Direkt zum Inhalt
Radikalisierung von Jugendlichen

Radikalisierung von Kindern Gewaltfantasien auf der Suche nach Zugehörigkeit

ms - 14.01.2026 - 10:30 Uhr
Loading audio player...

Die deutschen Sicherheitsbehörden beobachten eine wachsende rechtsextremistische Szene, die vor allem aus gewaltbereiten Kindern und Jugendlichen besteht, die sich im Internet immer besser organisieren. Hass auf LGBTIQ+ sowie auf Frauen sind dabei zentrale Bestandteile. 

Rasante Radikalisierung 

Laut einer Analyse des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg sowie der Generalstaatsanwaltschaften Stuttgart und München sind es vor allem sehr junge Täter, die terroristische Anschläge verherrlichen oder zu Nachahmung aufrufen, auch mitunter auf Prides in Deutschland. Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) betonte, dass die Täter teilweise erst 12 oder 13 Jahre alt seien, das Durchschnittsalter liegt bei 16 Jahren, alle Betroffenen sind männlich. Er erklärte, dass es sich um eine ernste Bedrohung handele und sagte überdies: „Vom Kinderzimmer direkt zum Terroranschlag.“ Strobl wies darauf hin, dass Sicherheitsbehörden wie der Verfassungsschutz und die Polizei bereits konkrete Terrorpläne verhindern konnten. Die Radikalisierung in diesem Milieu geschehe oft unbemerkt und in rasanter Geschwindigkeit.

Die rechtsextreme Szene bilde sich vor allem auf dem Online-Dienst „Telegram“ und werde deshalb auch als „Terrorgram-Szene“ bezeichnet. In der Regel sind die Jugendlichen aus sozial desintegrierten Familienverhältnissen und zeigen in der Regel wenig Anbindung an die Gesellschaft. Die Analyse, die den Titel „Teenage Terrorists in Deutschland?“ trägt, umfasst mehr als dreißig Fälle aus verschiedenen Regionen Deutschlands und zeigt ein besorgniserregendes Bild dieser neuen Form der Radikalisierung.

Frühwarnsysteme funktionieren 

Die gute Nachricht: Das Frühwarnsystem der Sicherheitsbehörden in Deutschland ist demnach sehr effektiv, die Mehrheit der Vorfälle (70%) wurde rechtzeitig ermittelt und gestoppt. „Obwohl es niemals eine hundertprozentige Sicherheit vor hoch radikalisierten Einzeltätern geben kann, zeigen sich die deutschen Sicherheitsbehörden als äußerst wirksam bei der Früherkennung und entsprechenden Abwehr von Gefahren, die aus dieser Szene heraus entstehen. In keinem der ausgewerteten Fälle konnten die Personen ihre ursprünglichen Anschlagspläne, wie etwa geplante Amokläufe an Schulen, Sprengstoffanschläge oder gezielte Ermordungen von bestimmten Opfern, in die Tat umsetzen“, so die Studienautoren. 

In den meisten Fällen handelt es sich dabei um eine sogenannte schwere staatsgefährdende Gewalttat (35%), gefolgt von weit fortgeschrittenen (27%) oder deutlich erkennbaren (33%) Vorbereitungshandlungen für schwere Gewalttaten. Daneben registrierten die Behörden häufig auch die Ankündigung von Straftaten in den sozialen Medien. 

Rasante Radikalisierung

Die Radikalisierung der Jugendlichen geschieht dabei inzwischen immer schneller, meist in weniger als einem Jahr. Bei den Tatverdächtigen konnten psychische Erkrankungen (68%), eine deutliche familiäre Vernachlässigung (37%) bis hin zu körperlichem Missbrauch (37%) sowie eine ausgeprägte soziale Desintegration (50%) dokumentiert werden. Antriebsmotive waren vor allem eine Faszination für Gewalt, die Suche nach Respekt und Anerkennung, ein fehlendes Gefühl von Zugehörigkeit oder auch Hass und Wut, beispielsweise auf Homosexuelle und queere Menschen. Drei Viertel der Jugendlichen befinden sich inzwischen in einem Ausstiegsprogramm, planen dieses oder haben eine solche Maßnahme bereits abgeschlossen. 32 Prozent von ihnen verweigert diesen Weg. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

In Tschechien festgenommen

Verurteilt wegen Volksverhetzung

Der deutsche Rechtsextremist Sven (Marla Svenja) Liebich lehnt seine Auslieferung aus Tschechien nach Deutschland ab.
Neue Befugnisse für das FBI

Kampf gegen "Gender-Extremismus"

Die US-Regierung plant mehr Befugnisse für das FBI, das ab 2027 auch gegen „linken Gender-Extremismus“ im eigenen Land vorgehen soll.
Landesweite Zensur in den USA

Queere Petition gegen Buchverbote

Wer Fördergelder will, muss LGBTIQ+-Bücher an der Schule verbannen. Das sieht ein aktueller US-Gesetzentwurf vor, gegen den sich Widerstand formiert.
Papst spricht Machtwort

Kritik an deutschen Bischöfen

Papst Leo XIV. fordert von deutschen Bischöfen einen deutlich konservativen Kurs, das finale Ende für Reformen für Schwule und Lesben.
Wichtiger Appell an Meta

Gefahr durch Smartglasses

Über 70 queere Verbände fordern jetzt von Meta, die Gesichtserkennung in den Smartglasses zu stoppen. Eine große Gefahr gerade für LGBTIQ+-Menschen.
Sieg in New York City

Pride-Flagge am Stonewall Monument

Große Freude bei der US-Community: Die Pride-Flagge am Stonewall National Monument bleibt, LGBTIQ+ obsiegt gegen die Trump-Agenda.
Buttigieg for President?

Deutliches Interesse bekundet

Deutlich hat der schwule Ex-Verkehrsminister der USA, Pete Buttigieg, nun seine Ambitionen offengelegt, für das Amts des Präsidenten zu kandidieren.
Meldestelle in Niedersachsen

Aktion gegen queerfeindliche Gewalt

Auch in Niedersachsen sind die Fälle von Hasskriminalität zuletzt angestiegen, jetzt gibt es die erste zentrale Meldestelle für LGBTIQ+-Gewalt.
AfD in Sachsen-Anhalt

Parteiprogramm beschlossen

Im jetzt beschlossenen „Regierungsprogramm“ spricht sich die AfD Sachsen-Anhalt direkt gegen diverse Aspekte der queeren Community aus.