Direkt zum Inhalt
Neues Urteil aus Seoul
ANZEIGE

Neues Urteil aus Seoul Kampf um Gleichstellung für homosexuelle Paare

ms - 07.07.2026 - 11:30 Uhr
Loading audio player...

In Südkorea gibt es einen weiteren Schritt in Richtung rechtlicher Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare. Ein Bezirksgericht in Seoul hat jetzt entschieden, dass eine gleichgeschlechtliche Beziehung unter bestimmten Voraussetzungen als faktische Ehe betrachtet werden kann.

Das Wichtigste im Überblick

  • Ein Bezirksgericht in Seoul hat gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften als faktische Ehen bewertet.
  • Bereits 2024 hatte das Oberste Gericht Südkoreas entsprechende Rechte für gleichgeschlechtliche Paare bestätigt.
  • Eine vollständige Eheöffnung oder eingetragene Partnerschaft gibt es weiterhin nicht.
  • Mehrere Klagen von Paaren auf Ehe für alle sind bislang erfolglos geblieben.
  • Konservative Kräfte im Land stellen sich weiterhin gegen eine stärkere Anerkennung von LGBTIQ+-Rechten.

Rechtliche Vorteile für Paare

Das Urteil baut auf einer Entwicklung auf, die bereits seit einiger Zeit besteht. In Südkorea können Paare, die dauerhaft zusammenleben, ihre Finanzen und ihr Vermögen teilen sowie gemeinsamen Besitz haben, unter bestimmten Bedingungen als Lebensgemeinschaft anerkannt werden, auch wenn sie nicht offiziell verheiratet sind. Bereits 2024 hatte das Oberste Gericht Südkoreas entschieden, dass diese rechtliche Regelung auch für gleichgeschlechtliche Paare gelten muss. Damals urteilten die Richter, dass gleichgeschlechtliche Paare bei Leistungen der Krankenversicherung mit verheirateten Paaren gleichgestellt werden müssen.

Der aktuelle Fall vor dem Bezirksgericht Seoul ging noch weiter. Eine dritte Person wurde für das Scheitern der Beziehung eines gleichgeschlechtlichen Paares mitverantwortlich gemacht und zu Schadenersatzzahlungen verpflichtet. Nach Auffassung des Gerichts handelte es sich bei der Beziehung nicht lediglich um ein gemeinsames Wohnen, sondern um eine wirtschaftliche und persönliche Gemeinschaft. Deshalb könne sie als faktische Ehe eingestuft werden.

Anerkennung bleibt rechtlich offen

Trotz dieser Entscheidungen bleiben die Gerichte vorsichtig. Die Richter erklärten ausdrücklich nicht, dass eine De-facto-Ehe oder eine eingetragene Partnerschaft für gleichgeschlechtliche Paare grundsätzlich eingeführt oder vollständig anerkannt werden müsse. Eine solche Entscheidung hätte eine neue rechtliche Grundlage erfordert. Das Gericht erklärte dazu, die Öffnung der Ehe für alle und die Bewertung einer gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft als rechtlich schutzwürdig seien nicht miteinander gleichzusetzen.

Nach Einschätzung von ILGA Asia zeigen die Urteile dennoch, dass eine umfassendere Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare – entweder durch die Ehe oder eine eingetragene Partnerschaft – notwendig und angemessen wäre. Im Oktober 2024 hatten elf Paare bei sechs verschiedenen Gerichten in der Metropolregion Seoul Klagen eingereicht, um die Ehe für alle durchzusetzen. Bislang wurden neun dieser Verfahren entschieden – alle zugunsten der bisherigen Rechtslage und gegen die Forderungen der schwul-lesbischen Community. Über zwei weitere Klagen steht eine Entscheidung noch aus.

Konservative Kräfte bleiben ein Hindernis

Trotz seines modernen internationalen Images ist Südkorea gesellschaftlich in vielen Bereichen weiterhin konservativ geprägt. Das zeigt sich unter anderem bei der jährlich stattfindenden Seoul Pride. Dort kommt es regelmäßig zu Gegenprotesten konservativer christlicher Gruppen. Diese versuchen unter anderem, die Route der Parade zu blockieren, indem sich Teilnehmer auf die Straße legen oder andere Aktionen durchführen. Die jüngsten Gerichtsentscheidungen gelten daher als wichtige Signale für die LGBTIQ+-Community – auch wenn eine vollständige rechtliche Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare in Südkorea weiterhin nicht erreicht ist.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Neuer Mr Gay Spanien

Appell an Eltern queerer Kinder

Der neue Mr Gay Spanien nutzt seinen Titel für einen bewegenden Appell an alle Eltern, ihre queeren und homosexuellen Kinder nicht zu verstoßen.
Masturbation bei Männern

Schwule tun es am häufigsten

Eine neue Studie untersucht Unterschiede bei Masturbation und sexueller Orientierung: Schwule führen das Ranking in puncto Häufigkeit an.
Hormone fürs US-Militär

Mehr Männlichkeit per Spritze

Die US-Regierung setzt auf mehr Testosteron in den Streitkräften – und sorgt mit ihrer neuen Hormon-Offensive für reichlich Diskussionsstoff.
Baseball trifft Heated Rivalry

Schwuler Kuss sorgt für Jubel

Ein schwuler Kuss, inspiriert von „Heated Rivalry“, sorgte bei einem Baseballspiel in Portland für viel Aufmerksamkeit und wurde zum viralen Hit.
Ehrung von Tom of Finland

Bear Week feiert Kult-Zeichner

Sniffies und die Tom of Finland Foundation ehrten mit einer besonderen Aktion bei der Bear Week in den USA den finnischen Kult-Zechner.
Neue Kritik an US-Politik

Tristesse und keine trans* Rechte

Ein neuer US-Bericht kritisiert mehrere konservativ regierte US-Bundesstaaten wegen niedriger Lebensqualität und Anti-Trans-Gesetzen.
Sex mit Fäkalien

Mordversuch in Miami

In Florida hat ein Mann seinen Sex-Partner nach einem Streit angegriffen und mit einer Waffe bedroht haben, weil dieser keinen Sex mit Fäkalien wollte
Angriff auf queere US-Kinder

Schutz für LGBTIQ+-Kinder fällt weg

Die US-Regierung hebt Schutzregeln für LGBTIQ+-Kinder in Pflegefamilien auf. Kritiker warnen vor gravierenden Folgen für Betroffene.
Suche nach ESC-Hoffnung

SWR startet Auswahlprozess

Der SWR hat die Bewerbungsphase für den deutschen ESC-Beitrag 2027 eröffnet und setzt erneut auf einen TV-Vorentscheid.