Direkt zum Inhalt
Wahlen in Ungarn

Parlamentswahl in Ungarn Allianzen mit den USA und Russland

ms - 08.04.2026 - 09:00 Uhr
Loading audio player...

Mit Spannung blickt nicht nur die LGBTIQ+-Community, sondern auch das EU-Parlament am kommenden Sonntag Richtung Ungarn: Gelingt Ministerpräsident Viktor Orbán und seiner Partei Fidesz die Wiederwahl oder steht ein Regierungswechsel an? Die Umfragen versprechen zumindest ein knappes Rennen. In den letzten Tagen hat sich der Ton im ungarischen Wahlkampf zudem deutlich verschärft. 

Attacken Richtung EU und Ukraine 

Entgegen den Befürchtungen der letzten Monate, setzt Orbán bisher allerdings weniger auf Angriffe gegenüber der queeren Community als Sündenbock, sondern konzentriert sich mehr auf außenpolitische Konflikte. In den vergangenen Monaten hatte die Regierung wiederholt vor äußeren Bedrohungen gewarnt. Genannt wurden unter anderem eine „Mafia-Ukraine“, ein „Kriegstreiber-Brüssel“ sowie Szenarien massenhafter Migration infolge internationaler Krisen. Orbáns Kritiker werfen ihm indes vor, so lediglich von innenpolitischen Problemen wie Korruption und wirtschaftlichen Schwierigkeiten abzulenken. Ähnlich bewertet auch die Oppositionspartei Tisza unter ihrem Vorsitzenden Peter Magyar die Lage. Aktuell richtet sich der Fokus der Regierung auf einen Konflikt mit der Ukraine. Budapest spricht von einem „anti-ungarischen Angriff“ und erhebt den Vorwurf einer „Ölblockade“. Im Zuge des Streits blockierte Orban ein geplantes Kreditpaket der Europäischen Union in Höhe von 90 Milliarden Euro für die Ukraine. 

Russland und die USA

Auch außenpolitisch kam es zu demonstrativen Signalen. Nach einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin reiste Ungarns Außenminister Peter Szijjarto nach Moskau. Dort wurden ihm zwei ukrainische Kriegsgefangene übergeben, die der ungarischen Minderheit angehören. Sie waren zuvor im Osten der Ukraine von russischen Truppen gefangen genommen worden. Zuletzt stattete US-Vizepräsident J.D. Vance Machthaber Orbán einen Besuch in Budapest  ab und warb für Unterstützung für den ungarischen Regierungschef, zudem warf er der Europäischen Union „Wahl-Einmischung“ vor. Per Telefon-Call bekräftigte auch US-Präsident Donald Trump seine Zustimmung für Orban. 

Wenig Hoffnung auf Besserung 

Die LGBTIQ+-Community im Land erhofft sich einen Regierungswechsel nach 16 Jahren Victor Orbán, wenngleich unklar ist, ob die Situation für Homosexuelle und queere Menschen im Land mit Oppositionsführer Peter Magyar wirklich besser werden würde. Der konservativ-liberale Politiker hat sich bisher kaum zur LGBTIQ+-Politik geäußert und auch nach dem Pride-Verbot im letzten Jahr nicht klar Stellung bezogen, sondern nur eher grundsätzlich von der Einhaltung der Versammlungsfreiheit gesprochen. Zudem erklärte er, dass Ungarn derzeit „wichtigere Probleme“ habe. Nach einem wirklichen Kurswechsel hin zu mehr Gleichberechtigung und Akzeptanz klingt das eher nicht.  

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Kritik an der Gen-Z

Weniger Jammern, mehr Handeln

Die Jugend in Deutschland jammert zu viel und handelt zu wenig, betont ein Sozialforscher. Davon betroffen sind auch queere Jugendliche.
Homosexuelle Flüchtlinge

Neue humane Wege in Kenia

Kenias Regierung will Flüchtlingslager in neue Dörfer überführen. Homosexuelle haben neue Hoffnung auf eine Verbesserung ihrer Lebensrealität.
Keine Jobs für Homosexuelle?

Sehr schwierige Lage in Afrika

Homosexuelle haben in Afrika nicht „nur“ mit Diskriminierung zu kämpfen, auch die Jobsuche wird zum Hürdenlauf, betont jetzt eine Hilfsorganisation.
Indonesien im Zwiespalt

Zwischen Hass und Herzlichkeit

Indonesien kämpft seit zehn Jahren zwischen den Extremen: LGBTIQ+-Menschen bekämpfen oder integrieren. Ein neue Studie untersuchte das Phänomen.
Kommunikation ohne Big Brother

Neue kreative Wege in Russland

Russland schränkt digitale Wege immer mehr ein, die queere Community und viele Bürger experimentieren derzeit mit neuen Kommunikationsideen.
Rechtsextremismus im Senegal

Experte warnt vor homophoben Kurs

Im Senegal führt ein rechtsextremer Kurs zu immer mehr Homophobie. Die Folge ist Isolation von der Staatengemeinschaft, warnt der Intellektuelle Rodolphe P.
Große Gefahr in Ghana

Kriminelle locken Schwule in Fallen

Alarm in Ghana: Mittels der Dating-Masche wurden in den letzten Wochen hunderte schwule Männer von Kriminellen in Fallen gelockt und ausgeraubt.