Prides in Europa unter Druck EPOA-Bericht zeigt negative Entwicklung bei CSD-Bewegung
Die Pride-Veranstaltungen in Europa verzeichnen zwar weiterhin Wachstum, stehen jedoch unter zunehmend schwierigen Rahmenbedingungen. Das geht aus dem neuen Bericht „State of Pride“ der European Pride Organisers Association (EPOA) hervor, der erstmals umfassend die Arbeitsbedingungen von Pride-Organisatoren untersucht hat.
Das Wichtigste im Überblick
- 65 Prozent der Pride-Veranstaltungen sind seit 2022 gewachsen
- 81 Prozent berichten von Online-Hass
- 40 Prozent verzeichnen sinkende finanzielle Mittel
- Durchschnittlich rund 95.000 Teilnehmer pro Event
- Viele Veranstaltungen finden außerhalb von Hauptstädten statt
- Pride wird zunehmend als politisch-kulturelles Format verstanden
Zuwachs bei Prides
Grundlage der Studie sind Angaben von 112 Organisatoren, die Erhebung lief von August 2025 bis Ende Januar 2026 und konzentrierte sich auf die konkreten organisatorischen Bedingungen von Pride-Veranstaltungen in Europa. Laut Bericht geben 65 Prozent der Befragten an, dass ihre Pride-Events seit 2022 gewachsen sind – etwa in Bezug auf Teilnehmerzahlen, Programme oder Kooperationen. 24 Prozent sprechen von starkem Wachstum, 41 Prozent von moderatem Zuwachs. Nur 14 Prozent berichten von Rückgängen. Zugleich haben sich Pride-Veranstaltungen inhaltlich deutlich ausgeweitet. 94 Prozent bieten kulturelle Programme wie Konzerte, Theater oder Ausstellungen an, 70 Prozent zusätzlich Bildungsangebote.
Damit entwickeln sich viele Pride-Events zu umfassenden politischen und kulturellen Plattformen. Die durchschnittliche Teilnehmerzahl liegt laut Studie bei rund 95.000 Menschen, wobei die Spannbreite von wenigen Hundert bis zu 1,5 Millionen reicht. Rund 68 Prozent der Veranstaltungen finden außerhalb von Hauptstädten statt. In knapp 31 Prozent der Fälle existieren mehrere Pride-Formate innerhalb derselben Stadt, etwa thematische oder communityspezifische Veranstaltungen. Die älteste im Bericht erfasste Organisation stammt aus Barcelona und wurde 1977 gegründet, die jüngste entstand 2024. Im Durchschnitt bestehen die Organisationen seit etwa 20 Jahren.
Keine Anfeindungen nur bei 11 Prozent
EPOA-Präsident Patrick Orth betont im Bericht, dass Pride „niemals nur ein Event“ sei, sondern ein Ausdruck demokratischer Freiheiten und ein Maß für den gesellschaftlichen Handlungsspielraum. Parallel zum Wachstum nehmen jedoch auch die Belastungen zu. 81 Prozent der Organisatoren berichten von Online-Hass gegen ihre Teams, rund 64 Prozent stellen eine deutliche Zunahme in den vergangenen drei Jahren fest. Knapp 48 Prozent geben zudem direkte Formen von Hassrede bei Veranstaltungen an. Hinzu kommen Vandalismus (40%), Diffamierungen, politische Angriffe, Gegenproteste, Doxxing sowie Drohungen oder Gewaltandrohungen (26%). Lediglich knapp 11 Prozent der Befragten geben an, keinerlei Anfeindungen erlebt zu haben.
Sinkende Budgets nehmen zu
Auch finanziell steht die Szene unter Druck. 40 Prozent berichten von sinkenden Budgets in den vergangenen drei Jahren, darunter 15 Prozent mit Rückgängen von mehr als 25 Prozent. Hauptfinanzierungsquellen sind Unternehmenspartnerschaften (33%) und kommunale Mittel (23%). Mehr als die Hälfte der Organisationen, 53 Prozent, arbeitet ohne bezahltes Personal und ist auf ehrenamtliche Strukturen angewiesen. Burnout ist laut Bericht dabei ein weit verbreitetes Problem: Rund 35 Prozent berichten regelmäßig davon, 45 Prozent gelegentlich. Als größte Herausforderungen nennen rund 55 Prozent der Befragten fehlende finanzielle und personelle Ressourcen, weitere 30 Prozent Sicherheitsprobleme und Anfeindungen. Insgesamt ergibt sich laut Bericht ein widersprüchliches Bild: Pride-Veranstaltungen wachsen und gewinnen an Bedeutung, stehen jedoch gleichzeitig unter wachsendem Druck durch Hass, finanzielle Engpässe und organisatorische Belastungen.