Direkt zum Inhalt
Paukenschlag in Italien

Paukenschlag in Italien Größter katholischer Pfadfinder-Verein bereit für LGBTIQ+-Mitarbeiter

ms - 29.05.2026 - 12:30 Uhr
Loading audio player...

Die italienische katholische Pfadfinderorganisation AGESCI will künftig LGBTIQ+-Personen erstmals den Zugang zu Leitungsfunktionen ermöglichen. Der Verband veröffentlichte die Änderung seiner Auswahlkriterien Ende dieser Woche in einem offiziellen Dokument.

Das Wichtigste im Überblick

  • Größter italienischer Pfadfinderverband AGESCI öffnet Leitungsämter für LGBTIQ+-Personen
  • Verband sieht sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität nicht mehr als Ausschlussgrund
  • Entscheidung folgt auf eine dreijährige interne Debatte
  • AGESCI spricht sich gegen Homo- und Transfeindlichkeit aus
  • Änderung erfolgt vor dem Hintergrund neuer Diskussionen im Vatikan

Homophobe Gefühle überwinden

Im Schreiben betont der Verein: „AGESCI ist zu dem Schluss gekommen, dass sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität keine Ausschlusskriterien bei der Entscheidung sein dürfen, die Gemeinschaftsleitungen betreffen, wenn ein Erwachsener der Vereinigung beitreten möchte, um eine pädagogische Rolle zu übernehmen.“ Weiter erklärte der Verband, dass die Werte von Offenheit und Aufnahmebereitschaft im Zentrum der Organisation stünden. Deshalb sei es „unerlässlich, Wege zu fördern, die darauf abzielen, homophobe, lesbophobe und transphobe Gefühle und Haltungen zu überwinden“.

Solche Einstellungen seien ein Hindernis „für die Anerkennung, Einbeziehung und Integration von Leiterinnen und Leitern in unseren Gruppen und auf allen Ebenen der Vereinigung“. AGESCI wurde 1974 gegründet und gilt als größte Pfadfinder- und Jugendorganisation Italiens. Nach Angaben des Verbands gehörten ihr 2024 rund 182.000 Mitglieder sowie fast 33.500 Leitungspersonen an, darunter etwa 2.000 Priester.

Interne Debatte mit positivem Ende 

Die Entscheidung zugunsten von LGBTIQ+-Leitungspersonen fiel nach einer mehrjährigen internen Debatte. Zwar konnten homosexuelle und queere Menschen bislang bereits an Aktivitäten teilnehmen, Leitungsfunktionen mit pädagogischer Verantwortung waren ihnen jedoch verwehrt. Im Rahmen eines seit 2022 laufenden Konsultationsprozesses sammelte der Verband Berichte von LGBTIQ+-Mitgliedern über Erfahrungen mit Ausgrenzung und Vorurteilen innerhalb der Organisation.

Der Beschluss fällt zudem in eine Zeit neuer Debatten innerhalb der katholischen Kirche über den Umgang mit LGBTIQ+-Menschen. Erst vor wenigen Wochen hatte der Vatikan in einem Bericht erstmals auf das „Leid“ und die „tiefe seelische Belastung“ hingewiesen, die LGBTIQ+-Katholiken insbesondere durch sogenannte Konversionstherapien erfahren hätten. In dem Bericht wurde erklärt, Versuche der Kirche, sexuelle Orientierungen zu „reparieren“, hätten zu „tiefer seelischer Belastung, persönlichen Verletzungen und Erfahrungen von Ausgrenzung oder Doppelleben bei Gläubigen mit gleichgeschlechtlicher Anziehung“ geführt. Von Seiten des Pontifex kam indes zuletzt erneut eine Absage an Reformen für Homosexuelle in der katholischen Kirche. Die Entscheidung von AGESCI dürfte zudem auch in der Regierung auf Missbilligung stoßen

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Schwuler Strand in Gefahr

Kanadas Aktivisten schlagen Alarm

Erosion setzt einem der bedeutendsten schwulen Treffpunkte Kanadas massiv zu – ohne rasche Maßnahmen könnte der Strand weitgehend bald verschwinden.
Sichtbarkeit im Fußball

LGBTIQ+-Persönlichkeiten im Fokus

Outsports hat zum Start der Fußball-WM eine Lister der wichtigsten und einflussreichsten offenen LGBTIQ+-Fußballer veröffentlicht.
Warnung von David Furnish

Sorge um HIV-Prävention

David Furnish sieht die Erfolge im Kampf gegen HIV/AIDS durch politische Entscheidungen, Kürzungen und Einschränkungen von LGBTIQ+-Rechten gefährdet.
David Hockney ist tot

Schwule Maler-Ikone gestorben

David Hockney ist tot. Mit ihm verliert die Kunstwelt einen ihrer bedeutendsten und einflussreichsten Künstler der Gegenwart.
Gesichtscan in Schwulenbar

Streitfall in San Francisco

Der Einsatz von Gesichtscans in mehreren Schwulenbars in San Francisco löst derzeit heftige Debatten über Datenschutz und Überwachung aus.
Ende für schwule Dating-App

Match Group beendet Archer

Drei Jahre nach dem Start stellt die Match Group die schwule Dating-App Archer ein und setzt stattdessen auf eine Beteiligung am Konkurrenten Sniffies
Homosexuellen-Verbot in Afrika

Südafrika verweigert Zustimmung

Südafrika stellt sich mutig gegen eine geplante afrikanische Charta, die Homosexualität verbieten und Menschenrechtsstandards einschränken würde.
Jugendschutz bei Social Media

Ethikrat lehnt Altersgrenze ab

Pauschale Verbote für soziale Medien sind nach Ansicht des Deutschen Ethikrats kein geeignetes Mittel zum Schutz von Kindern und Jugendlichen.
Chemsex in der Community

Einnahme von Drogen nimmt zu

Der neue EU-Drogenbericht zeigt einen hohen Konsum psychoaktiver Substanzen, insbesondere bei Suchtstoffen im Bereich Chemsex.