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Neue US-Helpline für LGBTIQ+ Wenig Vertrauen in US-Regierung, Kalifornien geht eigenen Weg

Von ms - 09.09.2026 - 14:00 Uhr
Neue US-Helpline für LGBTIQ+
Foto: iStock / Fabio Principe
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Kalifornien bereitet einen eigenen Krisendienst für LGBTIQ+-Menschen innerhalb der nationalen 988-Suizid- und Krisenhotline vor. Der Bundesstaat reagiert damit auf die Abschaffung des bisherigen speziellen Angebots durch die Regierung von US-Präsident Donald Trump. Die US-Regierung hat inzwischen zwar angekündigt, die spezielle Helpline wieder einzuführen, in Kalifornien gibt es jedoch Zweifel, ob die neue Bundeslösung alle Betroffenen ausreichend erreichen wird.

Das Wichtigste im Überblick

  • Kalifornien plant einen eigenen Zugang innerhalb der 988-Krisenhotline.
  • Das Angebot soll greifen, wenn die Bundeslösung trans* Menschen ausschließt, LGBTIQ+-Menschen abschreckt oder erfahrene queere Organisationen nicht einbindet.
  • Zwei Gesetze haben das Parlament dafür bereits passiert und warteten nun auf die Entscheidung von Gouverneur Gavin Newsom.
  • Der Plan geht auf einen Gesetzentwurf des demokratischen Abgeordneten Mark González zurück.
  • Die Trump-Regierung hatte den speziellen LGBTIQ+-Jugenddienst im Juli 2025 beendet.
  • Der Dienst hatte seit 2022 rund 1,6 Millionen Kontakte bearbeitet, darunter mehr als 73.000 aus Kalifornien.
  • Der US-Kongress verlangte später die Wiederherstellung und stellte dafür 33,1 Millionen Dollar bereit.
  • Das US-Gesundheitsministerium kündigte an, die Helpline bis Ende 2026 zurückzubringen.
  • Kalifornien kann den Dienst nicht allein aktivieren, sondern benötigt dafür die Zustimmung der Bundesbehörde SAMHSA.

Eigener LGBTIQ+-Krisendienst

Die Abgeordneten des Bundesstaates verabschiedeten jetzt einen Vorschlag, der Kalifornien ermöglichen soll, einen eigenen Zugang innerhalb der 988 Suicide & Crisis Lifeline aufzubauen. Das Angebot könnte genutzt werden, wenn die bundesweite Ersatzlösung trans* Menschen ausschließt, Teile der LGBTIQ+-Gemeinschaft von der Nutzung abhält oder erfahrene LGBTIQ+-Organisationen nicht beteiligt. Zwei Gesetze mit einem Budget von fünf Millionen US-Dollar schaffen die Grundlage dafür und haben das Parlament des Bundesstaates bereits passiert. Nun fehlt nur noch die Entscheidung des demokratischen Gouverneurs Gavin Newsom. 

Der Plan geht auf ein Gesetzesvorhaben zurück, dass der demokratische Abgeordnete Mark González eingebracht hatte.  González beschrieb die psychische Belastung vieler Menschen aus der LGBTIQ+-Gemeinschaft mit den Worten: „Es gibt einen unsichtbaren Kampf, den viele von uns in der Gemeinschaft erlebt haben – diese Belastung auf dem Herzen, die Spirale im Kopf, die endlosen Nächte voller Tränen und Was-wäre-wenn-Fragen. Gerade in einer Welt, in der die Trump-Regierung bei jeder Gelegenheit Hass wählt, wird Kalifornien sicherstellen, dass am anderen Ende dieser Leitung jemand ist, der weiß, wie man ihnen hilft.“

Bund muss zustimmen

Kalifornien kann den früheren Dienst allerdings nicht einfach selbst wieder einschalten. Weil die 988-Hotline auf Bundesebene verwaltet wird, müsste der Bundesstaat zunächst die Zustimmung der Substance Abuse and Mental Health Services Administration (SAMHSA) oder des von ihr beauftragten Netzbetreibers erhalten. Die California Health and Human Services Agency soll das bundesweite Angebot jährlich überprüfen. Sollte es als unzureichend bewertet werden, könnte Kalifornien beantragen, Anrufer aus dem Bundesstaat, die die Taste 3 wählen, an ein auf LGBTIQ+-Menschen spezialisiertes Krisenzentrum weiterzuleiten. Nach einer Genehmigung durch die Bundesregierung hätte Kalifornien bis zu zwölf Monate Zeit, die notwendige technische Infrastruktur aufzubauen und qualifizierte Anbieter einzustellen. 

Trump-Regierung beendete Dienst

Die Trump-Regierung hatte das nationale Programm «LGBTQ+ Youth Specialized Services» am 17. Juli 2025 beendet. Zur Begründung hieß es, die Angebote würden künftig „nicht länger isoliert für LGB+-Jugendliche angeboten“, sondern sollten sich auf alle Hilfesuchenden konzentrieren. Trans* Menschen wurden in der damaligen Mitteilung nicht erwähnt.  Seit dem Start des Pilotprogramms im Jahr 2022 waren rund 1,6 Millionen Kontakte über den Dienst bearbeitet worden. Mehr als 73.000 davon entfielen im letzten Jahr auf Kalifornien. 

Der US-Kongress verlangte später die Wiederherstellung des Angebots und stellte dafür 33,1 Millionen Dollar bereit. Das US-Gesundheitsministerium teilte mit, die queere Helpline solle bis Ende 2026 zurückkehren. Gleichzeitig müsse der Dienst den Vorgaben von Präsident Trump zur bundesstaatlichen Anerkennung von Transidentitäten entsprechen. Das Vergabeverfahren schien zudem das Trevor Project auszuschließen. Die Organisation hatte an der Entwicklung des Dienstes mitgewirkt und etwa die Hälfte der Kontakte bearbeitet. Ein neuer Auftragnehmer wurde bislang nicht öffentlich bekanntgegeben

Neue Millionen, aber keine Klarheit

Anfang dieser Woche kündigte das US-Gesundheitsministerium 252 Millionen Dollar für 988 und weitere Krisendienste an. Das spezielle LGBTIQ+-Angebot, ein Anbieter oder ein konkreter Termin für die Rückkehr der queeren Helpline wurden dabei nicht genannt. 

US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. sagte: „Wir investieren mehr als 380 Millionen Dollar, um das amerikanische System für psychische Gesundheit zu stärken und Menschen zu helfen, die wirksame Versorgung zu erhalten, wenn sie sie benötigen. Dazu gehören 252 Millionen Dollar zur Stärkung von 988, zur Suizidprävention und zur Verbesserung der Krisenversorgung in Gemeinden im ganzen Land.“ Damit bleibt offen, wie die angekündigte Rückkehr des speziellen LGBTIQ+-Angebots konkret aussehen wird. Kalifornien will deshalb vorsorglich die Voraussetzungen für einen eigenen Zugang schaffen. 

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