauben, dass sie das Recht haben, ihre Kinder so zu erziehen, wie sie es für richtig halten.“ Die von UM interviewten schwulen und queeren Opfer der Prügelstrafe in jungen Jahren haben alle eines gemeinsam: Bis heute leiden sie darunter, sie alle sind deswegen bis heute in Therapie. 

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