Pionier der Ehegleichheit tot Ein Leben für Rechte: Schwulenaktivist Michael Hendricks
Der kanadische Schwulen-Aktivist Michael Hendricks ist im Alter von 84 Jahren gestorben. Hendricks, dessen Engagement sowohl die Erinnerung an die HIV/AIDS-Krise als auch den Kampf für die Eheöffnung für gleichgeschlechtliche Paare in Québec prägte, starb am 18. Juli durch medizinisch assistierten Suizid nach einer fortschreitenden Lungenerkrankung.
Das Wichtigste im Überblick
- Der kanadische Schwulen-Aktivist Michael Hendricks ist im Alter von 84 Jahren gestorben.
- Hendricks und sein Partner René Leboeuf waren das erste gleichgeschlechtliche Paar, das in Québec legal heiraten durfte.
- Das Paar kämpfte während der HIV/AIDS-Krise für Rechte und schuf eine dauerhafte Gedenkstätte für AIDS-Verstorbene in Montreal.
- Hendricks starb am 18. Juli durch medizinisch assistierten Suizid nach einer fortschreitenden Lungenerkrankung.
- Seine Ehe mit Leboeuf im Jahr 2004 gilt als Meilenstein der kanadischen Schwulen-Geschichte.
Kämpfer für Menschen mit HIV
Während der HIV- und AIDS-Epidemie der 1980er- und 1990er-Jahre setzten sich Hendricks und Leboeuf für die Rechte von homosexuellen Menschen ein. Gemeinsam mit anderen Aktivisten und der Stadt Montreal arbeiteten sie daran, eine dauerhafte Gedenkstätte für die Menschen in Québec zu schaffen, die an AIDS gestorben waren. Aus diesen Bemühungen entstand der Parc de l’Espoir, der „Gedenkpark der Hoffnung“, im Gay Village von Montreal. Auch im hohen Alter engagierte sich Hendricks weiter für den Erhalt des Ortes. Im Alter von etwa 80 Jahren half er dabei, den Widerstand aus der Bevölkerung gegen geplante Veränderungen am Parc de l’Espoir zu organisieren. Die örtlichen Behörden gaben ihre Pläne später auf.
Erstes homosexuelles Ehepaar in Québec
Hendricks und Leboeuf schrieben zudem kanadische Schwulen-Geschichte. Sie waren das erste gleichgeschlechtliche Paar, das in Québec rechtsgültig heiraten durfte. Die beiden heirateten am 1. April 2004, nachdem sie bereits 30 Jahre zusammen gewesen waren. Dem vorausgegangen war ein Rechtsstreit mit der Regierung von Québec. Im November 2001 verklagte das Paar die Provinz und argumentierte, die Verweigerung einer gleichgeschlechtlichen Ehe verletze die kanadische Charta der Rechte und Freiheiten.
Im September 2002 entschied der Oberste Gerichtshof von Québec, dass die Beschränkung der Ehe auf verschiedengeschlechtliche Paare gegen die Charta verstoße. Das Gericht stellte fest, dass die entsprechenden Regelungen in Québec innerhalb von zwei Jahren beendet werden müssten. Im Januar 2004 legte das Paar Berufung ein. Hendricks und Leboeuf verwiesen darauf, dass ähnliche Gerichtsentscheidungen in Ontario und British Columbia das Verbot gleichgeschlechtlicher Ehen dort bereits unmittelbar beendet hatten. Das Berufungsgericht von Québec entschied schlussendlich am 19. März 2004 zugunsten des Paares. Das Gericht erklärte, dass Lizenzen für gleichgeschlechtliche Ehen sofort ausgestellt werden müssten.
Nach ihrer Eheschließung sagte der damals 62-jährige Hendricks: „Es ist wunderbar. Wir hatten gerade unseren großen Moment. Alles verändert sich. Wir werden jetzt als Paar anerkannt – gesellschaftlich und sogar von uns selbst. Es ist eine Verpflichtung, die unzerbrechlich ist.“ Hendricks hinterlässt damit ein Vermächtnis als einer der Aktivisten, die in Kanada entscheidend zur rechtlichen Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare beigetragen haben.